Autor: Obr. Dr. Edmund Sawall

Das Geschäft mit dem Tod

Autor: Obr. Dr. Edmund Sawall

Autor: Obr. Dr. Edmund Sawall

Der Mensch als Objekt ökonomischer Verwertung

Nachdem der Mensch sich von seiner göttlichen Schöpfung losgesagt hat, hat sich eine Normalisierung seiner rein ökonomischen Verwertbarkeit entwickelt. Eine Milliardenindustrie ist entstanden, die alle möglichen Aspekte einer wirtschaftlichen Nutzung „von der Wiege bis zur Bahre“ erforscht und nutzt.

Die Würde des Menschen, die laut Grundgesetz unantastbar ist, bleibt dabei zunehmend auf der Strecke. Obwohl das Bundesverfassungsgericht noch 1993 in einem Grundsatzurteil „die Verpflichtung des Staates …den rechtlichen Schutzanspruch … im allgemeinen Bewußtsein zu erhalten und zu pflegen“ betonte, zeigt die Realität ein anderes Gesicht.

Das Geschäft mit der Abtreibung

Dies ist der Titel einer Neuerscheinung von Alexandra M. Linder, in der sie tiefgründig analysiert, daß die „Abtreibung nicht nur eine millionenfach erlebte menschlichen Tragödie, sondern inzwischen auch ein Milliardengeschäft“ ist. Lindner befreit uns von der „Illusion darüber, dass das Recht auf Leben und der Lebensschutz im Mittelpunkt staatlicher und internationaler Aktivitäten steht und daß diese Rechte nicht für kommerzielle oder ideologische Zwecke mißbraucht werden“.

Der Tatsachenbericht von Alexandra Linder weißt nach jahrelangen Untersuchen nach, daß mit der Tötung ungeborenen Lebens, gleich aus welchen Gründen auch immer, weltweit ein lukratives „Milliardengeschäft (entstanden ist), an dem Forscher, Pharmakonzerne, aber auch Politiker und Bürokratie verdienen“. Das Beginnt mit Medikamenten zur Früh- und Nachverhütung, der Spätverhütung oder Frühabtreibung von Schwangerschaften. Es setzt sich fort mit der Stammzellengewinnung für die Entwicklung neuer Medikamente zur Heilung bestimmter Krankheiten wie Hepatitis, Röteln oder Kinderlähmung, Masern, Mumps, Windpocken oder Grippe, Diphtherie oder Keuchhusten, um nur einige zu nennen. Inzwischen ist eine Explosion von Forschungs- und Anwendungs-Projekte für Impfstoffe zur Verwendung fast aller unheilbaren bzw. schwer heilbaren Krankheiten entstanden.

Warum Kinderzellen? Warum greifen die Hersteller oft bedenkenlos, zunehmen aber bewußt und verstärkt auf fötales/embryonales menschliches Gewebe zurück? Linder nennt dafür drei prinzipielle Erklärungsmöglichkeiten: „ – finanzielle Aspekte bezüglich der Kosten und Herstellungsmengen – Biologische/medizinische Aspekte im Hinblick auf Wirkung und Verträglichkeit – sogenannte ‚ethische ‚Aspekte“.

Bei den „ethischen Aspekten“ handelt es sich vorwiegen um solche der Tierschützer mit dem Hinweis, daß die massenhafte Abschlachtung verschiedener Tierarten zur Zellgewinnung ethisch nicht vertretbar ist. Ferner ist die Reinheit, Verträglichkeit und Wirkung bei tierischem Zellmaterial erheblich schlechter als von embryonalen Zellsystemen. Bei rd. 166 Tausend offiziellen Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr (die illegalen nicht mitgezählt) stehe genügend menschliches Material zur Verfügung. Weltweit werden jährlich über vierzig Millionen Kinder vorgeburtlich getötet. Heute ist die Züchtung menschlicher Zellen in einem solchen Umfange vermehrbar ist, daß sie für Forschung und kommerzielle Verwertung völlig ausreichend sind.
Seit Jahren hat sich ein wachsender internationaler Markt zur Verwendung von Geweben, Organen und Zellen abgetriebene Kinder etabliert. Daraus entwickelte sich die Abtreibung als ein lukratives und ausbaufähiges Milliardengeschäft, das weit über die Einnahmen der Abtreibungskliniken hinausgeht, z. Bp. Pharmakonzerne, Firmen aus der Kosmetikbranche, Transplantations- und Forschungseinrichtungen. Lt. Linder haben sich bereits professionelle Verwertungsketten gebildet. Sie verweist auf ein wirtschaftliches Wachstum der Transplantationsmedizin. Der Bedarf an Organen und Gewebe ist überwältigend groß.

Als am 26. September d. J. der Bundesverband Lebensrecht (BVL) rd. 1300 Lebensschützer mit weißen Kreuzen zum Gedenken an den Mord vorgeburtlichen Lebens zum „Marsch für das Leben“ in der Hauptstadt Berlin mobilisieren konnte (wenig genug!!), war es nur unter Polizeischutz gegen gewalttätige 400 Gegendemonstranten, die die Veranstaltung mit Trillerpfeifen und lautem Geschrei zu stören versuchten, möglich, den Marsch mit einem würdevollen ökumenischen Gottesdienst in der St. Hedwigs – Kathedrale abzuschließen. Welche ideologische Perversität die Gegendemonstranten motivierte, sei an nur zwei ihrer Sprechblasen dokumentiert: „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt Ihr uns erspart geblieben“ und „Wir haben euch was mitgebracht: Hass, Hass, Hass.“

Mechthild Löhr bringt es an andere Stelle auf den Punkt: „Das ‚Recht auf Abtreibung’ ist in den Köpfen einer jungen Generation fest verankert. Die Zusammenarbeit zwischen Familienberatungsstellen und medizinischen Abtreibungszentren funktioniert nicht nur in Deutschland reibungslos. Schon längst ist Abtreibung international ‚aufgewertet’ als selbstverständliches Instrument der ‚sexuellen und reproduktiven Gesundheit’, zu der das öffentliche Angebot jederzeit erreichbarer ‚sicherer’ und ‚schonender’ Abtreibungsmethoden gehört. Viele Millionen Steuermittel fließen hierzulande wie international in diese neuen Formen aktiver Bevölkerungspolitik.“
Es ist Alexandra Linder uneingeschränkt zuzustimmen, wenn sie zu der Schlußfolgerung kommt: „Abtreibung ist weder Privatsache noch eine ‚nur’ moralische Angelegenheit oder eine Gewissenfrage für die einzelne Frau: Abtreibung ist eiskaltes Geschäft mit dem Tod, Neokolonialismus, Versklavung der Frauen, Schädigung des Gemeinwohls und der Zukunft der Menschheit.“
Der Dammbruch im Lebensschutz und der Menschenwürde ist als Folge des Dammbruches mit der Abtreibung unaufhaltsam und findet schon heute seine schlimmsten Erkennungszeichen in einer ungehemmten Organspendepropaganda über die Sterbehilfe bis hin zur offenen Diskussion für Euthanasie. Die Vergleichbarkeit mit der Verhütung von Erbkrankheiten (Eugenik), Lebenswertigkeit, menschenverachtende Kosten-Nutzen-Rechnungen, also mit der „Selektion von Menschen nach Qualitätskriterien“ ist kaum noch übersehbar. Dabei geht es vorrangig um grundsätzliche Fragen der ethischen Vertretbarkeit einer ethisch-moralisch verpflichteten Medizin und dem materiellen Streben nach Geld und Gewinn sowie auch über das wissenschaftliche Bemühen der Menschheit zu helfen.

Das Geschäft mit Organen

Das ZDF brachte am 11. Februar 2009, 0.35 Uhr eine Dokumentation, wonach jeden Tag in Deutschland durchschnittlich drei Patienten, die auf der Warteliste für eine Organspende stehen, sterben. Mehr als 12 000 schwer kranke Menschen hoffen auf ein neues Organ, doch die Zahl der Spender ist im vergangenen Jahr sogar zurückgegangen. Mit der Not der Patienten “Auf Leben und Tod” verdienen kriminelle, internationale Organhändler.
Versucht man eine Analyse des internationalen Organhandels, was bei der meist dünnen Informationslage ohnehin schwierig ist, kommt man sehr rasch zu dem Ergebnis, daß es sich um einen dreistelligen Milliardenmarkt handelt. Der meist illegale Organhandel wird verstärkt durch seine Unkontrollierbarkeit aus Schwellenländern Afrikas und Südamerikas gespeist.
Im mehr oder weniger legalen Organhandel ist ganz offiziell China führend. China gibt in einem Artikel der staatlichen Presse öffentlich zu, Organe von hingerichteten Gefangenen zu transplantieren, wonach 65 % der Organe aus dem Todestrakt stammen. Jedoch muß der Gefangene der Transplantation zustimmen. Die Realität sieht jedoch meist anders aus. Da in China die Spenderbereitschaft sehr gering ist, ist Mißbrauch an der Tagesordnung. Organe werden auch ohne Zustimmung des Spenders in Umlauf gebracht. Die Gewinne sind beachtlich. Auch der Organtourismus scheint in China ein Problem zu sein. Somit sind Organspenden ein Privileg für Reiche. Eine Leber oder Niere kostet circa 59.000,- €.

Wie ist die Situation in anderen Ländern? 2004 forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Mitgliedstaaten dazu auf, die ärmsten und verwundbarsten Gruppen vor “Transplantations-Tourismus” und dem Verkauf von Gewebe und Organen zu schützen. Im Frühjahr 2008 unterzeichneten dann Vertreter aus 78 Ländern eine gemeinsame Erklärung gegen Organhandel und Transplantations-Tourismus. Neben China werden auch Länder in Osteuropa (Moldawien, Rumänien), Indien, Brasilien, Südafrika, Türkei, Iran und Irak mit bezahlten Organspenden in Verbindung gebracht. Empfänger sind nicht selten wohlhabende Europäer, Amerikaner, Israelis und Saudi-Araber.
Unbestätigten Berichten zufolge sollen auch schon Menschen, etwa Straßenkinder, ermordet worden sein, um ihnen Organe entnehmen zu können. Dies wird z. Bp. aus Mosambik berichtet. In Ägypten weitet sich die mit dem halbillegalen Organhandel verbundene Kriminalität offenbar aus: So berichtete die ARD in einer Reportage vom Mai 2009 von vermehrt und wiederholt vorkommenden Entführungen von Kindern und Erwachsenen, bei denen den Opfern verschiedene Organe entnommen werden und diese in der Folge meist den Tod finden, da sie nicht medizinisch versorgt werden. Auch sollen dort schon ganze Gruppen von Kindern entführt worden sein, die man Tage später, regelrecht „ausgeschlachtet“, wieder auffand. Die einheimischen Kriminalbehörden stehen dem Phänomen bisher scheinbar machtlos gegenüber.

Wie hat sich die Bereitschaft zur Organspende in Deutschland entwickelt? In den letzten Jahren ist die Zahl der gespendeten Organe gestiegen. Dennoch herrscht ein Mangel an Spenderorganen. Deutschland liegt in Europa mit 15 Organspendern pro Million Einwohner und Jahr nur im unteren Bereich. In Österreich wurden im Jahr 2006 über 25 Organspender pro eine Million Einwohner verzeichnet, in Spanien waren es mehr als 30. Sollte das Transplantationsgesetz geändert werden? In Deutschland herrscht die erweiterte Zustimmungslösung. Das bedeutet, dass man zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben muß (Organspendeausweis). In Österreich gilt die Widerspruchslösung.. Danach kommt jeder Verstorbene als Spender in Frage, es sei denn, er hat sich zu Lebzeiten ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Der entscheidende Unterschied: In Deutschland muß man zustimmen, um Organspender zu werden – in Österreich, um es nicht zu werden.
Peter Neuhaus, Transplantationsexperte an der Berliner Charité, plädiert für eine Gesetzesänderung. “Wir brauchen dringend eine Widerspruchslösung, dann hätten wir doppelt so viele Organspender”, sagt er.
Mittlerweile werden auch Organe älterer Spender verwendet, obwohl die Qualität und Lebensdauer dieser Organe häufig geringer ist. Zudem hat sich die Lebendspende bei Nieren- oder Leberkranken – meist unter nahen Verwandten – etabliert. Und der medizinische Fortschritt trägt dazu bei, dass weniger Patienten ein Spenderorgan brauchen.

Wie hoch die Zahl der illegalen Organtransplantationen in Europa ist, weiß niemand zu sagen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich in der Regel um organisierte Kriminalität handelt. Die Spendernieren aus Rumänien wandern in den wohlhabenden Westen Europas. Denn dort gibt es eine andere Form der Not: viel zu wenige Spenderorgane. Das liegt zum einen daran, dass es längst nicht in allen Krankenhäusern Transplantationsbeauftragte gibt: Ärzte, die frühzeitig mit den Angehörigen eines Sterbenden über das Thema Organspende sprechen – und dann Entnahme und Transport organisieren. Zum anderen gibt es ein dramatisches Mißverhältnis zwischen dem, was die Entnahme mehrerer Organe dem Krankenhaus einbringt – maximal 3.370,- € und dem, was mit der Transplantation einzelner Organe zu verdienen ist: Eine einzige Spenderniere etwa bringt 18.300 €, eine Leber schlägt mit 32.500,- € zu Buche und für ein Herz gibt es sogar mehr als 83.000,- €.

Das Geschäft mit dem Sterben

Das letzte große Geschäft mit dem Tod eines Menschen betreiben in Deutschland die Gemeinden mit den Kosten einer traditionellen Erdbestattung. Als Beispiel sei das einer großstadtnahen Kleinstadt gewählt: Für Grundgebühren, Tieferlegung, Inanspruchnahme einer Aussegnungshalle und Träger der Bestattung fallen ca. 1.500.- bis 2.000.- € an. Hinzu kommen die Grabkosten für ein Wahlgrab (Einzelplatz 35 Jahre) ca. 2.200.- € oder ein Familiengrab (Doppelplatz für 4 Grabstellen 35 Jahre) ca. 8.600.- € und das Bestattungsinstitut zwischen 2.000,- und 4.000,- €. So können sich die Gesamtkosten der letzten „Entsorgung“ eines Menschen auf rd. 5.700,- bis 15.000,- € belaufen. Hingegen ist die Gemeinde verpflichtet ein verstorbenes mittelloses Gemeindemitglied würdevolle und kostenfrei zu Bestattung.

Leider werden mit der vorstehenden Berechnung nicht alle Aufwendungen für die Hinterbliebenen abgegolten sein. Worum es jedoch geht ist das zunehmende Problem einer massenhaften Bestattungskultur.
Die Anhänglichkeit und Verehrung des Menschen findet seinen Ausdruck im Umgang mit seinem Tod und die Erinnerung an seiner Grabstätte. Der Totenkult ist daher in jeder Kultur in verschiedenen Formen der religiösen Bestattungsrituale ein Spiegelbild der mythischen Verehrung seiner Vorfahren.
In unserer Zeit des propagierten Werte-Relativismus endet der Totenkult zwangsläufig im Nihilismus und Hedonismus bei der „materielle Entsorgung“ der Verstorbenen.

Geleitschutz im Leben wie im Tode

Der OMCT – Tempelherrenorden, Deutsches Priorat kann immerhin darauf verweisen, daß er sich schon frühzeitig im Rahmen seiner Möglichkeit bemüht hat, dem Schutz des menschlichen Lebens seinen Beistand zu leisten. Um nur zwei Beispiele anzuführen, sei auf die „Braunschweiger Erklärung 1991“ (siehe “Braunschweiger Erklärung“) und eine umfangreiche Schrift zur „Qualität des Lebens“ (Ergebnis eines Frühjahrskonventes 1999) nebst zahlreicher Artikel hervorragender Autoren in der Ordenszeitschrift „NON NOBIS“ verwiesen. Sie belegen das Bemühen des OMCT, dem Schutz des Lebens überall dort in unserer Gesellschaft Gehör zu verschaffen, wo es bedroht erscheint. Vor allem in seinen verletzbarsten Phasen, zu Beginn und am Ende, wo wir menschliches Leben als besonders bedroht ansehen müssen.

Die negative Realität darf den Orden nicht entmutigen, sondern fordert die Anstrengungen im Sinne der alterwürdigen Vorgabe des mittelalterlichen Tempelritterordens, Geleitschutz im Leben wie im Tode zu leisten, zu verstärken. Dazu sollte der Orden die aktive Zusammenarbeit mit anderen Organisationen suchen, die gleich seiner eigenen Zielsetzungen zum Schutz des Menschen und seiner Würde in allen Phasen beitragen.