Turiner Grabtuch (Santo Sudario). Ausschnitt: Kopf

Das Grabtuch von Turin

Auszug NON NOBIS Heft 40 Dez. 2001
Zusammenfassung des Lichtbildervortrages über das “Grabtuch von Turin”, seine Geschichte und den Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen, aus dem Vortrag des Herrn Thomas Alber aus Salem, zum Frühjahreskonvent in 2001.

Das ,,Turiner Grabtuch” bewegt seit Jahrhunderten die Menschheit. Auch der Orden der Tempelherren hat dabei unter Umständen eine Rolle  gespielt. In der Vergangenheit wurde viel über das Grabtuch veröffentlicht. Die Wissenschaft streitet über seine Echtheit. Der Radiocarbontest des Jahres 1988 hat das ,,Turiner Grabtuch” – so die mit dem Test betrauten Wissenschaftler – als Fälschung eingestuft und auf den Zeitaum zwischen 7260 und 7390 datiert. Aber auch nach der Veroffentlichung des Ergebnisses des Radiocarbontestes wollte die Diskussion nicht verstummen.  Befürworter und Gegner der Echtheit befehden sich seither umso härter. Es scheinen vor allem zwei Wissenschaftler zu sein, die sich auf Seiten der Befürworter große Verdienste erworben haben. Es sind dies Prof. Werner Bulst SJ, sowie der englische Historiker und Schriftsteller lan Wilson.

Turiner Grabtuch (Santo Sudario). Teilansicht: Vorderseite

Turiner Grabtuch (Santo Sudario). Teilansicht: Vorderseite (Abdruck eines Leichnams auf dem Leinentuch, 436 x 110 cm; als Abdruck des Leichnams Christi verehrt):

Was ist eigentlich das ,,Grabtuch von Turin”?

Das ,,Grabtuch von Turin” ist ein leicht gelbliches Leinentuch und misst 4,36 m in der Länge und 1,10 m in der Breite. Es ist verhältnismäßig gut  erhalten.
Seit dem Jahr 1578 wird es in einer Kapelle der St. Johannes-Kathedrale in Turin aufbewahrt. Unzählige Gläubige verehren seit Generationen das Tuch als Grabtuch Jesu Christi. Zu sehen sind auf dem Tuch einerseits unscheinbare sepiafarbene Umrisse eines sehr stark verletzten, ca. 1,80 m großen Mannes und mehrere, fast karminrote, blutspurenähnliche Flecken. Die untere Häfte des Tuches zeigt das Haupt, den Körper und die Hände sowie die Beine und die Füße. Die obere Tuchhälfte gibt Hinterkopf, Rücken, Gesäß, Beine und Füße wieder. Dem Betrachter fallen  außerdem zwei der Länge nach verlaufende Streifen auf. Hier handelt es sich um Brandspuren, die durch aufgesetzte Flicken ausgebessert wurden.  Sie rühren von einem Brand in der Schlosskapelle von Chambéry in Frankreich im Jahr 1532 her. Die Wissenschaft unserer Zeit konnte mit  modernster Technik vieles ans Tageslicht bringen, was den Augen unserer Ahnen jahrhundertelang verborgen blieb.

1898 – eine Sensation geht um die Welt

Das Grabtuch von Turin im Foto-Negativ

Das Grabtuch von Turin im Foto-Negativ

Der italienische Ratsherr, Rechtsanwalt und Amateurfotograf Secondo Pia war der erste Mensch, der das Grabfuch fotografieren durfte. Es war im Jahr 1898, während einer achttägigen Ausstellung des Grabtuches. Pia macht mehrere Aufnahmen. In der Dunkelkammer geschah etwas, was Pia  beinahe vor Erstaunen die Platte aus der Hand fallen ließ. Langsam kam

ein deutliches Antlitz zum Vorschein. Pia war sofort klar, dass das ,,Turiner  Grabtuch” eine Art fotografisches Negativ sein musste, d. h. die Helligkeitswerte sind umgekehrt, ähnlich wie bei einem Schwarzweiß-Negativ. Die Aufnahmen waren eine absolute Sensation.

Secondo Pia wurde seinerzeit von Gegnern der Echtheit teilweise heftig angegriffen, ja sogar des Betrugs bezichtigt. Erst im Jahr 7932 wurde er   rehabilitiert, nachdem Giuseppe Enrie, einem Berufsfotografen, neuerliche und technisch bessere Aufnahmen gelangen, die zum gleichen Ergebnis führten wie bei Secondo Pia.

Geschichte des ,,Turiner Grabtuches” ab dem Jahr 1355

Der Weg des ,Turiner Grabtuches” ist seit dem Jahr 1355 belegt und zwar zunächst durch ein Dokument, das sich  auf das Tuch bezieht. 1389 wurde das Grabtuch in der Stiftskirche von Lirey ausgestellt und Pilger aus aller Welt kamen. Der  Bischof von Troyes (Frankreich), zu dessen Diözese Lirey gehört, nahm allerdings an der Ausstellung Anstoß. Bischof  Peter d’Arcis schrieb damals an den Gegenpapst Clemens VII., dass es sich um ein gemaltes Bild handeln würde, dass sich  der Dekan der Stiftskirche von Lirey mit List und auf unrechte Weise besorgt habe, um Gewinne zu machen. Clemens VII. verbot die Ausstellung zwar nicht, aber es musste jedes Mal erklärt werden, dass es sich nicht um das Grabtuch Jesu Christi handelt.

Eigentümer des Tuches war zu jener Zeit Geoffroy de Charny. Der Name sollte später noch eine wichtige Rolle spielen.

Nach seinem Tode gelangte das Tuch in den Besitz des Hauses Savoyen. Ein Vertrag vom 06. Februar 1464 belegt, dass das Haus Savoyen das Tuch  von Margareta de Charny erworben hat. Das Tuch fand seine Aufbewahrungsstätte in der Schlosskapelle von Chambéry.

Ein Feuer richtete am 04. Dezembet 1532 in der Sainte-Chapelle von Chambéry großen Schaden an. Das Grabtuch konnte zwar noch gerettet  werden, aber der Schrein aus Silber war an einer Seite bereits geschmolzen und das geschmolzene Silber tropfte auf eine Ecke des Tuches und fraß  sich durch das ganze gefaltete Grabtuch. Brandflecken, Löschwasserflecken und Flicken, die damals auf die Brandlöcher genäht wurden,  kennzeichnen von nun an auf auffällige Weise das ,,Turiner Grabtuch”. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sich auf dem Linnen auch noch andere Brandspuren befinden, die nachweislich vor 1532 entstanden sind.

Es handelt sich um kleine Löcher, die zusammengesehen die Form eines L aufweisen. Sie werden im weiteren Verlauf noch wichtig sein.

Nachdem 1563 Turin die Hauptstadt Savoyens wurde, ordnete Herzog Emanuel Philibert die Überführung des Grabtuches nach Turin an. Letzter Eigentümer des ,,Turiner Grabtuches” aus dem Königshaus war Umberto II. Er lebte im Exil in Portugal, nachdem die Monarchie in Italien zu Ende  ging. Umberto II. vermachte das Tuch testamentarisch dem Papst, wenngleich mit der Auflage, dass es in Turin verbleiben muss. 1983 starb  Umberto II.

Es ist schon seltsam, dass die Geschichte des Tuches erst seit 1355 belegt ist. Wenn es sich wirklich um das Abbild Jesu Christi handeln würde, dann  wäre das Tuch eine der kostbarsten Reliquien der Christenheit. Man kann es in Anbetracht dieser Tatsache durchaus verstehen, dass manche Menschen schwer davon zu überzeugen sind, dass das Grabtuch echt ist. Vielleicht gibt es aber eben doch eine Geschichte des Tuches vor 1355 und  möglicherweise existiert in diesem Zusammenhang eine Verbindung zum Orden der Tempelritter. Dieser Frage wird weiter unten auf den Grund  gegangen!

Die bedeutenden wissenschaftlichen Untersuchungen am ,,Turiner Grabtuch”

In den letzten Jahrzehnten wurde das Grabtuch mehrmals wissenschaftlich untersucht. Die beiden wichtigsten und umfangreichsten fanden 1978  durch ein amerikanisches Forschungsteam (STURD und 1988 durch den Radiocarbontest statt.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen

Das Gewebe

Die Untersuchung des Gewebes im Jahr 1973 durch Prof. Gilbert Raes vom Institut fur Textil-Technologie in Gent ergab, dass es sich beimTuriner  Grabtuch um ein Leinengewebe mit der seltenen Bindung 3:1 handelt, d. h. unter den senkrechten Kettenfäden liegen jeweils drei waagrechte Schussfäden. Die Bindung ergab ein Fischgrätenmuster.

In Frankreich sind Leinen dieser Art vor dem l4.Jahrhundert nicht nachzuweisen.

Prof. Raes entdeckte zudem Baumwollspuren und diese Entdeckung ist interessant, denn Baumwolle wurde im Abendland niemals angebaut und  im Mittelalter auch nicht verarbeitet. Die Baumwolle stammt aus Indien und wurde vermutlich nach Syrien exportiert. Baumwollverarbeitung ist in Syrien mindestens seit dem 1. Jahrhundert nachzuweisen. Mit dem Websuhhl muss kurz vor der Anfertigung des Grabtuches ein Baumwollgewebe  verarbeitet worden sein, so die Meinung der Wissenschaftler. Nur so lassen sich die Restspuren auf dem Turiner Grabtuch erklären.

Das Turiner  Grabtuch hat einen kleinen angenähten Seitenstreifen, auf dem keine Baumwolle gefunden wurde. Es liegt nahe, dass dieser kleine  Seitenstreifen später angenäht wurde, um das Abbild des Gekreuzigten in die Mitte des Tuches zu rücken. Auch diese Vermutung würde für die Echtheit des Tuches sprechen, da ein Maler wohl kaum asymetrisch gemalt hätte.

Das ,,Turiner Grabtuch” – von einem Maler gemalt?

Eines der großen Rätsel dieser Reliquie ist die Frage wie ist der Abdruck auf dem ,,Turiner Grabtuch” entstanden? Über seine Entstehung gibt es die  unterschiedlichsten Theorien. Keine einzige vermag abschließend vollkommen zu überzeugen und bis heute kann nicht schlüssig erklärt  werden, wie der Abdruck letztendlich entstanden ist. Beim Betrachten des Tuches fallen dem Wissenschafftler allerdings seltsame Dinge auf. An  keiner einzigen Stelle ist der Abdruck in die Fasern eingedrungen, sondern er hat sich lediglich auf der Oberfläche den Fasern gebildet. Die  Kapillarwirkung würde normalerweise dafür sorgen, dass Flüssigkeit in die Tiefe der Fasern gelangt. Nirgendwo ist der Abdruck auf die  Nachbarfasern übergegangen, im Gegensatz zu dem Löschwasser des Jahres 1532.

Es befinden sich zudem keinerlei Farbspuren auf dem Tuch und auch keine Substanzen, die als Farbträger in Frage kommen. Ebenso fehlen  Klebmittel, so die spektroskopische Infrarotuntersuchung. Der Abdruck selbst ist absolut thermostabil und hätte sich normalerweise bei der  enormen Hitze des Brandes im Jahr 1532 verändern müssen.

Es ist daher festzustellen, dass das ,,Turiner Grabtuch” zweifelsfrei nicht das Werk eines Malers ist. Dies hat die Wissenschaft eindeutig  nachgewiesen.

Die Verletzungen und andere Merkmale des gekreuzigten Mannes auf dem ,,Turiner Grabtuch”

Turiner Grabtuch (Santo Sudario). Ausschnitt: Kopf

Turiner Grabtuch (Santo Sudario). Ausschnitt: Kopf in photographischer Umkehrung. (Abdruck des Leichnams auf einem Leinentuch, 436 x 110 cm; als Abdruck des Leichnams Christi verehrt). Bild: AKG

Der Körper des abgebildeten Mannes ist übersät mit Verletzungen verschiedenster Art. Stirn und Hinterkopf weisen punktartige Verletzungen auf.  Es ist sehr gut möglich, dass sie durch eine Dornenkrone hervorgerufen wurden, allerdings markieren sie keinen Kranz, wie wir dies aus den  künstlerischen Darstellungen bei uns kennen, sondern eine Dornenhaube, die sich auch um den Hinterkopf herum fortsetzte. Insgesamt konnte man rund 50 Dornenstiche am Kopf feststellen. Sehr auffällig ist an der Stirn die in Form einer ,,3″ verlaufende Spur. Ursprünglich hielt man sie für  eine Haarlocke. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Blutspur. Nach Ansicht der Ärzte kam sie zustande, weil Blut aus einer  Dornenstichwunde nach unten lief und auf die Stirnfalten traf. Diese Stirnfalten bildeten sich durch ein schmerzverzehrtes Gesicht im Todeskampf. Wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen, dass der Verlauf der Stirnfalten anatomisch perfekt ist und genau dem Verlauf der Gesichtsmuskeln entspricht. Der obere Nasenteil erscheint stark  verdickt und ist nach Meinung von Gerichtsmedizinern gebrochen. Beide Augenbrauen sind geschwollen. Die Körperrückseite ist mit Geißelspuren übersät. Aus der Anordnung der Spuren lässt sich folgendes schließen:

  • Der Verurteilte hing mit den Händen zusammengebunden an einer Säule. Es waren zwei Folterknechte, einer  schlug links, der andere rechts.
  • Der rechtsstehende Folterknecht war etwas größer als der linksstehende. Dies wurde aus dem Winkel der  Spuren qeschlossen.

Jede der Verletzungen ist etwa 4 cm lang und weist dabei hantelähnliche Form auf. Es handelt sich hierbei  um blutige Quetschungen, die in Dreiergruppen angeordnet sind und es ist völlig klar, welches   Folterinstrument für den gekreuzigten Mann verwendet wurde. Es war das römische Flagrum, die römische  Blei- und Knochengeißel. Dies war eine Geißel mit drei Bändern, an deren Ende jeweils ein hantelförmiges Bleistück hing. Die Zahl der Wunden lässt sich nicht genau ermitteln, sie wird aber zwischen 90 und 720 geschätzt, was vermuten lässt, dass sich  die Folterknechte an das hebräische Maß ,,40 weniger einen” gehalten haben. Die Geißelspuren, die teils auf der Körpervorderseite zu sehen sind,  entstanden dadurch, dass sich die Peitsche um den Körper herumgeschlungen hat.

Auf der rechten Schulter und in der Gegend des linken unteren Schulterblattes befinden sich zwei Zonen mit breiten Hautabschürfungen. Die Geißelwunden sind an diesen Stellen vergrößert und gequetscht. Ein schwerer Gegenstand muss auf dem Rücken und der Schulter des Gekreuzigten gelegen und auf die offenen Wunden gedrückt haben. Der Mann auf dem “Turiner Grabtuch” dürfte gestürzt sein. An beiden Knien finden sich  schwere Verletzungen. Da die Hände gekreuzt sind, sieht man nur eine Wunde an einem Handgelenk. Die Wunde stammt von einem Nagel. Den  Wissenschaftler fielen drei Dinge auf:

  • Die Wunde am Handgelenk befindet sich nicht wie in künstlerischen Darstellungen üblich im Handteller.
  • Es fehlen die Daumen.
  • Aus der Wunde fließen zwei Blutströme in unterschiedlicher Richtung.

Die Wunde befindet sich genau an der anatomisch richtigen Stelle. Dr. Pierre Barbet, früherer Chefchirurg des Josefskrankenhauses in  Paris. hat mit frischamputierten Armen Versuche durchgeführt und herausgefunden, dass der Handteller das menschliche Gewicht  nicht zu halten vermag. Er reißt ein. Im Handgelenk erst findet sich die richtige Stelle und zwar in den Handwurzeln. Zwischen  Handwurzel und Handteller befindet sich ein starkes Band, das ein Ausreißen zum Handteller hin verhindert. Dort wird keine  lebenswichtige Ader verletzt, noch ein Knochen zertrümmert.

Das Fehlen der Daumen lässt sich ebenfalls durch die Versuche von Dr. Barbet belegen. Wenn der Nagel an der bezeichneten Stelle durchgeschlagen wird, verletzt er einen Nerv, den sog. ,,nervus medianus”, der für die Bewegung der Daumen unentbehrlich ist. Dies  verursacht höllische Schmerzen. Die Verletzung des Nerves hat zur Folge, dass der Daumen ruck- und reflexartig in der  Handinnenseite verschwindet und nicht mehr in seine natürliche Stellung zurückkehrt.

Was die unterschiedliche Fließrichtung des Blutes anbelangt, muss man sich vergegenwärtigen, was eine Kreuzigung bedeutete. Der  Tod trat durch Ersticken und durch ein völliqes Versagen des Herz- und Kreislaufsystems ein. Das Aufhängen an den Armen führte zu  einer sehr starken Dehnung des Brustkorbs und damit zu einer sehr starken Reduzierung des Atemvolumens. Um wieder einigermaßen  atmen zu können musste sich der Gekreuzigte immer wieder an den Händen hochziehen, was eine immense  Kraftanstrengung erforderte. Im Laufe der Zeit waren dann aber die Kräfte der Gekreuzigten so erschöpft, dass ein Hochziehen nicht  mehr möglich war. Damit trat der Tod dann relativ schnell ein. Versuche haben ergeben, dass sich die Arme bei aufgerichtetem  Zustand des Körpers in einem Winkel von 65° befanden und bei ,,normaler Haltung” am Kreuz in einem Winkel von 55°. Dies  entspricht exakt den Fließrichtungen des Blutes aus der Handwunde auf dem “Turiner Grabtuch”. Deutlich ist die Nagelwunde am  rechten Fuß zu sehen. Schließlich ist noch die Wunde am Brustkorb zu erkennen. Die rechte Seite der Brust ist zwischen der fünften  und sechsten Rippe durch eine Wunde geöffnet. Sie ist 4,4 cm lang und 1,1 cm hoch. Dies deutet auf eine Waffe hin und zwar auf die  römische Lance.

Auf der Rückansicht des Grabtuches kann man eine Besonderheit der Haartracht sehen. Der Gekreuzigte hatte eine Art Zopf bzw.  Haargeflecht, was ebenfalls auf einen jüdischen Mann der damaligen Zelt hinweist. An den Füßen entdeckte man Straßenschmulz. Der  Gekreuzigte wurde also barfuß zur Hinrichtung geführt.

Die festgestellten Blutspuren beschäftigten über Jahre die Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Forschung. Sie erscheinen auf dem  “Turiner Grabtuch” nicht als Negativ, sondern in ihren richtigen Helligkeitswerten und sie haben klare Umrisse. 1978 wurden die  Blutflecke wissenschaftlich eingehend untersucht. Es handelt sich tatsächlich um menschliches Blut. Es wurde der Blutfarbstoff  Hämoglobin und sein Derivat Bilirubin gefunden. Prof. Baima Bollone konnte sogar die Blutgruppe bestimmen. Der Tote hatte die  Blutgruppe AB.

Zwei italienische Wissenschaftler haben 1978 überdies zusammen mit dem STURP-Team das Tuch untersuchen dürfen. Sie konnten  Spuren von DNS ausmachen und es wurden drei Gensegmente identifiziert.

Das ,,Turiner Grabtuch” enthält dreidimensionale lnformationen

Je weiter der Körper vom Tuch entfernt lag, desto schwächer ist der Abdruck. Aufgrund der daraus entstandenen unterschiedlichen Helligkeitswerte ist es den Wissenschaftlern gelungen, ein dreidimensionales Computerbild zu erzeugen. Damit ist erwiesen, dass das  Tuch dreidimensionale Informationen enthält. Eine solche Technik war im Mittelalter noch vollkommen unbekannt. Kein Maler hätte  dies bewerkstelligen können und er hätte damals auch keinen Grund dafür gehabt.

Die Münzen auf den Augen

Auf Großaufnahmen waren auf den Augen Gegenstände zu erahnen, die wie Knöpfe aussahen. Inzwischen hat die Forschung mit  modernster Technik Gewissheit erbracht. Auf dem rechten Auge des Antlitzes war eine Münze gelegen, deren Rand vier Buchstaben als  Abbild auf dem Tuch hinterlassen hatte. Es konnte zweifelsfrei erwiesen werden, dass es sich um eine Münze gehandelt hat, die im  Jahr 29 n. Chr. unter Pontius Pilatus geprägt wurde. Diese Münzen waren zwischen 29 und 32 n. Chr. in Jerusalem im Umlauf.

Auf dem linkenAuge konnte ebenfalls eine Münze ausfindig gemacht werden, allerdings mit minimalen Spuren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit konnte belegt werden, dass es sich dabei um eine Münze zu Ehren von Julia, der Mutter des römischen Kaisers  Tiberius, handelt. Eine solche Münze stammt aus dem Jahr 29 n. Chr.

Die rätselhaften drei Streifen

Schon früh entdeckte man unter dem Kinn sowie links und rechts zwischen Kopf und Haar insgesamt drei Streifen auf denen sich kein  Abdruck gebildet hatte. Zunächst wurden sie für eine Kinnbinde gehalten. Maria Grazia Siliato hat in ihrem Buch ,,Und das Grabtuch  ist doch echt” spannend beschrieben, wie die moderne Wissenschaft in diesen Streifen Buchstaben ausfindig machen konnte. Es wurde  erwiesen, dass die Streifen von der Rückseite des Tuches stammen. Die Rückseite wurde in früheren Jahrhunderten zu deren  Schutz mit einem anderen Leintuch bedeckt und vernäht. Unter anderem kam das mit griechischen Buchstaben geschriebene Wort IHΣOY das hebräisch Jeshua bedeutet, zum Vorschein und auf der Seite konnte das Wort NAZAPEHNOΣ ausfindig gemacht werden. Die Rückseite des Tuches wurde bislang wissenschaftlich noch nicht erforscht. Mit einiger Spannung wird diese Untersuchung nun  erwartet.

Der Radiocarbontest

Mit dem Jahr 1988 kam eine neue Dimension in die Geschichte des ,,Turiner Grabtuches”, denn in diesem Jahr brachte ein Radiocarbontest scheinbar das Ende dieser seit Jahrhunderten verehrten Reliquie. Es wurden drei Laboratorien ausgesucht und zwar  Oxford, Tucson und Zürich. Am 13. Oktober 1988 gab Kardinal Ballestero in Turin das Ergebnis bekannt. Der Radiocarbontest ergab,  dass das ,,Turiner Grabhrch” aus der Zeit zwischen 1260 und 1390 stammt.

Das Problem der Kontaminationen (Verschmutzungen) ist ein Risikofaktor beim Radiocarbontest. Sie können das Ergebnis verfälschen. Der Erfinder der speziellen Radiocarbonmethode für das “Turiner Grabtuch”, Harry Gove, hat in der Zeitschrift ,,30  TAGE” (1998, Nr. 3) eingeräumt, dass der Verdacht, dass ein starker Bakterienbelag, der sich im Laufe der Jahrhunderte auf dem Tuch  gebildet hat, möglicherweise eine große Altersabweichung verursacht haben könnte.

Schließlich könnte auch der Brand in der Schlosskapelle von Chambäry eine Anreicherung mit Kohlenstoff und damit eine scheinbare ,,Verjüngung” des Tuches bewirkt haben.  Jedenfalls sind die Ergebnisse des Radiocarbontestes heute umstritten.

Gibt es eine Geschichte des, ‘Turincr Grabtuchs” vor 1355?

Belegt ist eine Geschichte des Tuches erst ab dem Jahr 1355. Im Laufe der Jahre hat sich vor allem Ian Wilson um die Erforschung der Geschichte vor diesem Zeitpunkt verdient gemacht. Er fand Erstaunliches heraus.

Es gab da nämlich noch ein ,,zweites” Tuchbild, das nicht von Menschenhand gemacht worden sein soll: Das Tuchbild von Edessa. Und  es gab dazu eine Überlieferung, die berichtet, dass sich die Stadt Edessa, das heutige Urfa in der Ostürkei, im Jahr 544 in großer  Gefahr befand. Sie wurde von den Persern belagert. Die Legende berichtet weiter, dass dem Bischof von Edessa in einer Vision   offenbart wurde, dass er mit dem ,,göttlich geschaffenen Bild Christi” die Stadt retten könne. Der Bischof fand das Bild und zwar  eingemauert in einer Nische über einem der Tore der Stadtmauer. Die Stadt wurde tatsächlich gerettet. Bei dem Bild handelte sich um  ein Tuchbild. Aus einer Predigt des Jahres 769 geht hervor, dass auf dem Tuch die Gestalt des ganzen Leibes dargestellt ist. 943  wechselte das Tuchbild den Ort seiner Aufbewahrung. Der Kaiser von Konstantinopel wollte das Bild von Edessa unbedingt in seinem Reliquienschatz haben, was ihm auch gelang. Die vom Kaiser entsandten Truppen verhandelten mit den Muslimen in Edessa. Sie  stellten dem Emir von Edessa in Aussicht 200 muslimische Gefangene freizulassen, 12 000 Silberstücke zubezahlen und Edessa nicht  anzugreifun, wenn sie das Tuchbild an die Truppen übergeben würden. Die Muslime lenkten ein und gaben das Tuchbild heraus.

Im Jahr 1204 wurde Konstantinopel durch die Kreuzfahrer völlig zerstört. Mehere Reliquien gingen dabei verloren, viele wurden  ins Abendland gebracht. War es dabei möglich, dass das Edessabild von den Kreuzfahrern mitgenommen wurde? Ab diesem Zeitpunkt  verliert sich nämlich zunächst jede Spur des ,,Tuchbildes von Edessa”. Denkbar wäre ein Zusammenhang, wenn man sich folgende  Indizienkette vor Augen hält:

Zum Schutz der Jerusalempilger und zur Bewachung des Heiligen Grabes wurde der Orden dcr Tempelrilter gegründet In den Zeiten nach dem 4. Kreuzzug, um den es bei der Zerstörung von Konstantinopel ging, wird berichtet, die Templer würden ein Bild verehren, ein ,,Idol”, wie sie es nannten, dem sie fast göttliche Verehrung entgegenbrachten.

Philipp der Schöne, König von Frankreich (1285-1314), wollte die Templer, die reich und einflussreich waren, ausrotten. Er zwang den  Papst zur Aufhebung des Ordens. Der König beschlagnahmte den gesamten Besitz der Templer und tötete viele Ritter und zwar mit der  Behauptung, die Templer seien Ketzer, da sie in geheimen Riten ein Bild verehrten, ein ,,bärtiges” Haupt, das sie anbeteten,  küssten und ihren Heiland nannten.

Im März 1314 wurden zwei der letzten Ordensmeister verbrannt. Beide hatten sich bis in den Tod hinein geweigert, Auskunft über das  Bild zu geben. Sie hießen:

Jaque de Molay
Geoffrey de Charny

Wir erinnern uns, Geoffrey de Charny war Eigentümer des Tuches zur Zeit des denkwürdigen Briefes von Bischof Peter d’Arcis.  Herrschte zwischen den Templern und dem späteren Eigentümer ein verwandtschaftliches Verhältnis? Gelang es dem Templer vor  seiner Verhaftung, das Tuchbild einem Verwandten in Obhut zu übergeben? Wenn dies der Fall wäre – und einiges spricht dafür – dann  wäre das Tuchbild von Edessa nichts anderes als das ,,Turiner Grabtuch”! Diese These verhitt Ian Wilson jedenfalls standfest.

Der Schweizer Wissenschaftler Dr. Max Frei-Sulzer hat für diesen geschichtlichen Weg wichtige Indizien aufgezeigt. Ausserdem hat die  Ikonographie aufschlussreiche Ergebnisse gebracht.

Die lkonographie – ein weiteres Indiz für die ldentität des ,,Turiner Grabtuches” mit dem Tuchbild von Edessa

Wie wir auf uralten Darstellungen aus den Katakomben wissen, wurde Jesus in den ersten Jahrhunderten in aller Regel als bartloser  Jüngling, fast etwas knabenhaft wirkend dargestellt. Es gab absolut keine verbindliche Darstellung. Dies änderte sich schlagartig im 6.  Jahrhundert. Langes Haar, Vollbart und eine lange Nase beherrschten von da ab bis in unsere heutige Zeit das künstlerische  Geschehen. Ist es nicht sehr merkwürdig, dass dies alles zeitlich mit dem Wiederauffinden des Tuchbildes von Edessa zusammenfiel?  War das Tuchbild von Edessa verbindliches Vorbild für die Kunst. Möglich ist es!

Große Verdienste erwarb sich in diesem Zusammenhang der französische Wissenschaffler Paul Joseph Vignon. Er wies sehr viele  Übereinstimmungen von uralten Christus-Ikonen mit dem ,,Turiner Grabtuch” nach. Sie alle deuteten auf eine ,,Verwandtschaft” mit  dem ,,Turiner Grabtuch” hin.

Das für den Referenten des interessanten Vortoages über das ,,Grabtuch von Turin”, Thomas Alber, überzeugendste Glied im  Indizienbeweis befindet sich in der Szechenyi Nationalbibliothek in Budapest, das sogenannte Pray-Manuskript aus den Jahren 1792  bis 1195. In diesem Manuskript befinden sich vier Seiten mit Farbillustrationen und hier ist die dritte Seite besonders interessant. Sie  besteht aus zwei Bildern. Das obere zeigt Joseph von Arimathäa und Nikodemus, wie sie den Leichnam Jesu Christi für die Grablegung vorbereiten und auf dem unteren Bild kann man den Gang der Frauen zum leeren Grab sehen.

Hier sind deutliche Parallelen zum ,,Turiner Grabhrch” erkennbar:

  • Jesu ist nackt dargestellt, was für die mittelalterliche Kunst ganz und gar nicht normal ist.
  • Es fehlen bei Jesus die Daumen.
  • Es wurde mit roter Farbe ein Blufleck über dem rechten Auge gemalt und zwar genau an der Stelle, an der sich auf dem ,,Turiner  Grabtuch” die ,,3″ befindet.
  • Die Nagelwunde befindet sich im Handgelenk.
  • Der gemalte Sarkophagdeckel besitzt deutlich erkennbar ein Fischgrätmuster (ähnlich des Webmusters des ,,Turiner Grabtuches”).
  • Das ,,Turiner Grabtuch” weist kleine Brandlöcher auf, die zusammenhängend die Form eines L haben. Diese Löcher stammen  nachweislich aus einer Zeit vor dem Schlossbrand in Chambéry. Eben diese kleinen Brandlöcher sind auch auf dem Pray-Manuskript sichtbar.

Die Pollenuntcrsuchung – ein wichtiges Indiz für die Geschichte vor 1355!

Dr. Max Frei-Sulzer, ein Schweizer Mikrobotaniker und Kriminalist, hatte 7973 die Erlaubnis erhalten, mit Klebestreifen Pollenproben  auf dem “Tuuriner Grabtuch” zu entnehmen. Dazu muss man wissen, dass jede Pflanze ihre eigenen Pollen produziert und diese auch  nicht weit fliegen. Ahnlich wie ein Fingerabdruck einem bestimmten Menschen zugeordnet werden kann, sind Pollen eine Art  Identitätsausweis für eine bestimmte Pflanzenart. Dr. Frei-Sulzer untersuchte 12 Streifen mit je 10 bis 20 cm². Man erwartete zunächst  den Nachweis von Pollen europäischer Pflanzen. Dr. Frei-Sulzer ist es in neunjähriger Laborarbeit u. a. unter dem  Elektronenmikroskop und mit fünf Forschungsreisen in den Nahen Osten gelungen, die Pollen von 58 Pflanzen zu identifizieren. Nur  17 davon kommen in Frankreich und Italien vor, wo das Tuch nachweislich seit dem 14. Jahrhundert ständig aufbewahrt wurde. Alle  anderen Pollen kommen aus dem Nahen Osten. Zahlreiche Pflanzenarten sind für die Gegend in und um Jerusalem charakteristisch. Von diesen kommen 14 überhaupt nur in Palästina und in der Salzwüste Palästinas vor. 18 Pollenkörner sind typisch für die Steppen  Kleinasiens und im besonderen für das Gebiet um Edessa, dem heutigen Urfa. 6 davon kommen nur dort vor. 14 Pflanzenarten  wachsen im Gebiet um Kostantinopel, davon wächst eine Pflanze nur dort.

Dr. Max Frei-Sulzer hat damit eigentlich fast den Beweis geliefert, dass das “Turiner Grabtuch” den geschichtlichen Weg gegangen ist,  den der Historiker und Schriftsteller Ian Wilson vermutet, nämlich im Wesentlichen:

Jerusalem – Edessa – Konstantinopel – Lirey – Chambéry – Turin.