Historie - der historische Templerorden
Im Jahre 1118 gründeten in Jerusalem 8 fränkische Ritter unter Führung von Hugo de Payns und Geoffroy de Saint-Omer die Gesellschaft der armen Ritter Christi nach der Regel des heiligen Benedikt und der Verpflichtung, das heilige Land zu verteidigen und die reisenden Pilger gegen Überfälle durch Ungläubige und Räuber zu schützen. Die Synode von Troyes unter Papst Honoris II. bestätigte 1128 den neuen "Orden vom Tempel" und gab ihm den weißen Mantel mit dem roten Ordenskreuz darauf. Der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux verfasste im Auftrag des Konzils die templerischen Ordensregeln.
Schon nach wenigen Jahren war der Ritterorden der Templer zu einer der stärksten Stützen der Kreuzfahrerstaaten Palästinas und Syriens im Kampf gegen die islamischen Heere geworden. Hierfür hatten die Templer ausgedehnte Privilegien erhalten, die sie zu einer Institution von größter Bedeutung im christlichen Abendland werden ließen. Der Ritterorden der Tempelherren unterstand dem Papst. Als der Orden 1312 unterging, besaßen die Tempelritter 10.500 Ordenshäuser und Burgen.
Nachdem König Philip IV. von Frankreich am 13. Oktober 1307 sich der in seinem Herrschaftsbereich gelegenen Templerhäuser bemächtigt hatte und die Interventionen König Eduard II. von England wie auch von Jacob II. von Aragon vergeblich geblieben waren, fügte sich am 03. April 1312 in der Kathedrale Saint-Maurice zu Vienne Papst Clemens V. dem königlichen Druck und verkündete die Aufhebung des Templerordens, wobei er darauf hinwies, dass er dies nicht aus Rechtsgründen, sondern cum gravi Cordis amaritudine ac dolore tue. Auf Befehl des Königs von Frankreich, Philip IV., wurde der letzte Großmeister Jaques de Molay, wie auch viele Komture und Mitarbeiter, ohne gerichtliches Urteil am 11. März 1314 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In dem von König Philip IV. mit Zustimmung des Papstes Clemens V. eingeleiteten Ketzerprozess hat es dabei trotz aller Bemühungen der Inquisition keine Beweise gegen den Templerorden gegeben.
In den folgenden Jahren spielte der Orden in Deutschland keine Rolle mehr, wirkte in anderen europäischen Ländern jedoch weiter. Wo der Orden sich ungestört entfalten konnte, leistete er fast zwei Jahrhunderte hindurch eine für die damaligen Verhältnisse fortschrittliche soziale und caritative Aufgabe.
Stefan Winckler M.A.
Der Untergang des Tempelritterordens im Spiegel der Literatur
"Zur befohlenen Stunde des 13. Oktober 1307 – es war ein Freitag, der Tag des heiligen Eduard – wurden in allen Städten und Bezirken des Königreichs die versiegelten Befehle geöffnet. Erstaunt und erschrocken lasen die königlichen Beamten die Order ihres Herrn. Sie fanden deren Inhalt überaus befremdend. Aber da die Weisung an Bestimmtheit nichts zu wünschen übrig ließ, zögerten sie nicht, ihren Wortlaut unverzüglich zu befolgen. Unweit der Templerburgen wurde eine Übung aller bewaffneten Mannschaften angeordnet. Was an Leuten verfügbar war, musste in die Harnische. Und unter allen möglichen Vermutungen sammelten sich kleine Heerhaufen, bis an die Zähne bewaffnet, in Tälern und in den Marktplätzen kleiner Städte.
Um die Abendstunde gab man das Zeichen zum Aufbruch. Immer noch wussten die Kriegsknechte und Lehensmänner des Königs nicht, wohin sie aufgeboten waren. Sie merkten nur, dass man sie in die Nähe der Templerburgen führte. Als die Komplete gekommen war, die Stunde der späten Messe, in der nach den Satzungen von Troyes alle Brüder in der Kapelle versammelt waren, tönte plötzlich ein Hornruf. Die Templerburgen wurden eingeschlossen, und mit Leitern versehen mussten sich die einzelnen Unterabteilungen an die Außenmauern heranpirschen. Ehe noch die Templerwachen alarmiert waren, standen auf den Bastionen Bogenschützen und Pikenträger.
Man hörte den Gesang aus den Kapellen. In den erleuchteten, mit prunkvollen Bildern gezierten Beträumen knieten die Templer. Ihre weißen Mäntel breiteten sich strahlend auf den Marmorböden aus. Wappen hingen hoffärtig neben Wappen. Der Weihrauch lagerte in weißen Wolken unter dem Glanz der Deckengemälde. Und ringsum stand die Kostbarkeit von Säulen aus Jaspis, Malachit und Lapislazuli, dunkel und wie mit Geheimnis erfüllt.
Das verschleierte Licht der Ampeln spiegelte sich an den vor Alter glatten Wänden, deren teppichbedeckte Fläche purpurn aufleuchtete.
Da hörte man den Namen des Königs wie einen Kriegsruf aufgellen. Und im nächsten Augenblick schwangen sich die Bewaffneten in die Hallen, mit gezogenen Schwertern, während die Aufrührer den Verhaftbefehl in aufgehobenen Händen schwenkten.
Widerstand wurde nirgends geleistet. Man war völlig überrascht und unvorbereitet. Manche Präzeptoren versuchten Abwehr. Aber sie hatten keine Rüstung. Andere ergaben sich stolz und Widerstand verachtend. Wieder andere lächelten, weil sie nur an einen Irrtum denken konnten, der sich über Nacht aufklären müsste. In einer einzigen Burg, unweit von Orleans, gab es einige Tote. Weil die Templer waffenlos waren, erhoben sie die silbernen Weihrauchpfannen und schleuderten sie auf die königlichen Truppen, wobei einem Baillif der Schädel zertrümmert wurde. In dem nunmehr entstehenden Handgemenge erlagen mehrere Ritter und zwei Servienten. Sie fanden den rühmlichen Tod der tapfer sich Wehrenden und wurden wenige Wochen später von Tausenden beneidet.
Es war noch nicht Morgen, als alle Besitztümer des Ordens von Philipps Kommissaren besetzt waren. Man hatte überall seine Weisungen getreulich befolgt, die Türen lautlos teils erbrochen, teils sie von königlich Gesinnten geöffnet vorgefunden. Falls man zur Komplete zu spät kam, besetzte man die Häuser des Nachts, wobei die Schlafenden unter Waffenlärm geweckt, gebunden und die Besitztümer für den König in Beschlag genommen waren.
Mit diesen Worten beschrieb der Rechtsanwalt, Publizist und Autor Ernst Sommer die Zerschlagung des Templerordens in Frankreich. Sein Roman Die Templer erschien 1935. Entstanden war er unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Hetze gegen deren politischen Gegner in Deutschland. Hier wie dort: Zerschlagung und Raub.
Auf die seit 1306 geplante Verhaftungswelle vom Freitag, dem 13. Oktober 1307 folgte die päpstliche Bulle Pastoralis praeeminentiae an alle Könige der lateinischen Christenheit am 22. November 1307: Sie haben die Templer in ihrem jeweiligen Staate zu verhaften und deren Güter treuhänderisch zu bewirtschaften. Zahlreiche Templer gestanden unter der Folter in Frankreich Vergehen, die sie gar nicht begangen hatten.
In den deutschen Landen hatten die Erzbischöfe und Bischöfe die Untersuchung der angeblichen Delikte zu übernehmen. Voreilig ließ Erzbischof Burchard von Magdeburg die Templer seines Machtbereichs verhaften. Auf Druck des Adels, dem die Templer entstammten, und der örtlichen Fürsten musste er die Ordensritter wieder freilassen.
In den Prozessen außerhalb Frankreichs stellte sich die Unschuld der Templer heraus, so auch in Deutschland am 1. Juli 1311. Bezeichnenderweise widersetzten sich auch auf den Konzil von Vienne eine Anzahl von Bischöfen der Verurteilung des Templerordens, den der Papst schließlich unter militärischer Drohung durch König Philipp auf dem Verwaltungswege aufhob. Clemens V. erklärte: Zwar könne der Orden insgesamt nicht schuldig gesprochen werden, doch sei er unnütz geworden: nach den Templerprozessen werde niemand mehr beitreten wollen. Sein Ruf sei zerstört, seine Güter verwahrlost.
Der Untergang des Templerordens bewegte die Menschen des 14. Jahrhunderts. Nicht wenige haben in der von nasskalter Witterung und Missernten gekennzeichneten Jahre 1315/16, dem Ende Philipps und seiner Dynastie sowie dem Hundertjährigen Krieg eine Folgewirkung der Templerkatastrophe gesehen.
Richten wir nun unseren Blick auf die Aussagen der bedeutendsten Dichter des 14. Jahrhundert über die Templerkatastrophe!
Dante schrieb in seiner Göttlichen Komödie ausführlich von der Dynastie Philipps, den Kapetingern, die sich durch ihre Habgier zu Raubzügen hinreißen ließen. Über Philipp selbst steht geschrieben:
"Seh, noch nicht satt der Greul, nach schlimmen Ränken/
zum Tempel den Pilatus noch, den neuen /
Ohn Freibrief sein Piratensegel lenken!"
An anderer Stelle erinnert Dante an den Währungsschnitt Philipps und seinen Tod, wie ihn ein Fürstenspiegel beschreiben könnte:
"Da steht vom Unmut, den am Seinestrand
Der Fälscher seiner Münze wird erregen
Der Sterben muss, vom Eber überrannt"
Auch Papst Clemens V. kommt mehrfach in der Divina Commedia vor. Dante kann ihn als einen der Päpste mit Sitz in Avignon, den weltlichen Verlockungen wie Nepotismus und Geldanhäufung erlegen und zudem im Schlepptau des französischen Königs, nur missbilligen:
"Denn nach ihm [Papst Bonifaz] wird, um schnödre Tat verdammt,
Ohn Fug und Recht ein Hirt von Abend kommen
Der ihn und mich in tiefre Tiefen rammt.
Ein neuer Jason ists, wie wir vernommen
Im Makkabäerbuch, dass der am Throne
Des seinen, ist er Frankreichs Herrn willkommen"
Vor allem wegen seiner unzureichenden Unterstützung für König Heinrich ist Clemens dem Untergang geweiht, so Dante an anderer Stelle.
Demgegenüber erscheint Bernhard von Clairvaux in der Commedia als der Führer auf dem letzten Abschnitt seiner Wanderung durch Hölle, Fegefeuer und Paradies unmittelbar vor Maria im 31. Gesang des Paradieses. Er zeigt ihm die Heiligen und erklärt ihren Rang (32. Gesang). Seine Bitte an Maria bewirkt, dass der Dichter das Ziel erreicht: er steht vor der Dreieinigkeit Gottes.
Boccaccio, der Autor des Decamerone, widmete dem Templerorden und seinem letzten Großmeister 50 Jahre später ein Kapitel in der Schrift De casibus Virorum Illustrium (Vom Glück und Unglück berühmter Männer).
"(...) Unter diese [die dem Christenvolk viel Gutes getan hätten] war auch der Papst Bonifaz eingereiht, der über die Untreue der Columnenser weinte und seine Hände grässlich zerbiss. Über ihn wagte ich nichts zu sagen und wandte mich von ihm. So ließ ich mich gern durch Jacobus, den früheren Hochmeister der Templer, wegziehen. Er erzählte mit viel Wehklagen von seinem Jammer und erreichte es, dass ich den Weg nach Paris nahm, um sein Unglück zu beschreiben.
Die Alten sagen, als Gottfried, der Herzog von Lothringen, Jerusalem erobert und das Königreich übernommen habe, hätten sich einige fromme kriegserfahrene Männer Gott mit ihren Diensten für die Christen gegen die Türken geweiht. Sie wohnten in Jerusalem und halfen den Christen, wo sie es brauchten, und gaben denen, die zum Heiligen Grab pilgerten, nach Kräften. Am Anfang waren es wenige, sie hatten einen Hochmeister und kein Eigentum; sie lebten in freiwilliger Armut von dem, was man ihnen täglich gab, und wohnten unter dem Tor des Tempels. Darum hießen sie Tempelbrüder. Als sich ihnen im Lauf der Zeit viele fromme Leute anschlossen, verlieh ihnen Papst Honorius einen weißen Ordensmantel und Ordensregeln. Später erlaubte ihnen Papst Eugenius, am Mantel ein rotes Kreuz zu tragen, damit man besser erkennen konnte, wessen Diener sie waren und für wen sie stritten. Solange sie in freiwilliger Armut, die eine Stiefmutter aller böser Begierden ist, ihre Kriegsdienste gut erfüllten und ihre Ordensregeln einhielten, wurden sie allgemein für fromm und ehrbar gehalten. Aber als sie viele Gaben und Geschenke von den Christen erhielten, wurden sie reich, üppig und gierig.
Während sie am Anfang des vergänglichen Gutes nicht achteten, begannen sie später im Reichtum zu wühlen und Macht zu begehren. Sie hatten ihre eigenen Schlösser und Städte mit Land und Leuten, über die sie herrschten, und die sie für die Christen gegen die Türken in den Krieg schickten, während sie selbst in Ruhe und Müßiggang dahinlebten. Einen machten sie groß und erhoben ihn zu ihrem Obersten. Zweifellos, je mehr ihre Macht wuchs, desto mehr nahm ihre Heiligkeit ab.
Um die Zeit, als ihre Tugenden zu Lastern geworden waren, wurde in Burgund Jacobus geboren, von dem ich hier sprechen will.
Er stammte aus dem Geschlecht Molay und wurde ein harter und trotziger Jüngling. Da er nach dem französischen Gesetz seinem ältesten Bruder das Erbe überlassen musste, war er arm und hatte sich der Herrschaft des Bruders zu fügen. Um sie abzuschütteln und zu Größerem zu kommen, trat er in den Templerorden ein, in dem er sich so gut hielt, dass er bald zum Prior und nach dem Tode des Hochmeisters zum Nachfolger gewählt wurde.
Als er diese Würden besaß, begann Fortuna, die so vieler Verderben verursacht, sein Leben zu zerstören. Er fiel in Ungnade bei Philipp, dem König der Franzosen, obwohl er ihm gerade einen Sohn aus der Taufe gehoben hatte. Einige meinen, die Habgier des Königs, der sich nicht nur gegen den Hochmeister Jacob, sondern gegen den ganzen Templerorden wandte, trage die Schuld. Er erreichte es, dass auf Befehl von Papst Clemens alle Templerbrüder an einem Tag gefangen wurden. Dann ließ er ihre Städte besetzen, raubte ihre Habe und ließ sie nach Paris führen, wo sie lange gefangen lagen. Man fragte sie nach ihrem schändlichen Leben, hielt ihnen ihre Taten vor, aber sie leugneten alles und sagten, gute Richter müssten sich bei ihnen wegen der Anklage entschuldigen.
Da wurde der König zornig und befahl, mit der Folter zu erzwingen, was man im Guten nicht erreichen konnte. Als auch das nichts nützte, behielt er den Hochmeister Jacob mit drei Brüdern bei sich und befahl, die anderen zu verbrennen, wenn sie nicht bekennen würden. Doch da alle aus guten Geschlechtern stammten, blieben sie hart und furchtlos und waren zu jeder Marter bereit.
Nachdem man sie lange gefoltert hatte, führte man sie hinaus, band jeden an einen Pfahl, machte einen großen Haufen Holz um sie und stellte ihnen Feuer und Henker vor Augen. Der Herold verspach ihnen abermals Leben und Freiheit, wenn sie bekennen würden. Aber sie ließen sich durch keine Bitten ihrer Freunde erweichen und blieben bei ihrer ersten Antwort. Da begannen die Henker nacheinander bei jedem das Feuer anzuzünden, das sich über den ganzen Körper verbreitete. Was sie dabei für Schmerzen erlitten, konnten die Umstehenden aus ihrem Geschei erkennen. Sie beteuerten unablässig, dass sie wahre und fromme Christen wären und ihre Religion und ihr Orden ohne Tadel. Sie ließen sich ganz verbrennen, bis ihr Geist von ihnen schied. Auch nicht einer von ihnen konnte von ihrem Vorhaben abgebracht werden. Ich würde gerne sagen, dass solche tapferen Geister die Treulosigkeit des habgierigen Königs überwunden hätten, wenn sie nicht im Sterben dorthin gelangt wären, wohin ihr Sinn und Trachten stand. Gleichwohl gereicht es ihnen zum Ruhme, dass sie eher unter Martern sterben wollten, als etwas gegen die Wahrheit zu sagen oder ihren guten Namen mit dem Bekenntnis eines schändlichen Frevels zu beflecken –
Das waren die ersten Pfeile der greulichen Fortuna gegen den abgesetzten Hochmeister Jacobus. Als er von der langen Gefangenschaft schwach geworden war, führte man ihn nach Lyon. Er bekannte dem Papst Clemens einiges aus den ihm gemachten Vorhaltungen. Darauf wurde er wieder nach Paris gebracht. Als man ihm im Beisein zweier päpstlicher Legaten das Urteil über ihn vorlas, in dem stand, dass sein Leben und seine Freiheit von der Verdammung des Ordens abhingen, bat er mit einem seiner Ordensbrüder [Geoffroy de Charney] um Stille. Mit fester Stimme erklärten sie beide einmütig, sie hätten sich nur durch die Zureden des Papstes und Königs zur Aufgabe ihrer Ehre verleiten lassen. Sie hätten den heiligen Orden, in dem so viele fromme Väter in Ehren gelebt hätten, mit schändlichen Lügen geschmäht und verunehrt. Sie würden so viele Brüder, die für die Wahrheit gestorben wären, betrügen, wenn sie selbst mit dem Leben davonkämen. Darauf erging sofort das Urteil. Man verdammte den Orden und hob ihn für immer auf. Jacobus wurde [mit Geoffroy] zur Marter geführt. Dann wurden beide, wie die vorigen, verbrannt. Sie erlitten die Marter in Gegenwart des Königs so unverzagt wie ihre Brüder. So wurde Jacobus, der vorher in seinem Glanz den Neid des großen Königs erregen konnte – wie mein Vater Boccaccio sagte, der damals zufällig als Kaufmann in Paris mit ehrlichem Fleiß sein häusliches Vermögen zu mehren suchte und seine Teilnahme an diesem Ereignis bezeugte – , durch einen grässlichen Schlag der Fortuna zu Asche, viele Unglückliche zum Mitleid bewegend."
Boccaccion setzt damit dem Konzept, den Leistungen in den ersten Jahrzehnten und der Tapferkeit der Templer während der Verfolgung ein Denkmal. Die "Laster" der Templer kannte er nur vom Hörensagen, und dass er hierbei regionale Unterschiede innerhalb des Abendlandes gab, wusste er möglicherweise nicht. Im Ganzen erscheint seine Beschreibung detailliert und um Gerechtigkeit bemüht.
Epilog: Der Christusorden
In Portugal beherbergte König Diniz III. nach der Aufhebung des Ordens die Tempelritter und verwaltete ihre Güter. Er wehrte sich gegen die Übertragung an die Johanniter, denn er wollte die Ex-Templer ausschließlich für sein Land wirken lassen. In langen Verhandlungen mit dem Nachfolger von Papst Clemens V., Johannes XXII., gründete er den "Orden der Ritterschaft unseres Herrn Jesus Christus" (Ordem de milizia de nuestro Senior Jesus Christo), kurz: den Christusorden, der sich nach der Regel des Ritterordens von Calatrava ausrichtete, die bisherigen Tempelritter als Personal und deren Niederlassungen übernahm (genehmigt durch den Papst 1318). Dem König war zusätzlich das Recht gegeben, den Ordensmeister einzusetzen, anstatt ihn vom Kapitel wählen zu lassen. Zahlreiche Kommenden in Portugal sind nachgewiesen.
Der Christusorden finanzierte die Entdeckungsfahrten entlang der Küste Afrikas, die wesentlich zum Reichtum der Weltmacht Portugal beitrugen. Aus seinen Reihen stammten zahlreiche Entdecker sowie fast alle (portugiesischen) Vizekönige Indiens im 16. Jahrhundert. Hinter den Afrikafahren stand die Überlegung, so könne man den Orientalen in den Rücken fallen. Insofern war der Kreuzzugsgedanke nicht tot, sondern geändert. Vor allem beteiligten sich die Christusritter an den Feldzügen gegen die Mauren. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts trat eine Verweltlichung ein: die Gebote von Ehe- und Besitzlosigkeit wurden aufgehoben. Symbol war ein rotes Templerkreuz, in das ein weißes Kreuz als Zeichen der Unschuld des alten Ordens eingefügt war.
Angesichts dieser Traditionslinie zum Tempelritterorden einerseits und mit Blick auf die Leistungen, ja den gesellschaftlichen Rang im seinerzeitigen Portugal andererseits fragt sich der Ordenshistoriker, warum es noch kein deutschsprachiges Buch über diesen Ritterorden gibt.










