Archiv und Spezialbibliothek

des OMCT Tempelherrenorden, Deutsches Priorat e.V:

Autor: Obr. Dr. Edmund Sawall

Der Grundstein ist gelegt: Im Jahre 2001 konnten wir berichten (non nobis, Heft 40, Dezember 2001), daß seit Oktober 2001 die größten Schwierigkeiten beim „Aufbau eines Ordensarchivs mit maßgeblicher Unterstützung der Komturei Rhein-Neckar in Schloß Flehingen überwunden“ werden konnte. Im Zwischenbericht 2004 (non nobis, Heft 45, Juli 2004) konnten wir bereits auf die Quellenlage und Aufbauorganisation sowie auf die ordensverpflichtende inhaltliche Ausrichtung verweisen. Nun erscheint es erneut sinnvoll das bisher Erreichte und künftig Angestrebte aufzuzeigen.

Templergeschichte

Eine wesentliche Bedingung für ein modernes Archiv ist die technische Ausstattung. Dazu gehört eine mit ausreichender Kapazität ausgestattete Computeranlage. Dank einer Spende (Obr. Michael Schett) und dem fachkundigen Auf- und Ausbau (Obr. Andreas Germer) steht uns eine leistungsfähige Anlage zur Verfügung. Dies ermöglicht es nicht nur „Papier zu konservieren“, sondern die Speicherung von wichtigen Inhalten jederzeit zugriffsbereit zur Verfügung zu stellen.

Arbeitszimmer

Abb. 1: Arbeitszimmer mit zwei Computer-Arbeitsplätzen (Bildschirm links unten bzw. auf dem Schreibtisch) und dem Mehrfunktionsgerät Drucker, Scanner, Kopierer und Fax (Bildmitte rechts)

Parallel zur Ordnung der umfangreichen Aktenbestände [1] soll die thematische Speicherung im Computer erfolgen. Das erste Hauptthema zur Geschichte unseres OMCT – Tempelherrenordens wird die chronologische Darstellung aller Generalkapitel/ Vollversammlungen bearbeitet werden. Die textliche Wiedergabe von Daten, Orten und Verläufen sollen durch entsprechende Bilder unterlegt werden. Dies bedeutet, daß wir das vorhandene Bildarchiv auswerten und ergänzen müssen. Es ist vorgesehen, in kommenden non nobis – Ausgaben ältere Aufnahmen mit der Bitte um Mithilfe zu deren Identifikation zu veröffentlichen.

Die Geschichte des OMCT als geschlossene Gesamtdarstellung soweit sie sich nicht bereits aus dem Thema Generalkapitel ergibt, muß einer zweiten Schrift vorbehalten bleiben. Dazu gehört auch die Darstellung der tragenden Säulen unserer Ordensregel: Erstens das Bekenntnis zum gemeinsamen christlichen Glauben und die tatkräftige Unterstützung der Ökumene mit dem Ziel der Wiederherstellung der Einheit. Zweitens das Bekenntnis zur Gemeinschaft unseres Volkes als historisch gewachsene Kulturgemeinschaft und einen freiheitlichen Rechtstaat.

Drüber hinaus ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der zweihundertjährigen Geschichte des mittelalterlichen Tempelritterordens nur zu leisten, wenn es gelingt entsprechende Spezialarbeiten an interessierte Wissenschaftler zu vergeben. Dafür stehen neben unserer eigenen Fachliteratur mit unfangreiche Literaturhinweisen zahlreiche  bibliographische Informationen zu dem Thema zur Verfügung.

Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, der unübersehbaren Menge von „Vermutungsliteratur“ weitere hinzuzufügen. die zum Teil mehr dichterischen Wert hat als Tatsachen darzustellen. Unsere Aufgabe kann es nur sein, die Tatsachenerforschung auf der Suche nach der historischen Wahrheit zu fördern, wie sie sich im Verständnis ihrer Zeit darstellt, d.h., wie es wirklich war bzw. verstanden werden muß.

Ferner gilt es, die vorhandene seriöse Literatur zur zweihundertjährigen Geschichte des Tempelritterordens im Mittelalter mit wissenschaftlichem Anspruch aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Dazu suchen wir den Kontakt zu universitären Bemühungen.

Templerische Spezialbibliothek

Beim Aufbau unsere Ordensbibliothek (z. Zt. über 250 Bände) lassen wir uns von den umfassenden Themen Rittertum, Christliche Ökumene, Wertegemeinschaft (Verpflichtung des Ordens und Pflichten des Ordensbruders) leiten.

Der besondere Reiz einer Spezialbibliothek liegt in der Bewahrung und Weiterentwicklung der thematischen Eingrenzung, d. h., die Verfügbarkeit von Wissen für Forschung sowie Information in unserem Orden und für interessierte Freunde.

Das bedeutendste Werk im derzeitigen Bestand ist das vom Vatikanischen Geheimarchiv herausgegebenen “Prozessus contra Tamplarios“. „Eine Sensation mit Abstrichen“. [2] Das Werk enthält als Faksimile die Originalprotokolle der Verhandlungen der Päpstlichen Untersuchungskommission in Chinon und Poitiers von 1307/1308. Gestützt wird damit der Freispruch der Tempelritter vom „Ketzer-Vorwurf“.

Prozessus contra Tamplarius

Abb. 2: Das Werk „“Prozessus contra Tamplarios“ bestehend aus dem Buch (links) und der in Leder gebundenen Mappe mit den Faksimile der Originalprotokolle (rechts).

Der Herausgeber Sergio Pagano, B, Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs, schreibt in seiner Präsentation u. a.:

„Böswillige Gerüchte, politische Interessen, Machtkämpfe in der Kurie, wirtschaftliche Schläge, Befürchtungen gehegt von Fürstenhäusern und Herrschern, päpstliche Verdächtigungen; alle diese Elemente können ausgelöst haben was als skandalöser Ketzerei Prozeß“ gegen die Militia Christi bezeichnet wurde; gegründet von Hughes de Payne im Jahre 1119 zum Schutz der Pilger auf dem Weg nach Jerusalem und die später als Mitglieder der Militia Templi (Tempelritter) bezeichnet wurden; weil sie ihren Sitz im Palast des Königs von Jerusalem in der Nähe vom „Solomon’s Temple“ hatten.“

Und weiter: „Zwangsläufig ging eine bestimmte Anzahl der Dokumente im Zusammenhang mit dem Prozeß verloren und heute sind (nach unserem Wissen) nur vier wertvolle Unterlagen, die in 1308 geschrieben wurden, übrig geblieben, zusammen mit einer Zusammenfassung oder einem “Notizbuch”, das auf Clement V. Anweisung geschrieben wurde und wahrscheinlich von ihm 1311 auf dem „Council von Vienna“ benutzt wurde, wo eine Entscheidung über den Orden gefällt wurde.

In der Tat, war es diese Entscheidung, die den komplizierten und undurchsichtigen Prozeß in enger Verbindung mit der Verfassung von „Vox in excelso“ vom 22. März 1312 zu einem Abschluß brachte. In der folgenden „Papal Bull’ (päpstlichen Erklärung), Ad providam, der 2. Mai 1312, löste Clement den Templerorden ordnungsgemäß auf und ordnete an, dass ihre Besitztümer an die Hospitaliter ausgehändigt werden müssen.“

Leider wird die Geschichte des mittelalterlichen Tempelritterordens erneut durch die Fokussierung auf den Templerprozeß verkürzt. Auch die „Historischen Anmerkungen“ von Frau Prof. Dr. Barbara Frale beschränken sich auf die Endphase der Tempelritter.

Nichts desto Trotz sind ihre Veröffentlichung als „Ergebnis von einem Jahrzehnt der Forschung und Arbeit … für Paläographie, Urkundenlehre und Archivkunde des Vatikanischen Geheimarchivs“ von unschätzbarem Wert. Sie beschreibt nicht nur den hinlänglich bekannten Verlauf des Templerprozesses, sondern stellt ihn in den historischen Zusammenhang seiner Zeit, womit der Verlauf auf Grund seiner Vorgeschichte und aktuellen Wirkungsgeschichte erst im Zusammenhang verständlich wird.

Dessen ungeachtet werden wir uns mit der Analyse und Auswertung des Werkes auseinandersetzen und mit entsprechenden Veröffentlichungen reagieren. Unverzichtbare Voraussetzung wird allerdings die Übersetzung der fremdsprachlichen Texte (überwiegend lateinisch bzw. englisch und italienisch) sein. Solche fachlich qualifizierten Übersetzungen zu organisieren wir die nächstliegende Aufgabe sein. Sachdienliche Hinweise werden dankbar aufgegriffen.

Templiers

Abb. 3: Am Ende des 13. Jahrhunderts gab es rund 15 000 Tempelritter in ganz Euro-pa und im Osten, die dem Papst direkt in Treu unterstanden. Sie behüteten immensen Reichtum und großen Grundbesitz. Ihre militärische und finanzielle Schlagkraft sowie die enge innere Verbundenheit verlieh ihnen fast eine autonome Ordnung inner-halb der Kirche.

Für die Erforschung des Tempelrittertums ergibt sich folgende Gliederung:

1. Vorgeschichte zu der mittelalterlichen Ordensgründung.

2. Entwicklung des historischen Tempelritterordens (1118/19 bis 1316/18).

3. Geschichte des historischen Tempelritterordens in Deutschland (1131 bis 1350).

4. Überleben des tempelritterlichen Geistes ohne Sukzession.

5. Perspektiven des Tempelrittertums in der Zukunft.

Träger der Idee und des Werkes

Der verpflichtende Gedanke ein Ordensarchiv und eine Ordensbibliothek aufzubauen wurde zwar schon relativ früh geboren, fand aber seine Umsetzung über zwei Jahrzehnte zunächst nur in der ungeordneten Sammlung aller erreichbaren Unterlagen. Erst im letzten Jahrzehnt konnten greifbare Ergebnisse realisiert werden. Das die bisher geleistete Arbeit unter sporadischer Mitwirkung weniger Ordensbrüder geleistet wurde sei dankbar vermerkt.

Inzwischen ist ein Stadium erreicht, welches einen wachsenden Kreis von Trägern erfordert. Dies bedingt nicht unbedingt eine räumliche Nähe zum Standort Flehingen. Bei den verfügbaren Kommunikationsmitteln spielen Entfernungen keine ausschlaggebende Rolle mehr. Korrespondierende Mitarbeit ist auf vielfältige Art und Weise durchaus möglich und dringend erwünscht.

So z. Bp. ein laufender Austausch von Informationen über Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen von Autoren verschiedener Sprachbereiche.

Künftig wird der Bestand an Veröffentlichungen systematisch erweitert werden. So sollen Lücken geschlossen, Fehlendes durch Neubeschaffung von Antiquarischem und Neuerscheinungen ergänzt werden. Eine Fülle von dringend gesuchten Büchern von Autoren zu den oben genannten Themenkreisen lassen sich durch systematische Suche in den Antiquariaten im Internet finden. Sammlungsbestände werde dankbar aufgenommen, besonderes von der älteren Generation, bevor sie von den Nachkommen in den Müll geworfen werden.

Sammlungsschwerpunkte für Archiv und Bibliothek bleiben die Themen Rittertum, insbesondere Tempelrittertum, christliche Ökumene und national-konservative Wertegemeinschaft mit Sammlungsbeständen, die es so an anderer Stelle nicht gibt.

Neben der wissenschaftlich standhaltenden Aufarbeiten der Templergeschichte und dem Ausbau der Spezialbibliothek, sollen mittelfristig Tagungen, Seminare und Diskussionen für einen wachsenden Kreis von Förderern flankierend durchgeführt werden.

Ferner muß eine, die finanziellen Kräfte des OMCT übersteigende, Finanzierung der Erweiterung, der Unterbringung und der Pflege der Bestände gewährleistet werden. Wir vertrauen darauf, daß auch künftig weitere Spenden und Zustiftungen sowie Rat und Tat vieler engagierter Templer uns in unserem Bemühen unterstützen werden.

Die bisherige Reaktion hilfsbereiter Ordensbrüder läßt uns hoffen, daß sich immer mehr aktiv Interessierter zur Mitwirkung bereit finden wird. Bitte setzen Sie sich über die Ordensregierung mit uns in Verbindung  und wir werden gemeinsam einen Weg finden, wie wir ein Zusammenarbeiten können.

Die Idee und das Werk

verdienen es, von einem

wachsenden Fördererkreis

unterstützt zu werden.

 

Viel wurde getan,

doch noch viel mehr bleibt zu tun!

Fußnoten:

[1] Ca. 250 Aktenordner seit 1962/63 aus den Beständen des damaligen Ordenskanzler Dr. Horst, den Archiven von Prior Hugo Wellems bis in die heutige Zeit.

[2] (Hassemer, Universität Freiburg, 2008)