Deutsche Leitlinien

Deutsche Leitbilder

Deutsche LeitlinienDie Leitbilder der Deutschen?

Am 14. Februar 1978 waren im WDR ablehnende Äußerungen zu Beruf und Leistung von einem 16jährigen Schüler einer gewerblidien Berufsschule zu hören: “…ich sehe im Leben irgendwie keinen Sinn mehr, ich habe nichts mehr richtig. an das ich glauben kann, und ich möchte eigentlich nicht in einen Beruf und da dann verenden. Ich habe die Lehre angefangen ohne eine richtige Initiative von mir aus, ohne Wollen – weil ich mußte. Und ich weiß nicht: Der ganze Staat, die ganze Bundesrepublik, die gefällt mir insofern auch nicht, weil eben die Leistung ausschlaggebend ist und nichts anderes.” Diese Äußerungen sind erschreckend, sie sind alarmierend, da sie nicht allein stehen. Eine jahrelange Verteufelung wahrer Leistungen und nur oberflächliche Definitionen des Begriffs der „Chancengleichheit” – viele verstehen darunter „gleiche Chancen bei ungleichen Leistungen” – zeigen Folgen.

Wie konnte nur der Gedanke aufkommen, daß alle Menschen bei gleichen Leistungen die gleichen Chancen haben? Am deutlichsten wird dies bei politischen Ämtern, wo Glück, die berühmte „Hemdsärmelichkeit” und viele andere plötzliche Gegebenheiten eine große Rolle spielen. Nur so ist es erklären, daß in entscheidenden Positionen oft Mittelmäßigkeit den Ton angibt. Es ist an der Zeit, gerade jungen Menschen zu sagen, daß niemals die „Gleichheit” die Menschen vorangebracht hat. Der Stolz auf die eigenen Werte und auf unter größten Schwierigkeiten erzielte Leistungen bedeute durch Jahrhunderte hindurch den Menschen mehr als das Postulat einer utopischen Gleichheit, die nur unter brutalstem Zwang und unter Abwertung des Individuums zu erreichen ist. Wer nach kurzer Zeit sein Leistungsstreben einstellt, weil anderen schneller und mehr Erfolg beschieden war, der wird zum Opfer einer falsch verstandenen Chancengleichheit.

Universitäten waren stets Stätten geistiger Auseinandersetzungen, und sie gaben jungen Menschen neben einem universalen Wissen fachliches Grundwissen zur Erlernung ihrer Berufe. Daß Universitäten heute in ihren Mauern “Wandmalereien” dulden, die nichts mehr mit der wissenschaftlichen Ausbildung der Studenten zu tun haben, ist seit Jahren zu beobachten. Einmalig scheint es aber bisher zu sein, daß die Räume der Technischen Universität Berlin vom 27. bis 29. Januar 1978 auf Antrag der Evangelischen Studentengemeinde kostenlos für ein „Treffen in TUNIX“ überlassen wurden. Dieses Treffen wurde mit einem Aufruf propagiert, in dem es heißt:

„Wir werden ein Drei-Tage-Fest feiern und wir werden bereden, wie wir die Ausreise aus dem „Modell Deutschland“ organisieren. … Wir werden beireden. wie wir das „Modell Deutschland“ zerstören und durch TUNIX ersetzen.“

In den Informationen vom 9. Juni 1978, der Notgemeinschaft für eine freie Universität , wird folgendes über die „Tu nichts” – Veranstaltung berichtet:

“Nach den Anschlägen wirkten mit das Schwulenzentrum und das Frauenzentrum Berlin, die Buback Dokumentaristen, der suspendierte Prof. Brückner, der frühere APO – Chef Cohn-Bendit, Erich Fried, der Anarchistensender Radio Alice Bologna, der Stadtindianer und die Rote Hilfe. Auf der im Programm vorgesehenen „Demonstration – vom Knast in die Innenstadt“, am Vormittag des zweiten Tages wurden zahlreiche Scheiben eingeworfen und etwa 30 Polizisten zum Teil erheblich verletzt. Eine Schwarz-rot-goldene Fahne wurde als Symbol de „Model Deutschland“ von einem Auto durch den Straßenstaub gezogen und am Kranzlereck verbrannt. … Bei einer Diskussion am Nachmittag dieses Tages entdeckte Senator Dr. Glotz in TUNIX eine neue Kultur, auf die man nicht mit Aggressionen reagieren dürfe.”

An der Veranstaltung nahmen rund 7 000 Personen teil.

Für diese Art “Kultur” könnte Monika Gaede, “Diplomsozialpädagogin”, die Kulturträgerin werden. Sie hatte am 9. Januar 1977 an der Pädagogischen Hochschule Berlin ihre “Diplomarbeit” mit dem Titel “Zur politischen Sozialisation an der Hochschule am Beispiel der Ausbildung zum Diplom-Sozialpädagogen an der Pädagogischen Hochschule Berlin” eingereicht. Die Arbeit wurde von den Professoren Hellmut Lessing und Manfred Liebel mit “gut” bewertet. Der Rektor der PH weigerte sich, die Urkunde zu Unterschreiben, und am 18. Mai 1978 verpflichtete das Verwaltungsgericht Berlin die PH Monika Gaede ein Diplom auszuhändigen. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts hätte nur der Senator für Wissenschaft und Forschung, Dr. Glotz, den Prüfungsentscheid aufheben können.

Das ist aber nicht geschehen.

Es bleibt nur zu hoffen, daß dies eine einmalige Entgleisung war, die der einst berühmten deutschen Wissenschaftlichkeit mit Hohn ins Gesicht schlägt. Die Arbeit schildert persönliche Erlebnisse der Gaede an der PH, in verschiedenen politischen Gremien und ist eine Absage an unseren Staat: “Nur im konkreten ‚Kleinkrieg’, jetzt und heute liegt die Chance die menschliche Hoffnung auf ein befriedigendes Leben tendenziell zu verwirklichen. Seid nicht bereit, euch in die bürgerlichen Abhängigkeiten und Zwänge einzufügen, rebelliert und entwickelt Alternativen zu den menschenfeindlichen Verhältnissen! Auf die eigene Kraft vertrauen! Phantasie an die Macht! Die Revolution ist möglich (Parole Mai 68 in Frankreich).” Absoluter Höhepunkt dieser “Diplomarbeit” ist der Schluß: „Und nun habe ich die Schnauze voll! Erkennt meine Wissenschaftlichkeit an oder leckt mich am Arsch! Gruß und Kuß Monika.” Behörden und ein Staat, der einst nicht letzt wegen seiner kulturellen Leistungen hoch geachtet war, die diese Arbeit annahmen, haben Schimpf und Schande auf sich geladen.

Universitäten und ihre Professoren waren lange Zeit Autoritäten. Sie zeichneten sich durch Würde und Leistungen aus. Selten haben sie es so schwer gehabt wie in unseren Tagen. Diese und andere Autoritäten zu zerstören, ist ein folgenschwerer Fehler unserer Zeit. Es geht einfach nicht an, auch den größten Unsinn, die schlimmste Herabwürdigung des Staates und grausamste Brutalitäten im Zeichen der Freiheit zu dulden und dies als Erfolg “antiautoritärer Erziehung” und freiheitlichen “Wachsen lassen” zu feiern. Sroon 1927 schrieb Professor Theodor Litt: “Wo mit diesem Programm des, Wachsen lassen wirklich Ernst gemacht wird, … da können die Wirkungen nur verheerend sein. Eine Erziehung, die allen Ernstes nichts weiter täte, als den Neigungen und Bedürfnissen des Kindes – und junger Erwachsener, d. Verf. –nachgehen, den Fragen des Kindes Antwort geben, den Beschäftigungen des Kindes Unterstützung leisten, wäre in ihrer Konsequenz nichts Geringeres als der Rückfall in die Barbarei.”

Obwohl im Grundgesetz vom 23. Mai 1949 wie in anderen Verfassungen freier Staaten klar und unmißverständlich die Grenzen der Freiheiten des einzelnen aufgezeigt sind, wurde das Ausarten der Freiheiten zur Zügellosigkeit geduldet. Diejenigen die unseren freiheitlichen Staat zerstören wollen, berufen sich auf die Freiheit. Dabei hatte es Professor Carlo Schmid am 8. September 1948 in der zweiten Sitzung des Parlamentarischen Rates als Berichterstatter für die Vorentwürfe des Grundgesetzes klar formuliert: “Es soll sich jener nicht auf die Grundrechte berufen dürfen, der von ihnen Gebrauch machen will zum Kampf gegen die Demokratie und die freiheitliche Grundordnung.” Wie viele Anschläge und Morde wären unterblieben, wenn rechtzeitig diese goldenen Worte, die Aussagen des Grundgesetzes und die entsprechenden Gesetze ohne Umschreibung beachtet worden wären! Wie viele junge Menschen, die gerade Erfahrungen sammeln wollten, wurden verhetzt, und als sie auf die falsche Bahn gerieten, nicht rechtzeitig hart und unerbittlich gebremst. Wie unermeßlich ist die Schuld eines Professors Herbert Marcuse, der völlig utopisch “Freiheit von Schuldgefühlen”, „Freiheit von unliebsamen Problemen”, “Freiheit von allem Arger”, “Freiheit von jeder Art Einordnung in soziale Ordnungsstrukturen” und die “Freiheit der Triebe” forderte.

Wer kann ermessen, wie schädlich es war, daß deutsche Politiker sich nicht mutig genug zur “Deutschen Nation” und damit auch zur Heimat vieler Menschen bekannten, die diese durch eine illusionsreiche Politik jener zunächst verloren haben? Die Nation. wurde dem Frieden untergeordnet und nur den “anständigen” Deutschen zugeordnet. So führte Willy Brandt als Bundeskanzler am 20. August 1972 aus: “Aber gemessen am Frieden, kann die Nation heute für uns nicht mehr das höchste aller Güter sein. .. Dies kann für uns nicht bedeuten. die deutsche Nation anderen zu überlassen, die mit diesem Begriff noch immer etwas meinen, das wiederholt gescheitert ist und gewiß nicht die Zukunft für sich hat. Wir dürfen die deutsche Nation – als Idee, als schwierige Realität und als künftige Möglichkeit – nicht ausspielen lassen gegen jene, die als europäisch und international verantwortliche demokratische Sozialisten diese Nation eine Zukunft in guter Nachbarschaft zu anderen sichern wolle“ Bei deutschen Menschen wird noch immer eine wichtige Voraussetzung für die Einigung Europas vermißt: die Beherzigung des Wortes, die auf den Pergamentrollen stehen, die in die Grundsteine der bisher neun ,Europäischen Schulen” eingemauert wurden:

“Jungen und Mädchen verschiedener Sprache und Nationalität nehmen an den gleichen Spielen, am gleichen Unterricht teil; so weiden sie lernen, sich zu verstehen, sich zu achten und zusammen zu leben. … Dabei werden sie die Liebe zu ihrer Heimat und den Stolz auf ihr Vaterland bewahren, in ihrer geistigen Ha1tung aber werden sie Europäer werden, wohl vorbereitet, das Werk zu vollenden, das ihre Väter begonnen haben, ein geeintes und glückliches Europa zu schaffen.“

Wie andere können Deutsche stolz auf ihre Nation, ihre Kultur und ihre Geschichte sein. Diese Geschichte bestand nicht nur aus zwölf Jahren. Die Vergangenheft, Zukunft und die Gegenwart können nur aus einer Gesamtscha der Geschichte verstanden und gestaltet werden. Es ist geradezu kindisch, wie heute das Verhalten bestimmter Personen in bestimmten Zeitpunkten aus einer verblendeten Sicht der Gegenwart beurteilt wird. Diese Fakten und die großen Dichter, Schriftsteller und Erfinder müssen endlich wieder jungen Menschen geläufig werden. Schon längst gibt es viele unter ihnen, die nur darauf warten, angesprochen zu werden. Sie haben es satt, nur in “Sack und Asche” zu gehen. Unverständlich ist es ihnen, daß deutsche Politiker immer wieder sehr schnell Forderungen der Gegner nachgeben, Sie begreifen nicht, daß bei uns viele Denkmalssockel stehen, auf denen noch der Name zu lesen ist, die Gestalt aber fehlt, Denken wir nur an Gedenksteine, die unsere Vorfahren in Dankbarkeit Fürst Otto von Bismarck widmeten. Aus seinen zahlreichen Lebensweisheiten, die richtungsweisend sind, mag uns sein Brief an Leopold von Gerlach vorn 30. Mai 1857 zum Nachdenken bringen, “Eine passive Planlosigkeit, die froh ist, wenn sie in Ruhe gelassen wird, können wir in der Mitte Europas nicht dulden, sie kann uns heute ebenso gefährlich werden, wie sie 1805 war, und wir werden Amboß, wenn wir nichts tun, um Hammer zu werden.“

Autor: Dr. Heinz Gehle
Aus der Festschrift für Dr. Heinz Gehle zum 85. Geburtstag – “Für Christentum und Vaterland