Für Christentum und Vaterland

Bekenntnis zum Vaterland

Für Christentum und Vaterland

Für den Frieden in der Welt – gegen Krieg und Terror

“Bekenntnis zum Vaterland”
Aus der Schriftenreihe des OMCT Tempelherrenorden “Für Christentum und Vaterland – Festschrift für Dr. Heinz Gehle zum 85. Geburtstag

Immer wieder gibt es im Laufe der Geschichte Aussagen von namhaften Persönlichkeiten, die hohe Beachtung verdienen, zum Denken aufrufen und Menschen, die mutlos und lethargisch geworden sind, aus ihrer Verzweiflung und ihren Träumen aufrütteln. So sind folgende Worte bereits in die Geschichte eingegangen, die Papst Benedikt XVI. unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem Köln-Bonner Flughafen am 18. August 2005 an das gastgebende Land und die ausführende Stadt Köln des 20. Weltjugendtages der Katholiken richtete:

„ Zum ersten Mal nach meiner Wahl auf den Stuhl Petri stehe ich heute voll Freude auf dem Boden meines lieben Vaterlandes, Deutschland…… Während ich Ihnen allen noch einmal meinen herzlichen Dank ausspreche für den freundlichen Empfang, bete ich zum Herrn für den zukünftigen Weg der Kirche und der gesamten Gesellschaft dieser mir so lieben Bundesrepublik Deutschland. Ihre Geschichte und die großen sozialen, ökonomischen und kulturellen Ziele, die sie erreicht hat, mögen ihr Ansporn sein, in einer Stunde kritischer Fragen und Probleme den Weg nicht allein für die deutsche Nation, sondern auch für die anderen Völker des Kontinents mit erneutem Engage-ment weiter zu verfolgen.“

Nach einem Treffen mit überwiegend islamisch-türkischen Organisationen am 20. August 2005 verurteilte Papst Benedikt XVI. den Terror wie folgt:

„Der Terrorismus, welcher Herkunft er auch sei, ist eine perverse und grausame Entscheidung, die das unantastbare Recht auf Leben mit Füßen tritt und die Fundamente jedes geordneten Zusammenlebens untergräbt. Wenn es uns gemeinsam gelingt, das Hassgefühl aus den Herzen auszurotten, uns gegen jede Form der Intoleranz zu verwahren und uns jeder Manifestation von Gewalt zu widersetzen, dann werden wir gemeinsam die Welle des grau-samen Fanatismus aufhalten, die das Leben so vieler Menschen aufs Spiel setzt und den Fortschritt des Friedens in der Welt behindert.“

Entschieden rief er zum Dialog der Kulturen und Religionen und zum besseren Kennen lernen der Menschen und Völker auf. Am 13. August 2006 brachte der „Zweite Deutsche Fernsehsender“ ein Interview von Papst Benedikt XVI. aus Castel Gandolfo mit deutschen Journalisten. Darin sprach er sich erneut für ein „Miteinander der Kulturen und Religionen“ aus, und er sagte wörtlich:

„Krieg ist für alle die schlechteste Lösung.“

Frieden als Aufgabe

Der Papst hat Zeichen gesetzt, die für das friedliche Zusammenleben der Menschen und Völker unabdingbar sind. Jeder Mensch überall in der Welt muß ungehindert das Recht haben, sich zu seinem Vaterland und zu seiner Religion, ja, zu seinem politischen System zu bekennen. Dann wird er begreifen, dass auch andere Völker ihre Länder lieben und auf ihre kulturellen und geschichtlichen Leistungen stolz sind. Gefährlich wird es aber, wenn das ehrliche Bekenntnis zum eigenen Land in Fanatismus ausartet und dabei andere Völker mißachtet werden. Nur dann wird der Weg zu Krieg und Terror geöffnet. Davor kann nicht eindringlich genug gewarnt werden.

Durch Jahrhunderte hindurch wurden die Kriege immer grausamer, nicht zuletzt durch Waffen, die jeder Menschlichkeit Hohn sprechen. Bis zum späten Mittelalter und zur Zeit Preußens kämpften die Herrscher selbst an der vordersten Front. In der so fortschrittlichen Neuzeit sitzen einige frei gewählte Staatsmänner weit entfernt von der Front am Schreibtisch oder spielen Golf, bedienen sich der modernsten elektronischen Technik und schicken Flugzeu-ge aus, die aus großer Höhe mit mörderischen Bomben hauptsächlich den einfachen Bürgern in ihren Städten Tod und Verderben bringen. Deshalb ist heute eine weltweite Bewegung für den Frieden und gegen den Krieg und Terror notwendig. An der Spitze dieser Bewegung sollten Christen stehen, die einen Gott der Liebe verehren. Dabei sollten sie sich an die Aussage des heili-gen Augustinus (354-430), den bedeutenden Kirchenlehrer, in „De Civitate Dei“ – Gottesstaat – erinnern: „Eine große Wohltat ist der Friede“. Seit dem 10. Jahrhundert heißt es im Gebet: „Dona nobis pacem“ – Gib uns Frieden.

Krieg – Elend und Armutszeugnis menschlichen Denkens

Wenn für den Frieden und gegen den Krieg und Terror gesprochen wird, dann ist es heute notwendiger denn je, aufzuzeigen, welches Unheil Kriege und Terror durch Jahrhunderte hindurch über die Menschheit gebracht haben und noch immer bringen. Im Jahre 1911 kam Jacques Novicow in seinem Buch „War and its Alleged Benefits“ – Krieg und sein angeblicher Nutzen – zu folgender Bilanz: „Von 1498 v. Chr. bis 1861 n. Chr., also in einem Zeitraum von 3358 Jahren, gab es 227 Jahre Frieden und 3310 Jahre Krieg. In Europa tobten innerhalb der letzten drei Jahrhunderte286 Kriege…. Zwischen 1500 v.Chr. und 1860 n.Chr. sind 8.000 Friedensverträge geschlossen worden, von denen man zur Zeit ihres Abschlusses annahm, dass sie ewig dauern würden. Durchschnittlich blieben sie 10 Jahre in Kraft.“ Deutsche und Franzosen, die zwischen 1850 und 1950 lebten, erlitten direkt oder indirekt drei Kriege, von denen zwei Weltkriege waren.

Nach der Encyclopaedia Britannica starben im 20. Jahrhundert – von 1900 – 1973 – in kriegerischen Auseinandersetzungen 67.266.900 Menschen. Es sei nur an einige dieser menschlichen Tragödien erinnert: Der Russisch-Japanische Krieg von 1904-1905 mit 130.000 Toten, der Balkankrieg von 1912-1913 mit 140.000 Opfern, der 1. Weltkrieg 1914-1918 hinterließ 8.545.000 Tote, die Revolution in Rußland 1917-1920 ließ 100.000 Menschen sterben, im Spanischen Bürgerkrieg Spanischer (1936-1939) waren 611.000 Tote zu verzeichnen, der 2. Weltkrieg 1939-1945 forderte das Leben von 55.000.000 Menschen, im Indochinakrieg 1945-1954 starben 100.000 und bei den Guerillakämpfen in Kolumbien 1948-1962 200.000, von 1950-1953 forderte der Koreakrieg 1.893.000 Tote und im Vietnamkrieg 1964-1973 fielen 546.000 der kriegerischen Gewalt zum Opfer.

Inzwischen ist die Gesamtzahl der Kriegstoten weit über 100.000.000 gestiegen, und unter den Opfern befinden sich vor allem Frauen und Kinder, die vorher niemanden bedroht haben. Es sei nur an Afghanistan, Irak und Liba-non erinnert. Aber bereits im Bombenkrieg des 2. Weltkrieges waren beson-ders viele zivile Opfer in ihren Städten zu beklagen. Ein besonders tragisches Ereignis war die Versenkung der „Wilhelm Gusthoff“ durch das sowjetrussi-sche U-Boot „S 13“ in der Ostsee. Nach neueren Forschungen verloren dabei 9.343 Menschen ihr Leben. 8.000 davon waren Zivilisten und mehr als die Hälfte Kinder, die nach Kiel und Flensburg flüchten wollten.

Städte klagen an

Drei Städte werden für alle Zeiten eine Anklage für die Sinnlosigkeit von Kriegen und ihre Ausartungen bleiben, da ihre Menschen geopfert wurden, obwohl der Krieg bereits entschieden war: Dresden 13./14. Februar 1945, Hiroshima 6. August 1945 und Nagasaki 9. August 1945. Was über Dresden und die zahlreichen Heimatvertriebenen aus Schlesien damals hereingebro-chen ist, kann kaum in Worten ausgedrückt werden. Und doch sagt „Die Klage von Dresden“, die am 29. März 1945 Gerhart Hauptmann nieder-schrieb, alles, was zu sagen war: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang von Dresden: Dieser heitere Morgenstern der Jugend hat bisher der Welt geleuchtet. Ich weiß, dass in England und Amerika gute Geister genug vorhanden sind, denen das göttliche Licht der Sixtinischen Madonna nicht fremd war und die von dem Erlöschen dieses Sterns zualler-tiefst getroffen weinen.

Und doch habe ich den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha – Höllen der englischen und amerikanischen Flugzeuge persönlich erlebt….. Ich stehe am Ausgang des Lebens und beneide alle meine Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist.“ 60 Jahre nach der gigantischen Zerstörung der Stadt mit einer nie zu ermitteln-den Zahl von Toten zeigt Dresden nach einer gewaltigen Aufbauleistung wieder annähernd das Gesicht des ehemaligen „Elbflorenz“. Ein besonderes Symbol dafür, dass Zerstörung nicht alles ist, und ein Zeichen des christlichen Glaubens, der Frieden verkündet, ist der Wiederaufbau der Frauenkirche. Am 13. Februar 1990 – 45 Jahre nach ihrer Zerstörung – erfolgte der „Ruf von Dresden“ dazu. Der Wiederaufbau, der nur durch großes fachliches Können mit der Hilfe von Spenden aus allen Teilen der weiten Welt möglich war, begann am 27. Februar 1994. Am 30. Oktober 2005 wurde die Frauenkirche wieder feierlich geweiht. Zu den vielen kirchlichen Gebäuden, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, gehört auch die Michaeliskirche in Hildesheim.

Bischof Bernward (um 960 bis 1022), der Erzieher Kaiser Ottos III. war der Ideengeber und auch künstlerische Gestalter dieser Kirche, in der er seine letzte Ruhestätte in der Hoffnung auf die Auferstehung durch den kommen-den Erlöser gefunden hat. War die Kirche schon nach der Säkularisierung 1803 dem Verfall ausgesetzt, so wurde sie durch die Bombardierung Hildes-heims am 22. März 1945 völlig zerstört. Durch vorherige Auslagerung wurde die berühmte Holzdecke gerettet, die die Heilsgeschichte vom ersten Men-schen bis zum Weltengerichts darstellt. Nach sehr schnellem Wiederaufbau konnte die Kirche bereits 1950 wieder eingeweiht werden. Nach einer grund-sätzlichen Renovierung wird sie 2010 – 1.000 Jahre nach ihrer Erbauung – wieder im alten Glanz im Inneren erstehen und nicht nur die Bewunderung der Menschen von außen finden.

Die Zerstörung Dresdens und vieler anderer deutscher Städte, die Kultur und Geschichte prägten, war noch nicht der verwerflichste Akt des 2. Weltkrieges. Er wurde noch dadurch übertroffen, dass die USA am 6. August 1945 auf die japanische Stadt Hiroshima und am 9. August 1945 auf Nagasaki Atom-bomben warfen, obwohl der japanische Kaiser am 8. Juli 1945 über den schwedischen König die USA um Friedensverhandlungen gebeten hatte. Hi-roshima wurde fast dem Erdboden gleich gemacht. Direkt durch die Bombe starben nach japanischen Statistiken 70.000 Menschen. Bis zum Ende des Jahres 1945 waren es 140.000, und noch immer siechen weitere grausam dahin. Am 06.August 2006 – 61 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe auf diese Stadt – nannten die japanischen Behörden die Zahl von 200.000 Opfern, die an den Folgen der Atombombe dahingerafft worden waren. In Nagasaki starben direkt nach dem Abwurf der Atombombe nach unter-schiedlichen Angaben 25.000 bis 36.000 Menschen. Innerhalb von fünf Jahren stieg diese Zahl auf 140.000, und weitere Opfer müssen immer noch betrauert werden.

Wieder sind es Worte, die zum Nachdenken anregen sollten. Am 15. August 1945 verbreiteten japanische Rundfunkstationen folgende Ansprache des Tenno: „Der Feind hat darüber hinaus eine neue und überaus grausame Bombe einzusetzen begonnen, deren Zerstörung unermeßlich ist…. Wollten wir zu kämpfen fortfahren, würde dies nicht bloß zum völligen Zusammen-bruch und Untergang der japanischen Nation, sondern auch zur totalen Aus-löschung der menschlichen Zivilisation führen … Gemäß dem Gebot der Stunde und des Schicksals haben wir deshalb beschlossen, den Weg zu einem großen Frieden für alle kommenden Generationen zu ebnen – durch Ertragen des Unerträglichen und durch Annahme des Unannehmbaren“. 60 Jahre danach riefen verantwortliche Japaner der Regierung und der betroffenen Städte zur Abschaffung und Ächtung der Atombomben auf. Ob der Aufruf je gehört wird, zumal heute die USA an der Entwicklung „kleiner“ Atom-bomben arbeitet, ist zu bezweifeln.

2006 – Städte des Welterbes der Kultur als Angriffsziel

Mit tiefem Bedauern ist festzustellen, dass auch in der Gegenwart in Kriegen keine Rücksicht auf den einfachen Menschen, geschweige auf ihre Kulturgüter genommen wird. Bei dem „33 Tage Krieg“ im Jahr 2006 Israels gegen die schiitische Terrororganisation „Hisbollah“ – arabisch „Partei Allahs“ (ihres Gottes) – auf libanesischem Gebiet wurden nicht nur ganze Stadtteile Beiruts, sondern auch drei Städte starken Zerstörungen ausgesetzt, die in der Liste des Welterbes der Kultur der UNESCO Aufnahme gefunden haben.

An der Südküste des Libanon liegt Tyros. Die Stadt wurde im 3. Jahrtausend v.Chr. gegründet. Ihr Reichtum zur Zeit der Phönizier beruhte auf dem Pur-purhandel und dem Hafen. Sie war wi3ederholt umkämpft. Im Jahr 332 v. Chr. eroberte sie Alexander der Große , und im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde sie von den Römern eingenommen. An die Römer erinnern noch heute: Ko-lonnadenstraßen, Bäder, die Arena, das Hippodrom und vor allem der Tri-umphbogen. Eine Kathedrale stammt aus der Zeit der Kreuzfahrer. Über diese Zeit berichtete der Erzbischof Wilhelm von Tyros (ca. 1130 – 1190) in seiner „Geschichte der Kreuzzüge und des Königreichs Jerusalem“ (1169-1173).

Die 23 Bände liefern die wichtigste Quelle über die Kreuzfahrerzeit.

Nördlich von Beirut an der Westküste liegt Byblos – heute ein Fischerhafen. Der Ort wurde 5.000 v. Chr. gegründet und verdankte seinen Reichtum als Warenumschlagplatz der Lage zwischen Mesopotanien und dem Mittelmeer. Besondere Bedeutung erlangte der Handel mit Libanonzedern und Papyrus. Vom Grieschischem „Byblos“ – Schreibmaterial – wird der Name des Ortes abgeleitet – wohl einer der ältesten der Menschheit. Um 2.800 v. Chr. wurde mit dem Bau des Tempels für die Stadtgöttin Baalat Gebal begonnen. Es sind Reste der phönizischen Stadtmauer, einer Nekropole mit Grabkammern und eines römischen Theaters erhalten.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Baalbek im Nordosten Libanons in der Be-kaa-Ebene gegründet. Nach Überlieferung soll Adam in der Nähe des Ortes gelebt haben. Auch Abraham, Kain und Noah werden mit ihm in Verbindung gebracht. Die wichtigsten Relikte gehen auf die Römer zurück: Bacchus- und Jupitertempel und die wuchtigen Propyläen über dem monumentalen Trep-penaufgang der Kultstätte.

Eine Botschaft der semitischen Gottheit Baal lautet:

„Beseitige den Krieg auf Erden.
Vertreibe den Streit im Land.
Gieße Frieden ins Innere der Erde.
Vermehre die Freundschaft inmitten der Felder.“

Angesichts der Tatsache, dass heute immer wieder an den verschiedenen Teilen der Welt Kriege aufflammen oder vom Zaun gebrochen werden, die mit grausamen Waffen und jeder Art von Terror geführt werden, ist es notwendig an Konventionen zu erinnern, die an die Menschlichkeit appellieren und dem einfachen Menschen in seinem Heimatgebiet Schutz gewähren sollen. So heißt es in der Haager Landkriegsordnung von 1907:

„Es ist untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten oder Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu beschießen.“

Dieses Zitat ist im Artikel „Luftkrieg und Völkerrecht“ des US-amerikanischen Völkerrechtlers, Historikers und Menschenrechtsexperten, Dr. Alfred-Maurice de Zayas, in der Sonderausgabe der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“ 2005 mit dem Titel „60 Jahre danach – was damals in Deutschland wirklich geschah – Die Hölle auf Erden,“ enthalten. Darin schreibt er:

„Ferner ist hervorzuheben, dass das Kriegsvölkerrecht gleichermaßen auf alle Kriegsparteien Anwendung findet. Zweck des Kriegsvölkerrechts ist, das unvermeidliche Leiden jedes Krieges zu beschränken. Dabei wird nicht gefragt, wer der Aggressor war, denn jeder Mensch, ob Soldat oder Zivilist hat Menschenrechte, die ohne Diskriminierung geachtet werden müssen. Kollektivschuld gibt es nicht, und Kollektivstrafen werden im Völkerrecht untersagt. Darum lässt sich die Völkerrechtswidrigkeit der Luftangriffe an Dresden und Hiroshima nicht damit tilgen, dass die Deutschen und Japaner Aggressoren waren. Außerdem wurde das völkerrechtliche Prinzip der Verhältnismäßigkeit in beiden Fällen verletzt. Als Amerikaner, der nach dem Krieg geboren wurde, bedauere ich zutiefst, dass diese Kriegsverbrechen im Namen Amerikas begangen wur-den.“

Allen Bemühungen um nukleare Abrüstung der Atommächte zum Trotz stellte das Center of Defense Information im Jahre 2003 folgende Bilanz über den Besitz von Atomsprengsätzen auf: USA 10.656, Russland 10.000, China 400, Frankreich 350, Israel über 200, Großbritannien 185, Indien über 60, Pakistan 24 bis 48, Nordkorea etwa 2. Welche Nichtatom-macht kann sich angesichts dieses Atomwaffenarsenals sicher fühlen? Und wer kontrolliert die Atommächte ebenso wie die Habenichtse? Das ist die Problematik des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, dessen Urschriften am 1. Juli 1968 zu London, Moskau und Washington hinterlegt worden sind.

Ursachen von Kriegen

Die „aufgeklärten“ Menschen unserer Zeit sollten sich immer wieder fragen und sich kundig machen, warum Kriege geführt wurden und noch ständig neu entbrennen. Die Aufzählung der wahren und nur vorgebrachten Gründe ist lang: Streitigkeiten von Herrschern, Hegemonialstreben – Ringen um Vormacht -, Glaubenskriege, Kampf um wirtschaftliche Überlegenheit, Stre-ben zur Beherrschung der Meere, Neid über sichtbare Erfolge anderer Staaten, Kampf um Rohstoffe. In jüngster Zeit werden zwei Beweggründe verschleiert oder offen genannt: Kampf um das Öl und die Ölreserven und Ver-breitung von weltweiter Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Dazu wird vielen Menschen – oft fremder Kulturen – das Paradies auf Erden – manchmal Demokratie genannt – versprochen. Bevor es aber verwirklicht werden kann, werden nicht wenige der „Hoffenden“ in die Hölle geschickt. Sie können nicht mehr darüber rätseln, warum die Kriegsherren immer noch den Grund für einen Krieg suchen, der sich zur Katastrophe ausweitete, dem weltweiten Terrorismus nach seiner Meinung die Gründe für Gewaltakte lieferte und immer wieder viele unschuldige Menschen – besonders Frauen und Kinder – umkommen läßt.

Worte für den Frieden und gegen den Krieg

Ratlos stellen sich denkende Menschen die Frage, warum die wiederholten Warnungen vor Kriegen von Vertretern des Geistes nicht von verantwortlichen Machthabern in der Welt gehört, geschweige denn beachtet wurden und werden. Für das 21. Jahrhundert könnten die Worte von Professor Albert Schweitzer (1875 – 1965) – Arzt, Musikforscher und Organist, Philosoph und Theologe – eine Warnung sein, die er bei der Entgegennahme des Nobelpreises am 4. November 1954 dem Thema „Das Problem des Friedens in der heutigen Welt“ widmete: „Es ist von besonderer Art, als der Krieg, wie er heu-te vor sich ginge, etwas anderes ist als der frühere. Er wird mit ungleich größe-ren Mitteln des Tötens und Zerstörens geführt als jener, und ist also ein größeres Übel als er je gewesen ist…. Weil offenbar ist, ein wie furchtbares Übel ein Krieg in unserer Zeit ist, darf nichts unversucht bleiben, ihn zu verhindern. Insbesondere muß dies noch aus einem ethischen Grunde geschehen. Wir haben uns in den beiden letzten Kriegen grausamer Unmenschlichkeit schuldig gemacht und würden es in einem kommenden noch weiter tun.

Dies darf nicht sein… Mögen die, welche die Geschichte der Völker in den Händen haben, darauf bedacht sein, alles zu vermeiden, was die Lage, in der wir uns befinden, noch schwieriger gestalten und uns noch weiter gefährden könnte, mögen sie das wunderbare Wort des Apostels Paulus beherzigen: ,so viel an euch liegt, habt mit allen Menschen Frieden’. Mögen sie in dem Bemühen um die Erhaltung des Friedens miteinander bis an die äußerste Grenze des Mögli-chen gehen, dass dem Geiste zum Erstarken und zum Wirken Zeit gegeben bleibe!“ Schon 534 hieß es in der Benediktregel des Benedikt von Nursia; “Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach.“

Der Franzose, Antoine de Saint-Exupéry (29.6.1900-31.7.1944) beschreibt in seinem Werk –„Citadelle“ – Die Stadt in der Wüste -, das 1948 postum erschienen ist, seine Friedenssehnsucht und macht mit eindrucksvollen Worten deutlich, was es heißt, sich um den Frieden zu bemühen:

„Der Friede ist ein Baum, der eines langen Wachstums bedarf. Gleich der Zeder müssen wir noch vieles Gestein aufsaugen, um ihm seine Einheit zu schaffen… Den Frieden bauen, heißt den Stall weit genug bauen, damit die ganze Herde darin schlafe. Es heißt, den Palast weit genug bauen, damit sich alle Menschen in ihm vereinen können, ohne etwas von ihrem Gepäck preis zu geben. Es geht nicht darum, sie zu verstümmeln, damit sie darin Platz haben. Den Frieden bauen, heißt von Gott erlangen, dass er seinen Hirtenmantel verleiht, damit er die Menschen in der ganzen Weite ihrer Wünsche umfange. Genauso wie die Mutter, die ihre Söhne liebt. Auch den, der schüchtern und zart ist, und den anderen, der vor Lebenslust glüht. Und den, der vielleicht bucklig und schwächlich und unwillkommen ist. Aber sie alle in ihrer Verschiedenheit bewegen sein Herz. Und alle in der Verschiedenheit ihrer Liebe dienen seiner Herrlichkeit.“ (übersetzt von Oswald von Nostitz, 1998).

Wird die Menschheit und werden einst verantwortliche Politiker begreifen, dass heute und in Zukunft entstehende Probleme zwischen den Völkern und Volksgruppen nicht mehr mit Waffengewalt gelöst werden können und dür-fen? Haben sie aufgehorcht, als am 29. Februar 1992 der französische Staatspräsident, François Mitterrand, auf dem Kolloquium „Die Volksstämme und Europa“ in Paris folgendes aussprach?:

„Der Frieden der Sieger: alle Verträge dieses Jahrhunderts, vor allem die Verträge nach dem Krieg von 1914 bis 1918, angefangen beim Versailler Vertrag aber auch der Vertrag von 1945 und alle späteren waren immer Verträge der Ungerechtigkeit, die immer die historischen, geographischen, geistigen oder ethnischen Gegebenheiten leugneten, um den Ruhm der Sieger oder seinen Machtinstinkt oder seine unmittelbaren Interessen zu befriedigen. Das Drama des nächsten Krieges war immer schon in der vorausgegangenen Friedensregelung festgeschrieben.“

Schon lange vorher hatte François Marie Arouet, genannt Voltaire, (1694-1778) das wahre Gesicht des Krieges aufgezeigt: Wie das größte physi-sche Übel der Tod ist, so ist das größte moralische Übel zweifellos der Krieg. Er hat alle Verbrechen im Gefolge: verleumderische Erklärungen, verräteri-sche Verträge, Raub, Verwüstung, Schmerz und Tod in jeder Form.“ Sehr nachdenklich stimmen die Worte des am 25. August 1744 in Mohrungen in Ostpreußen geborenen Dichters, Philosophen und Theologen Johann Gottfried von Herder in „Briefe zur Beförderung der Humanität“ – 10 Bände von 1793-1797 -:

„Der Krieg, wo er nicht erzwungene Selbstverteidigung, sondern ein toller Angriff auf eine ruhige, benachbarte Nation ist, ist ein unmenschliches, ärger als tierisches Beginnen, indem er nicht nur der Nation, die er angreift, unschuldiger Weise Mord und Verwüstung drohet, sondern auch die Nation, die ihn führet, ebenso unverdient als schrecklich hinopfert.“

Niemand kann heute behaupten, dass nicht frühere Generationen und ihre geistigen Denker schon längst die Grausamkeit von Kriegen und ihre Sinnlosigkeit erkannt hätten. Nur zwei Beispiele seien hier aufgezeigt. In einmaliger Klarheit formulierte es der französische Mathematiker und religiöse Denker Blaise Pascal (1623-1662) in seinen „Pensées“ – Gedanken – wie folgt:

„Warum töten sie mich? – Nun! Wohnen sie nicht auf der anderen Seite des Flusses? Mein Freund, wenn Sie auf dieser Seite wohnten, wäre ich ein Mörder, und es wäre ungerecht, Sie zu töten. Aber da Sie auf der anderen Seite wohnen, bin ich ein tapferer Mann, und es ist gerecht.“

Pascal wurde noch deutlicher:

„Kann es etwas Seltsameres geben, als dass ein Mensch das Recht hat, mich zu töten, weil ich auf der anderen Seite des Flusses wohne, und weil sein Herrscher Streit mit meinem hat, obwohl ich keinen mit ihm habe?“

Ganz ähnlich drückte es der französische Dichter Paul Valéry (1871-1945) aus:

„Der Krieg ist ein Vorgang, bei dem sich Menschen umbringen, die einander nicht kennen, und zwar zum Ruhm und Vorteil von Leuten, die einander kennen, aber sich nicht umbringen.“

Jean Paul (1763-1825) Meister der Erzählung, schreibt in „´s ist Krieg!“

„Gegen den Krieg schreiben ist allerdings so viel als harte Winter scharf rügen, oder die Erbsünde. Denn bisher waren die Geschichtskapitel mit Krieg gefüllt, unter welche der Friede einige Noten setzte. Seit der Schöpfungsgeschichte treibt dieses wahre, ‚perpetuum mobile’ des Teufels die Vernichtungsgeschichte fort. Der Friede war bisher nur eine blühende Vorstadt mit Landhäusern und Gärten vor der Festung des Krieges, der jene bei jedem Anlaß niederschoß…. . Wer bürgt unter den unermeßlichen Entwicklungen der Chemie und Physik dagegen, dass nicht endlich eine Mordmaschine erfunden werde, welche wie eine Mine mit einem Schusse eine Schlacht liefert und schließt; so dass der Feind nur den zweiten tut, und so gegen Abend der Feldzug abgetan ist…. . Das Unglück der Erde war bisher, dass zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden, indes es besser, wenn auch nicht gut gewesen wäre, dass Millionen beschlossen hätten, und zwei gestritten.“

Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, zu prüfen, wie das zu verwirklichen ist, was Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), Professor der Physik, vielseitiger Gelehrter und Menschenbeobachter als Meister der Aphorismen niederschrieb:

„In einem Lande N.N. müssen bei einem Krieg der Regent sowohl als seine Räte, solange der Krieg währt, über einer Pulvertonne schlafen…. Man sagt, dass seit der Zeit die Kriege in jenen Gegenden ganz aufgehört hätten.“

Vielleicht nähert sich der Tag, an dem verantwortliche Menschen in der Welt all ihre Kraft, ihre Vernunft und ihr technisches Können dafür einsetzen, dass viele Menschen auf dem weiten Globus, die noch im-mer grausame Not leiden und vor Hunger sterben die Möglichkeit erhalten, in ihrer Heimat, dem engeren Bereich, würdig zu leben. Das würde die Gefahr überhandnehmender Einwanderung in geordnete Staaten mindern und somit dem Frieden dienen. So wären Milliarden an Geldern sinnvoll ausgegeben, die als Waffen Tod und Verderben bringen. Naturkatastrophen sollten eine Warnung sein. Nur mit großer Betroffenheit kann das zur Kenntnis genommen werden, was der „General-Anzeiger“ in Bonn am 11. Januar 2006 berichtete. In einer neuen Studie des Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträgers Joseph E. Stiglitz, und der Harward Dozentin Linda Bilmes, werden die Kos-ten des Irak-Krieges für die USA bis 2010 auf mehr als zwei Billionen Dollar errechnet. Diese Kosten beziehen sich auf die Militäreinsätze und die Aufwendungen für 16.000 – zum Teil sehr schwer – verwundete US-Soldaten. Rund 20 Prozent des Ölpreisanstieges sind direkt durch den Krieg verursacht.

Wörtlich heißt es in der Studie:

„Selbst bei einem zurückhaltenden Ansatz waren wir überrascht, wie hoch die Kosten insgesamt ausfallen.“

Da im Rahmen einer „globalen Weltsicht“ immer mehr egoistische Ziele von einzelnen Staaten oder Staatsgruppen zu erkennen sind, wird ein „globales Ringen“ um den Frieden in der Welt immer notwendiger.

Verteidigung des Vaterlandes

Noch ist es nicht so weit. Da Kriege und in ihrem Gefolge der Terror, der Krieg mit anderen Mitteln, von denjenigen, die nicht über technisch hoch entwickelte Waffen verfügen, immer grausamer, menschenverachtender und heimtückischer geführt werden, muß jeder Staat, der frei bleiben will, für seine Verteidigung sorgen – nach Möglichkeit in Bündnissen, die aber niemals zum Angriffskrieg missbraucht werden dürfen. Schon im 4. Jahrhundert vor Christus schrieb Flavius Vegetius Renatus eine beherzigende Wahrheit nieder: “Si vis pacem, para bellum.“ – Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor-.

Noch klarer formulierte es der heilige Augustinus, der die Schwächen der Menschen genau kannte: „Pacem volo, bellum paro. – Ich will Frieden. (deshalb) bereite ich mich auf den Krieg vor -.“

Wenn ein Soldat, ein Bürger seines Landes, dieses Land im Ernstfall verteidigen soll, muß er wissen, dass dieses Land verteidigungswert ist und sein Einsatz anerkannt wird. Niemand darf ihm verwehren sich zu seinem Vaterland zu bekennen und es zu lieben. In seltener Klarheit hat das der ehemalige Verteidigungsminister, Georg Leber, am 12. November 1996 in Bordenau, wo am 12. November 1755 der preußische General Gerhard Johann David von Scharnhorst geboren wurde, anlässlich des feierlichen Gelöbnisses von Soldaten aus Heer, Luftwaffe und Marine ausgesprochen:

„Seit Sie ihre Uniform angezogen haben, haben sie schon begonnen, Wache zu halten, damit Ihre eigenen Mütter, Ihre Väter, Ihre Brüder, Schwestern, Freunde und alle, die in unserem Land mit uns zusammen leben, ohne Angst leben und schlafen können, vor Gefahren, die von außen kommen und unseren Frieden stören könnten…. Seid –stolz auf unser Land, so stolz wie die jungen Franzosen und Engländer, wie die Spanier und Amerikaner, wie die Russen und Polen, wie die jungen Europäer in anderen Ländern stolz sind auf ihr Land, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Gegen den Terror in der Welt

Diesen Stolz auf das eigene Land dürfen sich im Jahre 2006 auch Deutsche nicht nehmen lassen. Viele von ihnen kennen Kriege und Terror nur aus der Geschichte, aus dem Fernsehen und vom Hören und Sagen. Und doch leben sie häufig in Angst davor, sich zum eigenen Vaterland zu bekennen. Sie wer-den zu „Opfern“ des „Terrors“ – auch wenn sie nicht direkt von seiner Bruta-lität getroffen sind. Wer andere terrorisiert, der will vom lateinischen Wort her terrere – Terror – Angst und Schrecken verbreiten. In „Vom Sieg der Demokratie“ schrieb Thomas Mann (1875-1955):

„Der Terror verdirbt den Menschen, das ist klar: Er zerrüttet ihren Charakter, setzt das Böse in ihnen frei, macht sie zu angstvollen Heuchlern und schamlosen Angebern, er macht sie verächtlich – darum lieben die Menschenverächter den Terror so sehr.“

Es ist höchste Zeit, dass die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die einzelnen Nationen, die nach Frieden streben, den Terror und seine menschenverachtenden Ausartungen nicht nur verurteilen, sondern auch feierlich erklären, dass sie niemals Ziele von Terroristen unterstützen werden, wenn sie Gewalt anwenden, die wahllos unschuldigen Menschen das Leben nimmt.

Kenntnis der Eigenarten der Völker erwerben

Wenn es um den Frieden in der Welt geht, ist es gefährlich, Fremdes nicht mehr als Fremdes wahrzunehmen. Jede Verharmlosung und Verniedlichung auch von negativen Eigenarten von Völkern und Volksgruppen und die „Sehnsucht“ nach einer „Multikultur“, die es nie geben wird, verwischen Un-terschiede, die gesehen werden müssen. Die Menschheit zeichnet sich durch die Vielfalt ihrer Kulturen aus. Menschen, die sich weltweit nach Ruhe, Ordnung und Frieden sehnen, denken zunächst an ihre Familie, ihre Heimat und ihr Vaterland.

Da liegen ihre Wurzeln, aus denen sie Kraft schöpfen können, um den täglichen Lebenskampf zu bestehen. Der schweizer Dichter und No-belpreisträger 1919, Carl Spitteler (1845-1924) formulierte es wie folgt:

„Wer ein Volk verachtet und hasst, der beweist, dass er dasselbe nicht genügend kennt oder dass Leidenschaft ihm das Verständnis verschließt. Um aber eine solche Leidenschaft, gegen welche kein Mensch gefeit ist, zu überwinden, kenne ich kein besseres Mittel als das Privatleben eines Volkes, seinen Kampf mit der Natur, seine Sorge um das tägliche Brot und vor allem seine Leiden zu beobachten. Da werden uns die Leute verwandt, und man kann ihnen nie mehr gründlich gram werden.“

In diesem Zusammenhang sollten die Worte des obersten Abts des Ordens der Benediktiner, Abtprimas Notker Wolf, in der Zeitschrift „Stern“, 26/2006, aufmerksam gelesen werden:

„Betrachten wir nur die deutsche Ausländerpolitik. Hier begehen wir den gleichen Fehler wie viele europäische Nationen in den letzten Jahrzehnten: auf Multikulti zu machen und so zu tun, als würden bei uns nicht ganz verschiedene Lebenswelten aufeinander prallen. Wir versuchen im Sinne der Political Correctness zu verschleiern, was uns unterscheidet, übergehen die Fremdheit des anderen mit schamhaftem Schweigen. Doch wer Unterschiede leugnet, macht sie dadurch erst zum Stein des Anstoßes. Ein Frieden, der erkauft wird, indem sich alle blind und taub stellen, ist ein fauler Frieden.“

Auf die Gefahr des Islam angesprochen, antwortet er wie folgt:

„Er ist vor allem politisch motiviert, die Anführer pfeifen auf die Rechte des Menschen als Geschöpf Gottes. Die Islamische Konferenz hat sich die weltweite Islamisierung zum Ziel ge-setzt, auch die Europas, und ich kann durch meine Reisen bestätigen, dass sie gut voran kommen. In Neapel wird gerade die zweitgrößte Moschee Europas gebaut. Die größte steht in Rom. In Kroatien werden überall Moscheen errichtet. Ich möchte als Europäer nicht vom Islam überfahren werden. Diese Ge-fahr besteht so lange, wie wir den Fehler machen, unser aufgeklärtes Religi-onsverständnis auf den Islam zu übertragen.“

Laßt Worte – nicht Waffen sprechen

Carl Spitteler, der Schweizer, hat in seiner Sprache das ausgedrückt, was alle Menschen in einer immer enger zusammenrückenden Welt beherzigen sollten. Mehr denn je sei heute an die Macht des Wortes erinnert. In einer Zeit, da die „Materie“ auf fast allen Gebieten immer mehr vorherrscht und viele nur noch nach möglichst mühelos erworbenen Reichtum streben, ist es notwendig, daran zu erinnern, dass Herrscher, Philosophen, Dichter und Denker durch die Jahrhunderte hindurch mit Worten richtungsweisend gewirkt haben. Es ist tragisch, dass sie häufig nicht gehört wurden. Christen mögen sich an die ersten Zeilen des Evangeliums des Johannes erinnern:

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

Das Wort Gottes hat den Menschen immer wieder einen Halt gegeben und ist eine Aus-sage des Friedens. All zu oft gehen Menschen – gerade auch jene, die in Verantwortung stehen – zu oberflächlich mit Worten um. Sie sollten aber denken, bevor sie unverantwortliche Aussagen treffen. Nur zwei Warnungen seien angeführt. Der schweizer evangelische Pfarrer, Jeremias Gotthelf (1797-1854) formulierte es treffend:

„Es gibt Worte, die gehen in den Kopf wie Splitter ins Fleisch: Man merkt es nicht. Erst nach einer Weile fangen sie an zu schmerzen und zu eitern, und oft hat man seine liebe Not, ehe man sie wieder rauskriegt.“

Auch die Aussage des amerikanischen Schriftstellers, Mark Twain (1835-1910) stimmt nachdenklich:

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort ist der gleiche wie zwi-schen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“

Es ist eine Anmaßung wenn von „Schurkenstaaten“ oder „Der Achse des Bösen“ gesprochen wird. In keinem Land gibt es nur „Schurken“ oder „Böse“. Gerade Demokraten sollten in ihrer Wortwahl vorbildlich sein und jede Arroganz der Macht unterdrü-cken. Heute kann der Ruf nach christlicher Demut hilfreich sein, wie es der Domprediger, Johannes Geiler von Kaiserberg (1445 in Schaffhausen gebo-ren und 1510 in Straßburg gestorben) in seltener Klarheit ausdrückte:

„Frieden macht Reichtum, Reichtum macht Übermut, Übermut bringt Krieg, Krieg bringt Armut. Armut macht Demut. Demut macht wieder Frieden.“

Diese Lebensweisheit gilt es zu befolgen. Jeder Mensch muß das Recht haben, sich frei zu äußern und sich zu seinem Vaterland zu bekennen. Es ist eine Zumu-tung, wenn von ihm für historische Aussagen eine bestimmte Wortwahl ver-langt wird. Selbst, wenn er sich irren oder Zweifel anbringen sollte, gibt es genügend andere, die ihm sachlich antworten oder ihn widerlegen können. Besonders häufig erfolgt der Angriff bei einem klaren Bekenntnis zum Vater-land. Selbst wenn an tragische Ereignisse und Schicksalsschläge des deutschen Volkes erinnert wird, kommt sofort der Einwand: „Ja aber – haben es die Deutschen doch verdient“. Und doch muß immer wieder versucht werden, die ganze Wahrheit über die Deutsche Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen, aber auch großartigen Zeitabschnitten zu verkünden. Ebenso werden gezielte Worte um des Friedens willen eingesetzt werden müssen.

Dann wird es sich zeigen, ob sich einst die stille Hoffnung des aus Algerien stammenden französischen Schriftstellers, Albert Camus (1913-1960), der 1957 den No-belpreis für Literatur erhielt, erfüllen wird: „Über fünf Kontinente hinweg wird in den kommenden Jahren ein endloser Kampf zwischen der Gewalt und dem Wort stattfinden. Und es stimmt, dass die Gewalt tausendmal bessere Aussichten hat als das Wort. Aber ich war immer der Ansicht, wenn ein Mensch, der auf menschliche Verhältnisse hofft, ein Verrückter sei, so sei jener, der an den Ereignissen verzweifle, ein Feigling. Und von nun an wird es nur noch den Stolz geben, unbeirrt jene großartige Wette mitzumachen, die schließlich darüber entscheiden wird, ob Worte stärker sind als Kugeln.“

Deutschland – einig Vaterland

Jedes Volk hat seine Geschichte, seine Kultur und meistens auch seine Religion. Viele Völker haben durch Jahrhunderte hindurch anderen geistig, kulturell und auf dem Gebiet der Technik Anregungen gegeben. Dazu gehört das gesamte Deutschland, dem heute das alte Ostdeutschland genommen ist. Deutschland hat eine Jahrtausend alte Geschichte und fußt nicht nur auf 12 Jahren. Burgen und Schlösser künden von Königen und Kaisern. Kirchen, Dome, Klöster und Kathedralen erinnern daran, dass Deutschland christlich geprägt worden ist.

Über Jahrhunderte belebte eine umfangreiche und vielfältige Industrie das eigene Land und strahlte weit in die Welt hinaus. Nicht vergessen werden dürfen die großen Persönlichkeiten des Geistes, der Philosophie und der Literatur. Durch zahlreiche Erfindungen und Entdeckungen, aber nicht zuletzt medizinische Entwicklungen hat es der Menschheit viel gegeben. Deutschland hat Zeichen gesetzt, wie nach einem gegen eine riesige Übermacht verlorenen Krieg Elend überwunden und mit einem großen Auf-bauwerk den Menschen wieder Hoffnung und Zuversicht gegeben werden kann.

Einmalig ist es, dass Deutschland durch den Willen der Bürger in einer friedlichen Revolution das Land nach 45 Jahren auferlegter Teilung und unterschiedlicher politischer Entwicklung in Freiheit wiedervereint hat. Hier wurde ein Beispiel gegeben, wie fast unlösbare Probleme durch Überzeugung und Diplomatie friedlich geregelt werden können. Auch wenn nicht wenige Menschen in ihrer Hoffnung auf die Einheit wankten, so waren es verant-wortliche Politiker, die das Streben danach nie aufgegeben haben. Nur zwei Aussagen mögen abschließend für viele sprechen. 1982 schrieb Bundespräsi-dent Professor Dr. Karl Carstens in Heft 4 der „Information für die Truppe“:

„Für mich ist unser Vaterland das Land, in dem Deutsche leben, die durch gemeinsame Sprache, Kultur und Geschichte zusammengefügt sind und die das Bewußtsein haben, eine Nation zu sein…. Die Bindung an das Vaterland läßt Gefühle wie Vertrautheit, Liebe und Zustimmung mitschwingen. Aus einer solchen, den ganzen Menschen erfassenden Bindung erwächst dann auch ganz natürlich das Gefühl, diesem Land und seinen Menschen einen Dienst und eine Pflicht zu schulden.“

Am 1. Juli 1986 beendete er seine Ansprache vor der Freiherr vom Stein Gesellschaft in Bonn wie folgt:

„Lassen sie uns in der Hektik der täglichen Probleme an einigen grundlegenden Werten wie dem Glauben an Gott, der Liebe zum Vaterland, Freiheit und Recht festhalten“.

Seinem Land hat Dr. Gerhard Schröder als überzeugter Christ und Patriot als Bundesminister des Inneren, des Auswärtigen und der Verteidigung gedient. Die von ihm mit diplomatischem Geschick erstrebte Einheit in Freiheit erlebte er nicht mehr. Er starb am 31. Dezember 1989. Unvergessen sollte seine Gedenkansprache zum 17. Juni 1984 vor dem Deutschen Bundestag in Bonn bleiben. Auch heute kann diese Rede mit folgender Aussage das Handeln deutscher Politik bestimmen:

„Was können wir Deutschen, was können die Eltern, die Älteren in dieser Zeit tun, was sollten die Lehrer, Hochschullehrer lehren? Ich nehme das Wort „Modellstaat“ nicht gerne in den Mund. Und doch: Wir sollten glaubwürdig sein. Wir sollten friedfertig sein. Wir sollten leistungsfähig sein. Wir sollten brüderlich sein. Wir sollten uns bemühen, gute Deutsche zu sein – nachdem es so viele andere gegeben hat. Aber: Wir sollten dabei selbstbewußt sein, ohne Komplexe – der Schatten unserer Vergangenheit darf uns nicht erpreßbar machen. (Diesen Satz wiederholte er. – der Verf.) Wir haben das westliche Lager gewählt, in dem wir auf jeden Fall gleichberechtigt sein wollen.“

Nur auf dieser Grundlage – dem mutigen Bekenntnis zum deutschen Vaterland – ist ein erfolgreiches Zusammenwirken mit den Staaten Europas und weltweit denkbar. Jeder Mensch ist in seinem Bereich aufgerufen, zu überlegen, wie er nach seinen Möglichkeiten dem Frieden in der Welt dienen kann. Für christliche Ordensritter gibt es ein Idealbild, das oft nicht erkannt wird, obwohl es in einem Werk enthalten ist, das neben der Bibel in den meisten Sprachen des ganzen Globus übersetzt worden ist.

Der Spanier Miguel de Cervantes Saavedra (9.10.1547-23.4.1616) – gest. vor 390 Jahren – zeichnete im 16. Kapitel des 2. Buches seines „Don Qijote de la Mancha“ (1614/15 erschienen) dieses Idealbild eines Ritters. Der „grüne Ritter“, Don Diego de Miranda, stellt sich wie folgt vor:

„Ich gebe mich nicht mit übler Nachrede ab und erlaube sie nicht in meiner Gegenwart; ich spüre den Verhältnissen Dritter nicht nach und laure ihren Handlungen nicht mit Luchsaugen auf. Ich höre jeden Tag die Messe; ich teile den Armen mit von meiner Habe, prunke aber nicht mit mei-nen guten Werken, weil ich Heuchelei und Ruhmredigkeit nicht in meinem Herzen aufkommen lassen will, diese Feinde, die sich auch des besonnensten Geistes schmeichlerisch bemächtigen. Ich mühe mich, Frieden zu stiften zwischen Leuten, die uneins sind, verehre Unsere Liebe Frau und baue stets auf Gott unseren Herrn und sein unendliches Erbarmen.“ (Übersetzung von Ludwig Braunsfeld, 1962)