Wappen der OMCT Tempelherren

De laude novae militiae

OMCT Tempelherrenorden, Deutsches Priorat e.V.

Information/Dokumentation des Ordo MilitÆ Crucis Templi – OMCT Tempelherren-Orden, Deutsches Priorat e.V.

Als Manuskript gedruckt und herausgegeben von der Komturei Düsseldorf des OMCT im März 1981.
Bearbeitung: Obr. Prof. Kramberg

Bernhard von Clairvaux

(Zum Lob der neuen Ritterschaft)

Die berühmte Schrift Bernhards von Clairvaux “De laude novae militiae”, die kurz nach der im Jahre 1128 erfolgten Gründung des Tempel­ordens in allen christlichen Länder des Abendlandes verbreitet wurde und grösstes Auf­sehen erregte, ist die älteste Urkunde, die sich mit dem Sinn, dem Geist und dem Charakter des Templerordens befasst. Man hat sie mit Recht als die  “Konstitutionsurkunde der gewaltigen, alle eruopäischen Völker um­fassenden mächtigen religiöspolitischen Verbrüderung” bezeichnet, zumal ja Bernhard von Clairvaux als der geistige Initiator und Wegbereiter der “Ritterschaft Christi”, wie er den Templerorden nannte, der Verfasser war.

Das I. Kapitel mit der Überschrift “Der neuen Ritterschaft” beginnt wie folgt:

Von einer neuen Ritterschaft spreche ich, weil sie für die Weltkinder etwas Unerhörtes ist . Denn diese Ritterschaft will unverzagt einen zwiefachen Kampf kämpfen: den ritterlichen  Kampf gegen Fleisch und Blut, den geistlichen Kampf gegen den Geist der Verworfenheit dämonischer Mächte. Mit körperlicher Kraft einen körperlichen Feind ritterlich anzugehen, ist  meiner Meinung nach nicht so selten und wunderbar. Auch die Sünde und die bösen Geister mit den geistlichen Waffen der Tugend zu befehden ist zwar sehr löblich, doch nichts  Ausserordentliches.

Indes, wenn sich ein und derselbe Mann gleichzeitig mit der ritterlichen Waffe des Schwertes und dem geistlichen Feldzeichen des Cingulums zum Kampfe gürtet, da kann man in unserer Zeit wohl von einem Wunder spre chen: Fürwahr, ein solcher Mann ist ein ganzer Ritter , den nichts schrecken, nichts verwunden kann; denn er hat seinen Körper mit dem  Panzerhemd des Eisens und seine Seele mit dem Panzerhemd des Glaubens gewappnet.

Mit diesem zwiefachen Harnisch gerüstet, fürchtet er nicht Mensch, nicht Dämon.
Ja selbst den Tod fürchtet er nicht, denn Tod ist seine Sehnsucht. ie sol der im Leben, wie soll der im Sterben die Furcht kennen, dem das Leben Christus, das Sterben Gewinn ist? Er lebt zwar glaubensvoll und freudvoll für Christus, aber weitaus mehr sehnt er sich danach, aufgelöst und mit Christo zu sein.

Auf denn, ihr Ritter, und schlagt furcht­losen Herzens die Feinde des Kreuzes Christi in die Flucht! Denn ihr habt die Gewißheit, dass euch weder Tod noch Leben in der Liebe Gottes,  die da ist in Christo Jesu, trennen kann. Denn für euch gelten in jeder Gefahr die Worte “Ob wir leben, ob wir sterben, wir sind und bleiben Christi Eigen”. Wie ruhmvoll kehrt ihr als  Sieger aus der Schlacht zurück! Wie glückselig fallt ihr als Blutzeugen auf der Walstatt! Freuet euch, starke Helden, wenn ihr lebet und sieget in Christo, aber noch mehr frohlocket,  wenn ihr sterbet und euch auflöst in Christo! Früchtereich ist euer Leben, ruhmreich euer Sieg, aber noch glorreicher euer heiliger Tod! Denn wenn schon die glückselig sind, die in Christo sterben, wie erst diejenigen, die für Christo sterben. Ob der Heilige im Bett oder auf der Walstatt stirbt, sein Tod ist kostbar vor dem Antlitz Gottes. Aber der Tod im Felde wird  umso kostbarer sein, je ruhmvoller er ist.

Darum Gruss und Heil dir, du wahrhaft heilige Ritterschaft, die du von der doppelten Gefahr befreit bist, die sonst die weltliche Ritterschaft bedroht, für die nicht Christus Grund und  Ursache des Kampfes ist. Denn du, weltlicher Ritter, hast bei jedem Krieg, in den du ziehst, zu befürchten, dass du den Feind zwar dem Körper nach schlägst, er dich aber der Seele nach be­siegt oder dass du von dem Feinde gleich­zeitig dem Körper nach schlägst, er dich aer der Seele nach besiegt oder dass du von dem Feinde gleichzeitig dem Körper und der Seele nach getötet werdest. Nach der Absicht des Herzens, nicht nach dem Ausgang des Krieges wird Gefahr und Sieg des Christen beurteilt. Wenn die Kriegs­ursache eine sittlich gute war, so  kann der Kriegsausgang nie schlecht sein, ebenso wie der Kriegsausgang nie gut sein kann, wenn die Kriegsursache sittlich schlecht war. Wenn du, in der Absicht einen anderen zu  töten, selbst getötet wirst, stirbst du als Mörder. Wenn du aber mit derselben Ab­sicht siegst und am Leben bleibst, bleibst du doch Mörder. Es macht dir nichts, ob du siegst oder  unterliegst, du bleibst ein Mörder!

Aus dem 2. Kapitel: Der weltlichen Ritterschaft

Was ist also Ende und Ziel dieser weltlichen Schlachten oder besser, Schlächtereien”… Es muss das Gewissen eines jeden Kriegersbelasten, dass Leichtsinn und Gewissenlosigkeit die  Ursache der weltlichen Kriegs­führung ist. Fürwahr, ihr weltlichen Ritter, ihr habt keine anderen Beweggründe zum Krieg, als besinnungslosen Zorn oder mass­lose Gier nach Ruhm  oder gar nach irdischem Besitz. Für eine solche Sache lohnt es sich nicht, zu siegen oder zu sterben. Die Christusritter aber, sie kämpfen im Waffen­dienst des Herrn … denn der  Christusritter zieht nie ohne Grund das Schwert, da er ist Gottes und Christi Wehrmann zur Bestrafung der Überltäter. Schlägt er den Übeltäter, dann ist er kein Menschentöter,  sondern ein Unholdtäter oder ein Verteidiger der Christenheit.

Nun könnte da einer einwenden: Was!? Wenn dem Christen das Schwert nicht erlaubt ist, wie kann dann ein Verkünder des Heilandes den Rittern von Kriegslohn predigen, statt  überhaupt jede Ritter- und Kriegerschaft zu verdammen? Nun aber (so antworte ich) steht den Christen das Schwertrecht zu, umsomehr denen, die dazu von Gott bestimmt und durch ihr Ordensgelübde verpflichtet sind, ihr Leben für die heilige Stadt ein­ zusetzen…

Darum stehe auf und schau: All diese Ritter sind herbeigeeilt und hinge­ wallfahrt zu dir! Diese Hilfe ward dir ge sandt von dem Heiligen, sodass die alte Prophezeiung in Erfüllung geht:  “Ich will dich hoch erheben über den Weltenpöbel, dass sich freue Geschlecht zu Geschlecht.” Durch viele alte Zeugnisse ist geweissagt – die neue Christusritterschaft! Was wir  bisher nur als Prophezeiung betrachtet haben, sehen wir jetzt in der Stadt des Herrn Wirklich­keit werden. Jedenfalls kann der geistige Glanz des irdischen Jerusalem dem künftigen  Glanz des himmlischen Jerusalem nicht scha den, sondern ihn nur vermehren. Denn das irdische Jerusalem ist der Abglanz des himmlischen Jerusalem, das unserer eigent­lichen  Mutter!

Aus dem 3. Kapitel: Leben und Tagewerk des Christusritter

Zur Aneiferung und Beschämung unserer weltlichen, mehr dem Teufel als Gott dienenden Ritterschaft wollen wir kurz über die Lebensweise der Christusritter spreche und zwar, wie  ie im Krieg und Frieden leben, damit offenkundig werde, welcher Unterschied zwischen der geistlichen und weltlichen Ritterschaft besteht.

Vor allem herrscht unter ihnen strengste Zucht, da der Gehorsam jedem heilig gilt nach dem Worte der Schrift: “Der Sohn der Zuchtlosigkeit wird zugrunde gehen.” Jeder Ungehorsam  ist ihnen gleichbedeutend mit Dämonenkult, jeder Widerspruch gilt ihnen als Götzendienst. Ausgerückt wird auf Be fehl des Oberen; keine andere Kleidung, kein anderes Essen gibt es  als das, was der Obere gibt. In Kleidung und Speise wird jeder Überfluss gemieden und nur das Not­wendigste gestattet. In schöner, ernster Gemeinschaft leben die Brüder ohne Frauen und Kinder.

Der evangelischen Vollkommenheit entsprechend, wohnen sie ohne Eigenbesitz nach gemeinsamer Regel in einem gemeinsamen Haus und sind dabei eifrig darauf bedacht, die Einheit  des Geistes durch das Band der brüderlichen Liebe zu erhalten. Ein Herz und eine Seele wohnt in der ganzen Gemeinschaft, weil keiner dem eigenen Willen, sondern dem des  Oberen zu folgen trachtet. Nie sind sie müssig, nie nutzlos beschäftigt, nie, auch wenn sie, was selten geschieht, nicht ausge­rückt sind, essen sie ihr Brot umsonst, son­dern sind mit der  Ausbesserung ihrer Waffen und Kleider, mit dem Ersatz altgewordenen oder unbrauchbaren Gerätes oder mit sonst irgendeiner Arbeit beschäftigt, die ihnen ent­weder der Obere oder  die Not der Umstände ge­boten hat.

Einen Unterschied in der Person gibt es bei ihnen nicht. Nicht der Höhere, sondern der Bessere gilt mehr. Mit Hochachtung kommt einer dem anderen entgegen. “Einer trägt des  anderen Last und erfüllet so Christi Ge­bot”. Jedes ungebührliche Wort, jedes freche Lachen wie jedes geheime Murren und Widerre­den werden, wo sie bemerkt werden, abgestellt.

Räuber- und Würfelspiel, Jagd und Vogelfang verwerfen sie, Schauspielerei und Schwarz künstlerei, Possenreisserei und lärmende Spiele verachten sie als eitlen und falschen Tand.  Das Haar tragen sie geschnitten nach dem Worte des Apostels, dass jede Ziererei für einen Mann lächerlich sei. Nie sind sie geschniegelt und geschleckt, häufiger dagegen zerrauft und  struppig, vom Staub bedeckt, vom Eisenhemd aufgescheuert und vom Sonnen­brand gebräunt. Zum Kampf rüsten sie sich innerlich mit dem Glauben, äusserlich mit Eisen, nicht mit  Gold und Schmuck. Denn ge­wappnet, nicht aufgeputzt, wollen sie den Feinden Furcht einjagen und nicht deren Hab­gier reizen.

Sie wollen nur starke und schnelle Pferde haben, nicht aufgeputzte und gezierte Mähren. Sie denken an Kampf, nicht an Theater, sie denken an Sieg und nicht an Ruhm, sie wollen  lieber gefürchtet als bewundert sein. Nicht ungeordnet, hitzig und leicht­sinnig, sondern überlegt und vorsichtig, nach Vätersitte in Schlachtreihen geordnet, gehen sie zum Angriff vor.

Als wahrhafte Männer der Auslese rücken sie in friedlicher Ordnung vor.

Aber dann, wenn es zum Gemenge kommt, dann ist es vorbei mit ihrer gezähmten Zurück­haltung, als ob sie sagen wollten: “Hasse ich nicht diejenigen, die Dich hassen, Christus? Denn  ich lechze nach dem Blut Deiner Feinde!” Sie stürzen sich hinein in die Feindesrudel, als ob es Schafherden wären. Auch wenn ihrer nur ein kleines Fähnlein ist, fürchten sie  weder die Wild­heit noch die Menge der feindlichen Tschan­dalen. Denn sie wollen den Sieg nicht mit eigenen Kräften, sondern mit der Kraft des Gottes der Heerscharen erkämpfen, von  dem sie nach dem Buche der Makkaäber wissen, dass es ihm ein Leichtes ist, ungezählte Massen in die Hände weniger zu legen. So wie es dem Gott des Himmels keinen  Unterschied macht, durch viele oder durch wenige zu siegen. Denn nicht von der Grösse des Heeres kommt der Sieg, sondern allein vom Himmel die Kraft. Wie oft ist es geschehn, dass ein Ritter Tausende schlug und zwei Ritter Zehntausende in die Flucht trieben.

So erscheinen sie wunderbarer Weise zu gleicher Zeit als sanfte Lämmer und reissende Löwen, so dass ich nicht weiss, ob ich sie mehr Mönche oder mehr Ritter nennen soll.
Am besten urteilt man wenn man sie “Mönchritter” nennt, denn sie besitzen die Milde des Mönches und die Kraft des Ritters.

Was ist von ihnen noch mehr zu sagen, als dass diese Ritterschaft von Christus selbst gestiftet wurd und zwar als ein Wunderzeichen für un­sere Zeit! Denn alle diese Mönchsritter hat sich Gott auserlesen und aus den stärksten Helden seines Auswahlvolkes in allen Ländern gesammelt. Denn diese Ritterauslese soll als die treueste und kriegserprobteste Wache mit  gezückten Schwertern behüten das Ruhebett des wahren Königs Salomon, nämlich Christi heiliges Grab!

Aus dem 4. Kapitel: Der Tempel.

Es erhebt sich in Jerusalem ein Tempel, der den Rittern als Wohnung dient, ein Tempel, der sich mit dem alten und herrlichen Tempel Salomons nicht an Pracht, wohl aber an Ruhm  messen kann. Die Herrlichkeit des alten Tempel war vergängliches Gold und Silber, war Quader und köstliches Holzwerk: Des neuen Tempels Zier und Schmuck ist allein die  Frömmigkeit und Zucht seiner Bewohner! Jener alte Tempel strahlte im Glanze seiner Farben, der neue Tempel schimmert im Glanze der Tugend und Ruhmestaten. Doch hat auch der  neue Tempel seinen äußeren Schmuck: Waffen und Schilde zieren die Wände, nicht Edelsteine und Goldkronen, Pferdegeschirr, Sattelzeug und Lanzenbündel füllen den Tempel,  nicht überflüssige Leuchter, Räucherpfannen und Kannen. All das zeigt, dass die Ritter von demselben Eifer für das Haus Gottes ent­flammt sind, wie einst ihr göttlicher Groß­meister  entbrannte, als er, mit einer aus Stricken geflochtenen Geisel, den Tempel betrat, um die Krämer daraus zu vertreiben , das Geld der Wechsler auszuschütten und die Stände der  Taubenhändler umzuwerfen, da er es für eine Schmach hielt, dass das Haus des Gebetes durch solchen Marktkram verunehrt werde.

Von dem Beispiel ihres Königs (Christus) ge­trieben, wohnt diese Ritterschaft mit ihren Pferden und Waffen in dem heiligen Hause. Sie hat den tschandalischen Schmutz der Ungläubigen nicht nur aus diesem Hause, sondern auch an allen heiligen Stätten hinausgeräumt, um in ihnen Tag und Nacht in aufopfernder und nützlicher Arbeit Wache zu halten…

Die Welt staunt über dieses Ereignis in Je­rusalem … Darum begrüsse und beglückwünsche dich heilige Stadt, dass sich in dir der Allerhöchste sein Zelt geheiligt um in dir und durch  dich ein ganzes Geschlecht versittlicht hat… so, dass alle, die dich ge­sehen haben, deinen Ruhm in alle Welt hinaus­tragen, auch zu jenen, die dich nie gesehen und nun von den  Wunderdingen, die in dir ge­schehen, staunend und rühmend erzählen!

Soweit der Originaltext der berühmten Schrift, die erstmals im Jahre 1791 im Rahmen der ge sammelten Werke Bernhards in Paris veröffentlicht wurde. Die erste Übersetzung aus dem­  Lateinischen in eine moderne Sprache er folgte jdoch erst 1926 mit einer deutschen Übertragung, aus der wir die obigen Auszüge wiedergaben, weil sich in der gesamten Templerliteratur zumeist nur Hinweise oder kurze allgemeine Inhaltsangaben finden. Da sich aber nur die ersten 3 – 4 Kapitel mit dem Templerorden befassen, während die letzten 1o Kapitel als “Mystische Kreuzfahrt ins Heilige Land” eine vergeistige Betrachtung der heiligen Stätten behandeln, konnten wir uns auf die Wiedergabe der ersten Kapitel be schränken, obwohl gerade die “Mystische Kreuzfahrt ins  heilige Land” wegen ihrer zu­ tiefst empfundenen Religiosität in Form einer poesievollen Prosa zu den Glanzleistungen des mittelalterlichen Schrifttums gehören dürfte; wohingegen die Kapitel  über die Templer als Propagandaschrift für den Orden gedacht waren.

Aus dieser Zweckbestimmung dürfte sich auch deren ausgesprochen militanter Charakter er­klären, womit sich der grosse Friedensstifer Bernhard von Clairvaux als Sohn der Ecclesia militans, der  kämpfenden Kirche bekannte.

Wiedergegeben nach Ordenshistoriker Dr. R.w. Horst
Abgedruckt im Rundbrief des Tempelherrenordens OMCT, Deutsches Priorat e.v., Folge 25, IX/1976

Anmerkung:
Bernhard von Clairvaux (1o91 1153) war Zisterziensermönch und Gründer der Abtei Clairvaux, die zu einem Zentrum des klösterlichen Geistes­lebens des Mittelalters wurde.