5. Hugo Peccator

In diesem Zusammenhang ist ein interessanter Brief des “Hugo peccator” an seine Brüder, die er als “milites Christi” anspricht, erwähnenswert.

Der Briefschreiber ist vermutlich Hugo von Payns. In diesem Brief zeigt “Hugo peccator” die Gründe für das Stagnieren seiner jungen  Gemeinschaft auf. Er weiß von Vorwürfen, die sich auf ihre “professio”, ihr Gelübde beziehen, durch das sie ihr Leben “adportanda arma contra inimicos fidei et pacis pro defensione christianorum” gewidmet haben. Von diesem Gelübde, dem eigentlichen Inhalt des Ordenslebens,  behaupten Gegner der Tempelherren, es diene nicht dem Heil, sondern der Verderbnis und damit wird die Existenzberechtigung der jungen Kommunität schlechthin in Frage gestellt.

Aber auch andere Vorwürfe werden schon in den Anfangsjahren laut: man behauptet , die  Tempelherren seien überheblich; damit eng verbunden erscheint das Verlangen nach Anerkennung als “höherer Orden” – wodurch allerdings der eigene Zweifel, bisher noch keinem hohen Orden anzugehören offenkundig wird. Zudem wird immer wieder angeprangert, der alltägliche Waffendienst sei nicht mit der Kontemplation zu vereinbaren.

Der Briefschreiber Hugo peccator legt deutlich den Widerspruch in sich offen, der sich aus der Verbindung von Rittertum und Mönchtum ergibt.

Festzustellen bleibt, daß der erste wirkliche geistliche Ritterorden der Geschichte noch nach einem Jahrzehnt seines Bestehens sich schwertat, vor Zeitgenossen und vor sich selbst sich als Orden zu legimitieren. Hugo peccator bleibt aber in seinem Brief dabei, der Sinn und Zweck des Ordens sei der Kampf “contra inimicos fidei et pacis pro defensione christianorum”. Wenn hier ein religiöser Pragmatiker schreibt, ist der “liber ad milites Templi” des Bernhard von Clairvaux, der eindeutig an Hugo von Payns adressiert ist, grundsätzlicher Natur.

Wichtig ist, daß der Brief nicht aus eigenem Antrieb des Bernhard von Clairvaux geschrieben wurde, sondern auf Drängen und immer wiederholte Bitten des ersten Hochmeisters der Tempelherren, Hugo von Payns.