Wappen der OMCT Tempelherren

Der Templer heute – noch zeitgemäß ? – Kapitel V

OMCT Tempelherrenorden, Deutsches Priorat e.V.

Information/Dokumentation des Ordo MilitÆ Crucis Templi – OMCT Tempelherren-Orden, Deutsches Priorat e.V.

Als Manuskript gedruckt und herausgegeben von der Komturei Düsseldorf des OMCT im März 1981.
Bearbeitung: Obr. Prof. Kramberg

Gedanken, Hinweise und Fragen – Der Versuch einer Antwort

Kapitel V

Hierzu ist zunächst festzustellen, daß diese Frage im Mittelalter so umstritten war wie heute.

Man möchte mit Schopenhauer formulieren, der 1851 in seinen „Aphorismen zur Lebensweisheit“ feststellte, daß „Orden“ Wechselbriefe sind, gezogen auf die öffentliche Meinung.

Kritisch kann man auch die Frage untersuchen: Was sind Ritter?

Wir alle kennen „Ritter von der traurigen Gestalt“, den Don Quichote. Wir kennen im Gegensatz dazu Goethes Götz von Berlichingen, wonach Götz „das Muster eines Ritters, tapfer und edel in seiner Freiheit und gelassen und treu im Unglück“ ist. Wir kennen weiter aus Uhland’s „Väterländische Gedichte“:

„Den wird man einen Ritter nennen, der nie sein Ritterwort vergißt.“

 

Anzumerken ist noch, daß über Jahrhunderte die Literatur insbesondere von den Kreuzrittern fasziniert war und auch heute noch ist.

Wir erwähnen in diesem Zusammenhang Wolfram von Eschenbach, der um 1200 in seinem PAZIVAL dem Rittertum eine mystische Bedeutung gibt, indem er in den spanischen Pyrenäen in der Nähe des Ortes Salvatierra die Gralsburg vermutet.

Zu dieser Gralsburg haben nur von Gott selbst Erwählte einen Zugang, und nach Wolfram v. Eschenbach wird sie vom Ritterorden der Templeisen, also den Tempelherren, bewacht. Anders tritt gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei Lessing in „Nathan der Weise“ der Tempelherrenorden in Erscheinung. Dort die stolzen Worte des Tempelherren zum Klosterbruder:

„Kennt der Patriarch das rote Kreuz auf dem weißen Mantel nicht besser?”

 

Oder an anderer Stelle:

„Sagt Eurem Patriarchen, guter Bruder, soviel Ihr mich ergründen könnt, wär das meine Sache nicht. Der Tempelherren einziger Beruf sei, mit dem Schwerte dreinzuschlagen.“

Die Betrachtungsweise kann also eine durchaus unterschiedliche sein.

 

Wenden wir uns einigen Fakten zu!

Es gibt eine Anzahl von Ordensgemeinschaften die die Tradition mittelalterlicher Ritterorden pflegen: die Johanniter, die Malteser, die Deutschherren, die Grabesritter, den Lazarus-Orden und, last not least, die Tempelherren.

Nunmehr möchten wir die Frage stellen, welchen Sinn derartige Ordensgemeinschaften in unserer Zeit noch haben können.

Leider wissen wir seit der Iran-Krise, daß Mittelalter und das 20. Jahrhundert offenbar in geistlich-geistiger Haltung gar nicht so weit auseinanderliegen. Aus dem Iran hören wir seit geraumer Zeit die Verkündung des „heiligen Krieges“ gegen die Ungläubigen.

Damals wie heute wurde und wird verkannt, daß wir – ob Mohammedaner oder Christen – nicht aufgerufen sind, uns mit dem Schwert zu bekämpfen, sondern daß es unsere Aufgabe ist, sich mit den Gegebenheiten geistig auseinanderzusetzen.

In diesem Sinne ist es das Grundprinzip eines jeden aus einer geistlichen Ordensgemeinschaft hervorgegangenen Ritterordens, sich zu der Aussage des heiligen Paulus in seinem Brief an die Epheser zu bekennen:

„So legt denn die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr am bösen Tag widerstehen könnt und nach erkämpftem vollen Siege das Feld behauptet. So steht da, umgürtet an den Lenden mit der Wahrheit, bekleidet mit dem Panzer der Gerechtigkeit, beschützt an euren Füßen mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Zu all dem nehmt noch den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Geschoße des Bösen löschen könnt. Ergreift sodann den Helm zum Schutz und auch das Schwert des Geistes, d.h. „das Wort Gottes“.“

 

Wahrheit, Gerechtigkeit, Bereitschaft zum Frieden und Glauben mit dem Schwert des Geistes zu verteidigen, das ist unser Anliegen, das ist die Aufgabe, der sich ritterliche Ordensgemeinschaften zu verschrieben haben –

Das ist templerischer Geist!

Unendlich viel ist zu tun – denken wir nach: Die Menschen unserer Zeit leiden zumeist unter einer drückenden Vereinsamung.

Der Nachbar ist dem Nachbarn, der Kollege dem Kollegen fremd geworden.

Das ist auf viele Ursachen zurückzuführen. Sie liegen in den Leuten selbst, die ihrem Nächsten nur noch mißtrauen, ja mit der Angst begegnen. Sie sind aber auch in den äußeren Lebensverhältnissen begründet. Die „Freizeit“ des Städters wird häufig vom Weg zur Arbeitsstätte und vom Heimweg verschlungen. Die moderne Stadt verbietet ihm oft jede noch so bescheidene Geselligkeit.

Auch der Christ steht allein, weiß sich gefährdet und leidet darunter.

Wenn der Christ auch im Zeitalter des Kollektivismus und der Vermassung immer wieder seine Eigenständigkeit und sein Alleinseinkönnen zu schützen und zu retten versucht, so verlangt es ihn doch nach Gemeinschaft. Mehr denn je sucht er innigeren Anschluß an die Gleichgearteten unter den Gleichgesinnten.

Diese Sehnsucht vermag der christliche Ritterorden in besonderer Weise entgegenzukommen.

Wen soll er sammeln?

Möglichst jeden oder doch möglichst viele? Nein, er muß sich hüten, zu einer Massenorganisation zu werden und dem Zahlenrausch zu verfallen. Er soll nur eine Elite erfassen, das heißt eine Gemeinschaft der Ausgewählten sein. Das berechtigt nicht Ehrgeizlinge und eitle Tröpfe zu Stolz und Hoffart, sondern verlangt Demut und Verantwortung. Um wen sollen wir uns bemühen?

Um lebendige Christen!

Nicht um Taufschein-Christen. Auch nicht um bloße Kirchengeher, um Minimalisten oder religiöse Romantiker. Nur um solche, die entschlossen sind, mit ihren Kräften nach persönlicher Vollkommenheit zu streben. Darin gründet, daraufhin zielt jedes Ordensleben.

Zudem müssen es ritterliche Leute sein, die sich im Orden zusammenfinden. Männer von echter, innerer Vornehmheit, die von einer Gesinnung der Tat und Tapferkeit getragen werden und erfüllt sind; bekenntnisfreudige Menschen, die mutige, getreue Kämpfer sein wollen.

Und schließlich sollen es einflußreiche Leute sein, die der Orden zusammenführt. Menschen, die in dem Kreis, in dem sie leben und arbeiten, von Bedeutung sind, die dieserhalb und ihres Beispieles, ihres Wagemutes wegen geachtet werden.

Hier scheidet sich die Auffassung unserer Zeit vom Ritterorden der Vergangenheit, die dem Adel der Geburt die allein entscheidende Bedeutung zuschrieb, wenn sie auch den Adel der Gesinnung theoretisch gelten ließ.

Der Ritterorden von heute darf nicht darauf achten, ob der christliche Ritter von heute den Einfluß, von dem die Rede ist, als Politiker, als Arzt, als Anwalt, als Hochschulprofessor, als Bauer, als Kaufmann, als Gutsbesitzer, als Beamter oder als Industrieller besitzt und ausübt. Nur besitzen und ausüben muß er ihn.

Diese an sich verschieden gearteten, aber miteinander verbundenen Ordensmitglieder sollen zu einer brüderlichen Gemeinschaft zusammenwachsen. In dieser sollen alle Unterschiede des Charakters, der Erfahrung, des Wissens, der Tätigkeit oder der persönlichen Vollkommenheit nicht verwischt, sondern durch gegenseitige Förderung und Ergänzung zu einem harmonischen, nach innen und außen hin wirksamen Ganzen geformt werden.

Die meisten Ritterorden nahmen ihren Anfang in Bruderschaften , die sich in Hospitälern und Hospizen der Kranken und Herbergesuchenden unter den Kreuzfahrern und Jerusalempilgern annahmen.

Die Tugend der hospitalitas, der Hilfsbereitschaft, der tätigen Gastfreundschaft innerhalb der Bruderschaft gegen den Mitmenschen zu pflegen, entspricht nicht nur einer erhabenen Tradition und dem christlichen Gebot, sondern sie erfüllt die Sehnsucht des Menschen von heute.

Aus vielen äußeren und inneren Gründen haben sich mit den Wissenschaften aller Grade und den technischen Fächern aller Art auch die Menschen spezialisiert. Sie entbehren jedes inneren Zusammenhanges miteinander, der aus dem Wissen um den Anderen, um seine Beschaffenheit, seine Neigungen, seine Sorgen, seine Gedanken entsteht.

Es finden zahlreiche Unterredungen und Kongresse statt. Eine wahre Flut von Konferenzen ist über uns hereingebrochen. Diese beziehen sich aber zumeist auf rein gegenständliche Angelegenheiten, auf die alltägliche Arbeit ihrer Teilnehmer.

Aber das brückenbauende Gespräch von Mensch zu Mensch, dem eine so unschätzbare Bedeutung zukommt, ist weithin verstummt. Wo gibt es heute noch Kreise, in denen es möglich ist, sich dem Anderen mitzuteilen?

Diese innere Begegnung im Gespräch soll unser Orden seinen Mitgliedern vermitteln können. Alle, die daran teilnehmen, werden sich gegenseitig verstehen lernen.

Aus diesem gegenseitigen Verständnis ergibt sich wie von selbst die gegenseitige Information, aus dieser die notwendige und mögliche Willensübereinstimmung als unumgängliche Voraussetzung für die ebenso notwendige Zusammenarbeit. Und daraus wird ein starker Einfluß wirksam, der die Grenzen des Ordens weit überschreitet und Entscheidendes beiträgt zur Ordnung unserer Welt und wird politische Aufgaben erfüllen und in die breite Öffentlichkeit zu wirken vermögen.

Gibt es heute noch eine Gesellschaft in dem Sinn, den das Wort vor wenigen Jahrzehnten noch hatte? Gewiss nicht. Sie wurde durch geistige, wirtschaftliche und politische Umwälzungen zerstört. Was sich heute noch so nennt, hat nur noch den Namen mit der Inzwischen atomisierten Wirklichkeit von einst gemeinsam. Und doch müßten wir alles daransetzen, jenen gegliederten Organismus wieder aufzubauen, an dessen Stelle die amorphe Masse von heute getreten ist. Die Ritterschaft der einzelnen Nationen und Staaten und noch mehr der einzelnen Landschaften erscheinen geeignet und darum verpflichtet, als einer der möglichen Kristallisationspunkte in diesem gewaltigen Wiederherstellungsprozeß zu fungieren.

Der Ritterorden kann einen ausschlaggebenden Beitrag leisten, um eine von christlichen Grundsätzen getragenen und geformte Gesellschaft wiederaufzubauen, in der Standesbewußtsein und Standesehre wieder ebenso gültig und wirksam sind, wie Standespflichten und Standestugenden geübt werden. Auch darüber getraut man sich heutzutage kaum noch zu sprechen. Man fürchtet sich, damit eine „asoziale Gesinnung“ zu verraten.

Mit der Gesellschaft und ihren Werten sind auch jene ihrer Normen außer Kraft getreten, die der menschlichen Natur eine Stütze und Hilfe zu gewähren vermögen.

Die Gesellschaft hat sich nicht nur Normen gegeben und diese im großen und ganzen befolgt, sie hat auch Formen geschaffen. Heute aber ist die Formlosigkeit geradezu eine Forderung der sogenannten gebildeten Menschen geworden. Von ihrem erzieherischen Wert, von ihrem bewahrenden und stärkenden Einfluß auf Gesinnung und Haltung des Menschen wird nur ab und zu gesprochen. Im Ritterorden, der sie zu bewahren trachtet, wird der ritterliche Christ sie üben und vorleben.

Das Rittertum war immer übernational.

Die Ritterorden erst recht. Sie unterschieden wohl Mitglieder verschiedener „Zungen“, doch diese Unterscheidung war für sie ohne wesentliche Bedeutung.

Das alles sind Überlegungen, die wohl imstande sind, auch den Mann und Christ unserer Zeit von der mannigfachen Bedeutung, dem unverlierbaren Wert ritterlicher Gesinnung und ritterlichen Handelns, von den großen Möglichkeiten ritterlicher Gemeinschaft zu überzeugen. Sich nicht gleichgültig treiben zu lassen in den Strömungen der Zeit, sondern jene Werte, die uns allein noch gegeben sind, einzusetzen für die Gestaltung unserer Zukunft.

Ordenskreuz und Ordensmantel in feierlicher Rezeption zu empfangen, verkündet die damit übernommene Verpflichtung, sich für die Ziele des Ordens einzusetzen. Nur die Tat, der persönliche Einsatz entscheidet über die Berechtigung, sich Ordensritter zu nennen.

Wer des äußerlichen Effektes willen Kreuz und Mantel empfangen will, hat den Sinn einer ritterlichen Gemeinschaft missverstanden und gehört nicht in einen Orden, der das Ideengut eines Hugo von Payens und des hl. Bernahrd von Clairvaux in zeitgemäßer Form vertritt.

 

Die Tempelherren (OMCT) verpflichten sich durch feierliches Gelöbnis ihrem Wahlspruch:

NON NOBIS, DOMINE, NON NOBIS,

SED NOMINE TUO DA GLORIAM !

Nicht uns, Herr, nicht uns,

sondern Deinem Namen gib die Ehre !