Der enge Verbund von Templern und Zisterziensern bei der Ostkolonisation

Mit dem Thema Templer im deutschen Osten haben sich im Orden bereits Prof. Dr. Kramberg (+) und Altprior Dr. Sawall (+) befaßt. Auf deren Gedankengut aufbauend, möchte ich das Thema um die Mitwirkung des Zisterzienserordens erweitern.

Die Entstehung und Entwicklung des deutschen Zweiges des mittelalterlichen Tempelritterordens ist auf das Engste verknüpft mit der Eroberung und Christianisierung des deutschen Ostens und den damit verbundenen Wendenkreuzzügen.

Die Geschichte des 1129 hierzulande zunächst in Norddeutschland entstandenen Tempelritterordens nahm seinen Ausgangspunkt in Braunschweig, wo 1129, also kurz nach der Gründung des Ordens, Kaiser Lothar, auch Herzog von Sachsen, seinen erblichen Besitz, die Grafschaft Suplinburg (Süpplingenburg) mit Schloß, Kirche, Dörfern und Ländereien dem Templerorden schenkte, so daß schon 1131 dort der erste Templersitz in Deutschland gegründet werden konnte, wo auch der erste Großpräzeptor “per Alimaniam et Slaviam” residierte.

Auch die templerischen Niederlassungen in Loccum, Hildesheim und Halberstadt können, wie sich aus ihrer Lage ergibt, nur zur gleichen Zeit oder kurz danach gegründet worden sein. Deshalb, weil diese Templersitze eine etwa 300 km lange von Norden nach Südosten verlaufende geschlossene Linie erkennen lassen, die zur Absicherung der alten Kaiserstadt Goslar gegen die ständige wendisch-slawische Bedrohung geschaffen wurde.

Als im Jahre 1146 zum 2. Kreuzzug aufgerufen wurde und man in Norddeutschland darauf bestand, zunächst einmal die ständige Gefährdung der niedersächsischen Landesgrenzen im Norden und Nordosten durch eine militärische Aktion zu beseitigen, wurde der Wendenkreuzzug von der Kirche sanktioniert, und zwar nachdem sich Bernhard von Clairvaux vehement dafür eingesetzt hatte. Kein Wunder, wenn sich die norddeutschen Templer dem Wendenkreuzzug Herzog Heinrichs des Löwen anschlossen und nicht dem im gleichen Jahr beginnenden Orientkreuzzug König Konrads III.

Während des Wendenkreuzzugs 1147, den vorwiegend sächsische und dänische Adlige als Ersatz für eine Fahrt in das Heilige Land unternahmen, eroberte Heinrich der Löwe Mecklenburg und Vorpommern und förderte die Besiedlung und Christianisierung dieser Gebiete.

Es läßt sich auf der Landkarte das Vordringen des Ordens nach Osten erkennen. Und zwar durch eine zweite Linie templerischer Niederlassungen, die ungefähr 250 km nordöstlich parallel zu der Braunschweiger Riegelstellung verläuft. Der nordöstliche Stützpunkt bei Mirow, dem dann in kurzen, räumlich gleichmäßigen Abständen  Templin, Wildenbruch, Küstrin mit Münchenberg und Lebus sowie Zielenzig und Lagow folgen. Mit dieser Sperrkette war das Gebiet zwischen Elbe und Oder nach Osten gesichert.

Im Jahre 1220/27 schenkte der schlesische Piastenherzog Heinrich I. den Templern die unweit Breslau gelegene Burg Oelsnitz mit dem Gut Kleinöls, das zur stärksten Ordenskommende Schlesiens ausgebaut wurde. Das Mutterhaus von Kleinöls war und blieb jedoch Braunschweig. Die in gerader Linie dorthin führenden Etappenstationen waren Görlitz, Mühlberg und Halberstadt.

In den gleichen Jahren dürfte auch das etwa 150 km nördlich von Kleinöls auf polnischem Gebiet liegende templerische Zentrum Posen entstanden sein. Und wiederum 150 km nördlich von Posen die Ordenskommende Tempelburg in Pommern. Somit bildeten Tempelburg, Posen und Kleinöls die Hauptstützpunkte einer weit über die Oder hinaus nach Osten vorgeschobenen dritten Front.

Neben der Errichtung der norddeutschen Templerkommenden gibt es eine parallele Entwicklung, die allerdings in der Regel jüngeren Datums ist, entlang der Rhein-Main-Donau Linie. Ihre Entstehung verdanken sie wohl primär der notwendigen Absicherung und Unterstützung der von Frankreich und Deutschland ausgehenden mitteleuropäischen Kreuzzüge ins Heilige Land, Hönningen (1225) und Niederbreising rheinabwärts bis Worms, am  Main entlang Bamberg und Fahrenberg und an der Donau Altmünster (bereits 1155) mit einem Schwerpunkt um Eichstädt mit mehreren Kommenden.

Interessant ist nun, vor diesem überwiegend militärischen Hintergrund das zivile Umfeld zu betrachten. Hier nehmen wir besonders den Nordosten in den Fokus. Die aus Deutschland kommenden Missionare hatten wenig Erfolg, bis die sächsischen Kaiser Deutschlands die Mission in Verbindung zur Eroberung stellten. Seit dem 11. Jahrhundert kam noch der immer stärker anwachsende Einfluß deutscher Kaufleute und Ansiedler hinzu.

Dies konnte aber nur gelingen, wenn in dem überwiegend wilden, unberührten, weiten Ostland als Grundlage für eine erfolgreiche Besiedlung in größerem Stil Land urbar gemacht und erschlossen wurde. Hier tat sich in bedeutendem Umfang der Orden der Zisterzienser hervor.

Das Kloster Citeaux südlich von Dijon in Burgund hat dem Orden der Zisterzienser den Namen gegeben, denn die lateinische Bezeichnung dieses Konvents lautet – Cistercium. Man kann die Entwicklung dieses Ordens nur als die große Erfolgsgeschichte des Hochmittelalters bezeichnen, denn in wenigen Jahrzehnten breitete sich diese Mönchsgemeinschaft von einem Punkt ausgehend in ganz Europa aus und zählte um 1450 insgesamt 742 Männer- und 761 Frauenklöster.

Die Fundamente dieser Erfolgsgeschichte sind ebenso erstaunlich wie bedenkenswert, denn sie haben mit Askese, härtester Arbeit, strengster Disziplin und Abkehr von jeglichem Luxus zu tun.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich der Benediktinerorden vielerorts zu einem Netz wohlhabender Klöster entwickelt, deren Äbte oft hohe weltliche Ämter in Personalunion an den Fürstenhöfen Europas, ja selbst in der kaiserlichen Kanzlei einnahmen. Der Adel nutze die Intelligenz der gelehrten Mönche, die selbst vielfach adeligen Familien, oft sogar dem Hochadel entstammten.

Dies führte in zahlreichen Konventen zur Lockerung der strengen Benediktinerregel, zu Nepotismus, Korruption, Luxus, in jedem Fall zu einer Abkehr von alten mönchischen Idealen – zwar nicht überall, doch an vielen Stellen sichtbar.

Diese Situation rief bald Unwillen und Protest hervor, nicht nur bei den Gläubigen, auch bei bestimmten Mönchen selbst. Verbale Proteste sind oft unwirksam, nur entschiedenes Handeln führt in solchen Fällen zu Wandlung und Reform.

So fällt der Anfang der Geschichte der Zisterzienser in eine Zeit, in der von verschiedenen Seiten eine Reform des Mönchswesens angestrebt wurde.

Für die Zisterziensergeschichte ist besonders das Bemühen des Robert von Molesme von Bedeutung. Geboren im Jahre 1028 in der Champagne, trat er im Alter von 15 Jahren in den Benediktinerorden ein. In seinem Suchen nach perfekter Disziplin und in seinem Reformeifer verließ er schnell das erste Mönchskloster, schloß sich nacheinander einigen anderen Gemeinschaften an und verbrachte beträchtliche Zeit als Einsiedler.

Robert, der inzwischen zum Abt des Benediktinerklosters Molesme gewählt worden war, verließ dieses mit anderen Mönchen und gründete das neue Kloster Citeaux.

Das Leben in dem neuen Kloster Citeaux -von Zeitgenossen als ein Ort des Schreckens und der Einsamkeit bezeichnet- begann am 21. März 1098, bezeichnenderweise am Festtag des hl. Benedikt.

Allem Luxus wurde abgeschworen und die Regel des heiligen Benedikt wurde in ihrer schlichten Form wieder zur Richtschnur gemacht.

Nachdem Robert aber nach Molesme zurückkehren mußte, nahm Alberich, der frühere Prior, das Amt des Abtes an Stelle Roberts ein. Er hatte gegen verschiedene wirtschaftliche, politische und kirchliche Schwierigkeiten zu kämpfen, und es war schließlich der dritte Abt, Stephan Harding, der mit den Problemen fertig werden konnte.

Der aus England stammende, weitgereiste Mönch hat dann mit seiner -Charta Caritatis- die Benediktinerregel entscheidend erweitert, strenge Bestimmungen darin aufgenommen, die Mönchsdisziplin entsprechend verschärft und dann diese Schrift den Mönchen zur Begutachtung vorgelegt. Das fast Undenkbare geschah, die strenge Regel wurde begeistert aufgenommen und dem Papst zur Bestätigung vorgelegt.

Zweimal haben die Päpste die -Charta Caritatis- bestätigt, im Jahre 1119 (!) und im Jahre 1152. Damit war ein neuer Orden geboren. Dies alles aber geschah noch in relativer Stille und blieb vorerst auf Citeaux begrenzt.

Die phänomenale Ausbreitung des Zisterzienserordens kann aber nicht ohne die Einbeziehung des persönlichen Einflusses des hl. Bernhards, des “Mannes des 12. Jahrhunderts”, gesehen werden.

Als er in das Noviziat in Citeaux im Jahr 1112 eintrat, gab es dort nichts weiter als eine kleine, verzweifelt kämpfende Gemeinschaft. Als er 1153 starb, hatte der Orden bereits 343 Klöster in ganz Europa und einen so enormen Einfluß und ein solches Ansehen, wie sie noch keine andere religiöse Einrichtung zuvor hatte.

Der Abt von Citeaux hatte den tatkräftigen Bernhard mit zwölf Mönchen zur Gründung von Clairvaux ausgesandt – die wohl wichtigste Gründung in dieser Zeit.

Bereits im Jahr 1115 wurde der junge Mann im Alter von 25 Jahren Abt von Clairvaux. Die Probleme und Schwierigkeiten der Gründer von Citeaux wiederholten sich in den ersten Jahren von Clairvaux, aber Bernhards Glaube und Entschlossenheit waren unerschütterlich. Er entwickelte sich fortan zu einem wichtigen Kirchenschriftsteller und  Organisator, der in seinem Leben allein 70 Tochterklöster gründen konnte.

Als bedeutender Theologe und berühmter Prediger übte er durch die Erneuerung des kirchlichen Geistes bei Adel, Klerus und Volk großen Einfluß auf seine Zeit aus. Er verfaßte die Regeln des historischen Templerordens und warb intensiv für diese Art des Mönchrittertums. Die Kleidung der Zisterzienser-Chormönche war ein weißer Habit und ein schwarzes Skapulier und hiermit könnten auch Anlehnungen in Kleiderordnung und Farbgebung beim Templerorden begründet sein. (So führt bekanntlich der Beauceant die Farben weiß und schwarz. Auch zumindest die Templeroberen trugen in der Burg, wenn das Kettenhemd abgelegt war, einen weißen Habit – mit rotem Kreuz). Weithin bekannt wurde Bernhard von Clairvaux als Kreuzzugsprediger und auch als Mystiker. Bereits 1174 wurde er heiliggesprochen und 1830 zum Kirchenlehrer erhoben.

Immer wieder standen mächtige Äbte aus Citeaux auf gleicher Ebene wie Kaiser, Könige und Päpste. Ihren Höhepunkt erreichte Citeaux im 12. und 13. Jahrhundert. In dieser Zeit erreichten auch die Templer ihren Zenit an Macht und Einfluß. Die Päpste griffen Bernhards Worte auf, und die Fürsten Europas luden die Zisterzienser nun ein, in ihren Ländern Klöster zu errichten, da sich ihre unermüdliche Zivilisationsarbeit bald weithin herumgesprochen hatte.

Wichtig war, daß beim Bau der Klöster die Städte und Dörfer gemieden wurden. Die Mönche bevorzugten abgelegene Waldtäler, fernab von jeglichem Verkehr. Ursprünglich war diese Idee der Weltflucht im Orden sehr verbreitet, da man im Getriebe der Welt das Heil nicht zu finden glaubte.

Mit Freuden übereigneten Grafen und Herzöge, Könige und Kaiser den Zisterziensern unfruchtbare Einöden, Sümpfe und Wälder, die sie selbst nicht kultivieren konnten. Die Mönche aus Citeaux waren es, die viele Teile des damals noch unzugänglichen Landes, Moore, Heidelandschaften und Sümpfe, in fruchtbare Landstriche verwandelten.

Bei aller Weltflucht waren die Zisterzienser kluge Planer und Ökonomen, die zwar dem einzelnen Mönch die persönliche Besitzlosigkeit zur Pflicht machten, dem Kloster selbst die Gütervermehrung jedoch großzügig gestatteten. Damit keine ortsfremde Gewalt ihnen ihre Selbstbestimmung beschneiden konnte, hatten sie wohlweislich die Extemtion erteilen lassen – also die Bestätigung, daß sie ihren Konvent völlig eigenständig führen konnten und weder ein Grund- noch ein Landesherr, auch kein Bischof ihnen irgendwelche Vorschriften auf klösterlichem Grund und Boden zu machen habe. Zu dem bedeutenden wirtschaftlichen Erfolg des Ordens hat diese Extemtion nicht unwesentlich beigetragen.

In der Charta Caritatis hatte Abt Harding festgelegt, daß jedes Kloster überschaubar bleiben sollte – mit einem Abt und zwölf Mönchen. Dazu aber kamen die Konversen – die Laienbrüder – die in einem eigenen Trakt im Kloster wohnten und die verschiedensten Berufe ausübten. Diese Arbeitsmönche wirkten in der Landwirtschaft des Klosters, betrieben die Mühlen, waren in den Weinbergen tätig, hüteten die Viehherden, legten Obstplantagen an, betrieben Pferdezucht, molken die Kühe und machten das Kloster zu einem sich selbst versorgenden Zentrum, das zuletzt weit mehr produzierte, als es selbst nötig hatte, und daher auf dem Markt die Überschüsse anbieten konnte.

Diese Laienbrüder waren ebenso wie die Chormönche zur Ehelosigkeit, zu Armut und Gehorsam gegenüber dem Abt verpflichtet, aber sie waren räumlich nicht ausschließlich an das Kloster gebunden. Die oft weit entfernten Wiesen und Äcker, Weingärten und Plantagen machten es notwendig, daß je nach Wetterlage eine Gruppe von Laienbrüdern in einem Vorwerk eine Woche oder mehr leben, arbeiten und sich verköstigen mußte.

Die Chormönche dagegen, die meist auch die Priesterweihe empfangen hatten, waren zur -stabilitas loci- verpflichtet, d.h. sie mußten bei dem streng geregelten Tagesablauf, der strikt nach Studium, Messe, Chorgesang, Meditation, Lesungen und den kurz bemessenen Freizeiten eingeteilt war, stets im Kloster präsent sein.

Die Laienbrüder, die nur an den wichtigsten liturgischen Zeremonien teilzunehmen hatten, kamen aus den einfachsten Bevölkerungsschichten, während die Chormönche nicht selten aus dem Adel entstammten.

Die von Abt Harding neu gefaßte Ordensregel auf benediktinischem Fundament sah vor, den Kirchenbau ganz schmucklos zu halten, auf einen steinernen Turm zu verzichten und dagegen nur einen Dachreiter mit einem Glöckchen über der Vierung anzubringen. Bilder, Skulpturen und farbige Glasfenster wurden nicht geduldet, da sie die Aufmerksamkeit ablenken und von der geforderten Meditation wegführen könnten. So sind die Kirchen dieses Ordens meist schlicht, jedoch architektonisch großartig, so daß die Baumeister der Zisterzienser in der Zeit der Romanik vielfach Wunderwerke der Kirchenbaukunst errichteten.

Mittlerweile mit Tochterklöstern in vielen Ländern Europas vertreten, hatte den größten Gewinn durch das Wirken der Zisterzienser jedoch der deutschsprachige Raum. Hier waren bis zum Jahr 1500 mehr als 100 Abteien dieses Ordens entstanden.

Große Gebiete in Brandenburg, Mecklenburg, Pommern und Schlesien wurden erst durch die Zisterzienser mittels Rodung urbar gemacht und in fruchtbare Landstriche verwandelt.

Die erste deutsche Zisterzienserabtei Kamp am Niederrhein, 1123 gegründet, wurde Ausgangspunkt der ersten Welle der Klostergründungen im Osten, beginnend mit dem großen Kloster Walkenried im Harz, das im Laufe der Zeit zur reichsunmittelbaren Abtei aufstieg und mit gräflicher, herzoglicher und kaiserlicher Förderung zu einem der reichsten Klöster des römisch-deutschen Reiches wurde.

Die fleißigen Mönche betrieben eigene Mühlen, Ziegeleien, Glashütten, brauten Bier und brannten Schnaps. Selbst am Bergbau beteiligte sich Walkenried, und so stand ihnen ein Viertel der Silberausbeute des Rammelsberges bei Goslar zu. Das Kloster erreichte schließlich sogar Münzhoheit, eigene Gerichtsbarkeit und Zollfreiheit innerhalb des gesamten Reiches.

An der Gründung von 18 Tochterklöstern war Walkenried als Mutterhaus beteiligt, darunter dem so wichtigen Pforta in Thüringen und den beiden Klöstern Chorin und Lehnin. Chorin trug die Hauptlast der Arbeit bei der Rodung der Urwälder und bei der Trockenlegung der Sümpfe in der Uckermark und zählte zu seinen  Glanzzeiten 80 Priestermönche und 400 Laienbrüder. In der Mark Brandenburg wurde das 1180 gegründete Lehnin zum Kolonisationszentrum. Lehnins Pfeilerbasilika gilt als eines der historisch und baukünstlerisch bedeutendsten Denkmäler aus spätromanisch-frühgotischer Zeit im heutigen Land Brandenburg.

Bis ins ferne Schlesien reichten die Aktivitäten von Kamp am Niederrhein, sei es durch unmittelbare Gründungen oder durch die Wirksamkeit von Tochterklöstern, die selbst wiederum Neugründungen vornahmen.

So war beispielweise Leubus in Niederschlesien 1145 vom schlesischen Herzogshaus gegründet worden und in Folge zu einer gewaltigen Abtei aufgestiegen; von Leubus aus wurde dann 1227 Heinrichau nördlich von Münsterberg, ebenfalls in Schlesien, besiedelt. Heinrichau war jenes deutsche Kloster, das 14 Jahre nach seiner Gründung von den Mongolen 1241 zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau wurde es durch seine ergiebige Landwirtschaft und seine erfolgreiche Tuchfabrikation weithin bekannt.

Von Morimond in Burgund aus konnten zwischen 1127 und 1338 insgesamt 30 wichtige Neugründungen in deutschen Landen unternommen werden (Altenberg 1133), direkt vom Mutterhaus ausgehend oder als Filialen von Tochterklöstern.

Darunter befinden sich berühmte Namen wie Ebrach im Steigerwald und die im heutigen Österreich liegenden Abteien Heiligenkreuz im Wienerwald, Zwettl im Waldviertel, Lilienfeld in Niederösterreich, Wilhering westlich von Linz an der Donau, Schlierbach im Kremstal und Engelszell südlich von Passau. Goldenkron und Hohenfurt im südböhmischen Raum gehen ebenfalls auf Morimond zurück.

Ein von Clairvaux 1154 gegründetes Kloster im dänischen Seeland machte durch sieben Tochterklöster von sich reden, zu denen Eldena (1199) bei Greifswald, Oliva (1173) im heutigen Danzig und Dargun in Mecklenburg gehören.

Den Äbten der Mutterklöster war die Pflicht auferlegt, einmal im Jahr jedes Tochterkloster zu besuchen. Diese Visitationen waren letztlich Kontrollen, die sich auf die Führung des Klosters, die Finanzen, die Bautätigkeit, die Wirtschaft und die Personalpolitik erstreckten. Die Autonomie des visitierten Klosters jedoch durfte durch diese Kontrollen nicht aufgehoben werden. Die dadurch notwendig gewordene Reisetätigkeit der Äbte trug wesentlich zur Einheitlichkeit des Ordens bei und festigte die Möglichkeit des ständigen Gedankenaustausches.

Durch Klosterschließungen infolge der Reformation schon geschwächt, wurden mit der Säkularisation 1803, der vom Kriegssieger Napoleon angeordneten Entschädigung deutscher Fürsten für deren an Frankreich abzutretende Besitzungen, die noch verbliebenen Klöster aufgelöst, die Kirchen verfielen, ihre Ausstattung wurde zum Teil geplündert oder verkauft.

So tragisch dieses Ende der fleißigen Mönche auch erscheinen mag, wie wir wissen, den Templern erging es schon viel früher noch schlimmer. Aber sie hatten den Anfang gemacht.

Der 1190 im Heiligen Land ins Leben gerufene Deutsche Orden nahm 1237 den seit 1202 bestehenden Schwertbrüderorden von Livland in sich auf und wurde ab 1245 zum dauernden Kreuzzug gegen die Pruzzen ermächtigt. Er führte die gut gelegte Saat zur Reife. Das Ergebnis ist bekannte deutsche Geschichte.

Heinz-Jürgen Riechers – 25.6.2015