Historisches Gemäde

Die Schlacht von Montgisard (25.11.1177)

Historisches Gemäde - Schlacht von Montgisard, (25.11.1177)

Historisches Gemälde von Charles-Philipe Larivière (1798-1876)

Historische Einordnung:

Zuvor war der 2. Kreuzzug (1147 – 1149) als Mißerfolg zu Ende gegangen.

So waren in dessen Verlauf gescheitert:

  • Die Belagerung und Eroberung von Damaskus in 1148 durch das christliche Heer;
  • Weitere Eroberungen in Richtung Ägypten waren mißlungen.

Die geplante Vergrößerung des Territoriums der Kreuzfahrerstaaten war demnach nicht gelungen.

Danach entwickelte sich ein wackeliger Friede zwischen den Kreuzfahrerstaaten und den umgebenden muslimischen Staaten. Zarter Handel keimt auf, aber es gab immer wieder Scharmützel mit durchwachsenem Erfolg auf beiden Seiten.

Im Jahre 1174 geschieht eine Wendung: Balduin IV, besteigt noch minderjährig den Thron des Königreiches Jerusalem. Er leidet an Lepra, was als ein schlechtes Omen angesehen wurde. Er hat immer wieder Pech in der Schlacht davon getragen.

Parallel wird Saladin, der immer mächtiger wird, seit ca. 1170 immer erfolgreicher gegen christliche Truppen. Er hat bis zum Ende der 1170er Jahre keine großen Schlachten gewonnen, aber er versetzt Nadelstiche.

Die Kontrahenten treffen im November 1777 bei der Schlacht von Montgisard (im Süden der Kreuzfahrer-Gebiete) aufeinander, die Christen können einen Sieg erringen – unter anderem wegen des Einsatzes der Templer unter Großmeister Odo von St. Armand, aber auch der Johanniter.

Saladin flüchtet sodann geschlagen nach Ägypten. Er kehrt 1178 nach Damaskus zurück. Seine Strategie ist, von Norden die Kreuzfahrerstaaten zu bedrängen, weil dort anders als im Süden ein nicht besonders gut ausgebautes Netz an Burgen bestand. Das wollte Saladin nutzen, und verhindern, dass die Kreuzfahrer ein dichtes Netz an Burgen errichten können. Saladin obsiegte in diesem Rahmen am Ende, als historisches Ereignis kann die Schlacht an der Jakobsfurt im August 1179 gelten. Die Kreuzfahrer verloren hier.

Konkrete Vorgeschichte der Schlacht

Im Jahr 1177 hatte Philipp von Elsass, Graf von Flandern, Vermandois und Valois, auf einem Kreuzzug das Heilige Land erreicht. Er begann Verhandlungen mit Byzanz über einen gemeinsamen Angriff auf Ägypten, die aber ergebnislos endeten. Philipp begann sodann zusammen mit Truppen der Kreuzfahrerstaaten im nördlichen Syrien bei Hama und Harenc den Kampf gegen die Muslime. Nennenswerte Erfolge erzielte er nicht, es gab nur zahlreiche kleine Scharmützel. Während sich die Kreuzfahrer-Reiche im Norden des Heiligen Landes verausgabten, begann Saladin eine Invasion des Königreichs Jerusalem von Ägypten aus.

Hiervon erfuhr König Balduin IV. Er verließ mit allen verfügbaren Truppen Jerusalem und zog seinem Feind zur Stadtfestung Askalon entgegen. In Jerusalem blieben nur Zivilisten zurück. In Askalon angekommen, berief er den „Arrière-ban“ („Heerbann“) ein. Durch diesen Einberufungsbefehl, nach dem sich jeder waffenfähige Mann dem königlichen Heer anzuschließen hatte, wurde im Königreich Jerusalem nur selten Gebrauch gemacht. Seine Ausrufung deutet darauf hin, dass sich Balduin in einer verzweifelten Situation befand.

Unter den Vasallen, die Balduin begleiteten, waren

  • Rainald von Chatillon, Herr von Oultrejordain und erbitterter Gegner Saladins, der gerade aus dessen Gefangenschaft in Aleppo freigelassen worden war,
  • Balduin von Ibelin, Herr von Ramla,
  • dessen Bruder Balian von Ibelin, Herr von Ibelin und Mirabel,
  • Rainald von Grenier, Graf von Sidon,Hugo von Saint-Omer,
  • dessen Bruder Wilhelm,
  • Joscelin III., der Onkel des Königs,
  • Aubert, der Bischof von Betlehem, der das „Wahre Kreuz“ mitführte.

Ebenso dabei war ein

  • Kontingent des Johanniterordens;
  • ein größeres Kontingent des Templerordens unter ihrem Großmeister Odo von St. Amand.

Dieser stieß auf seinem Marsch nach Askalon auf das Hauptheer Saladins und zog sich nach Gaza zurück.

Saladin rückte mit seinem Heer über al-Arisch an, wo er die schweren Wagen seines Trosses zurückließ. Von dort marschierte er vorbei an der Templerfestung Gaza, die er ignorierte, die aber auch der Heerzug Saladins nichts entgegen zu setzen hatte.

In Askalon traf Saladin am 22. November ein.

Datum und konkreter Ablauf der Schlacht

1. Truppenstärke

Kreuzfahrer:
Ca. 3.000 Kämpfer
Ca 500 Ritter, darunter
Ca. 80 Tempelritter unter Odo von St. Amand
Ca. 40 Johanniter

Heer der Muslime:
Ca. 26.000 Mann

2. Verluste

Kreuzfahrer:
Ca. 1.100 Tote, 750 Verwundete

Muslime:
Ca. 20.000

3. Konkreter Ablauf

Balduin IV., der Askalon vor Saladin erreichte, ließ sein Heer vor Askalon zur Schlacht aufstellen, zog es aber wieder hinter die Mauern zurück, als klar wurde, dass das Heer Saladins um ein Vielfaches (ca. Zehnfaches) größer war als seines.

Saladin erkannte, dass Balduins Heer keine Bedrohung für ihn darstellte. Er ließ von einer Belagerung Askalons ab, und wandte Balduin den Rücken zu. Er wähnte Jerusalem ungeschützt (was ja zutraf) und marschierte in Richtung Jerusalem weiter, in der Erwartung, dass Balduin ihm mit so wenigen Männern nicht zu folgen wagen würde. Er hoffte auf einen leichten Sieg in Jerusalem.

Das war ein Fehler.

Gemäß Wilhelm von Tyrus, einem berühmten Chronisten, umfasste Balduins Heer insgesamt nur 375 Mann aller Ränge. Das stimmt nicht, denn die Johanniter bezifferten allein die christlichen Toten und Verwundeten der Schlacht mit dem Fünffachen dieser Zahl. Die Stärke von Saladins Heer gibt Wilhelm von Tyrus mit 26.000 Mann an- was stimmen dürfte.

Saladins Heer fächerte sich auf der Reise nach Nordosten Richtung Jerusalem weit auf und plünderte die fruchtbare Küstenebene des Hinterlandes. Unterwegs stießen sie auf kleinere Abteilungen christlicher Fußsoldaten, die als Teil des Heerbanns auf dem Weg zum König nach Askalon waren. Diese wurden gefangen genommen und sollten als Sklaven verkauft werden.

Saladins Heer war als Einheit nicht mehr vorhanden: Die einzelnen Truppenteile Saladins Vorhut besetzte die verlassene Siedlung Ramla, deren Bevölkerung nach Jaffa geflohen war, und brannte mehrere Siedlungen nieder.

Anschließend griffen sie Lydda an, wo sich die Bevölkerung in der festungsartigen St. Georg-Kathedrale verschanzte und belagert wurde.
Jerusalem selbst war aber seit Jahrzehnten nicht mehr bedroht worden. Zwei Nachteile waren zu befürchten: Die Stadtmauern befanden sich in einem vernachlässigten Zustand, und es gab kaum Truppen vor Ort, denn diese waren bei Balduin IV in Askalon.

Saladin hoffte auf einen leichten Sieg. Er verließ sich so sehr auf seine Einschätzung, dass Balduin IV. Askalon nicht verlassen werde, dass er keine Soldaten zurückließ, um Balduin IV. dort zu blockieren oder zumindest seine Bewegungen zu beobachten. Er hatte gesehen, dass sein Heer dem von Balduin IV. nahezu zehnfach an Zahl überlegen war und dachte, dass dieses Heer keine Bedrohung darstellen könnte.

Das ermöglichte Balduin IV. folgende Handlungen: Er konnte unbemerkt von Saladin Askalon verlassen, sich sodann mit den Templern aus Gaza, die Saladin wenige Tage zuvor ignoriert hatte, vereinigen und sich mit ihnen gemeinsam zunächst nordwärts entlang der Küste, dann ostwärts den Brandspuren des gegnerischen Heeres folgend, zu einem Überraschungsangriff formieren.

Am 25. November 1177 hatte Saladin mit seiner Hauptarmee die Hügel von Montgisard ca. 5 km südöstlich von Ramla erreicht.

Saladin und seine Truppen waren sich eines Sieges gegen Jerusalem sicher:

  • Sie hatten die zahlenmäßig massiv kleinere Armee von Balduin IV. gesehen und als nicht gefährlich eingeschätzt.
  • Sie wähnten diese Truppen eine gute Tagesreise hinter sich, verschanzt in Askalon.
  • Sie dachten nicht, dass die Templer in Gaza sich zu den Truppen von Balduin dazu gesellten.
  • Saladin ließ seinen Männern „freie Hand“ bei Plünderungen im Umland, seine Armee war nicht formiert und zerstreut.

Die versammelten Truppen von Saladin waren gerade dabei, einen kleinen Fluss zu überqueren, als sie völlig unerwartet vom christlichen Heer mit den schwer gepanzerten Rittern, insbesondere den Tempelrittern, überrascht wurden.

Zwar war Saladins Heer zahlenmäßig noch immer weit größer, aber nicht für Kampfhandlungen einsatzbereit, weshalb Saladin den Vorteil seiner zahlenmäßigen Überlegenheit nicht voll ausspielen konnte.

Das führte zu folgenden Ereignissen:
Die Christen trafen Saladins Herr unvorbereitet und setzten zum Sturmangriff an, noch bevor er seine Truppen in einer Schlachtaufstellung formieren konnte. Rainald von Chatillon führte den Hauptteil der christlichen schweren Kavallerie zu einer wuchtigen Attacke in Saladins Zentrum,[ während dessen rechter und linker Flügel noch dabei waren, ihre Position einzunehmen. Die Muslime, auch die Mameluken, Saladins persönliche Garde, wurden völlig überrumpelt und in die Flucht geschlagen.

Saladin selbst konnte nur knapp entkommen.

Hinzu kam:
Die christlichen Gefangenen aus dem Heerbann, sämtlich Kämpfer, nutzten die allgemeine Verwirrung, um sich zu befreien und überwältigten die Wachen des muslimischen Trosses.

Damit hatten die Kreuzfahrer auf einen Schlag unerwartete Verbündete, Saladins Männer unerwartet noch mehr Gegner.
Die Schlacht hatte erst am Nachmittag begonnen, so dass bald die Dunkelheit der Nacht die fliehenden Muslime umgab. Dies erleichterte einerseits deren Flucht, machte es Saladin aber andererseits unmöglich, sie zusammenzuhalten und zu formieren.

Nach der eigentlichen Schlacht war es Balduin IV. leicht möglich, die verstreuten Männer Saladins, die plündernd und unkoordiniert Richtung Jerusalem marschierten und zum großen Teil nichts von der Niederlage mitbekommen hatten, nach und nach zu stellen und gefangen zu nehmen bzw. zu töten.

4. Folgen der Schlacht

Am nächsten Tag begannen heftige Regenfälle, die ca. zehn Tage anhielten und Saladin daran hinderten, sein Heer wieder wirksam zu sammeln. Die Kreuzfahrer verfolgten ihn bis Askalon, während Saladin nach Süden, zurück nach Ägypten, floh. Nur noch mit einem Zehntel seiner Armee erreichte Saladin am 8. Dezember 1177 Kairo.
Die Schlacht war ein überwältigender Sieg der Kreuzfahrer. Als das Königreich Jerusalem schon verloren schien, wurde es durch die bemerkenswert mutige Führung des damals gerade sechzehnjährigen und schon von Lepra gezeichneten Königs Balduin IV. gerettet.

Die winzige Armee der Christen hatte Saladin eine verheerende Niederlage zugefügt.

Sie waren allerdings zum Handeln gezwungen: Jerusalem wäre wohl verloren gegangen, wenn das Heer der Kreuzfahrer nicht gesiegt hätte oder in Askalon verblieben wäre.

Die Orden insb. der Templer und der Johanniter, die die schwere Kavallerie stellten, konnten ihren Ruf als extrem schlagkräftige Kämpfer festigen.

Weder König Balduin IV. noch sein Heer zweifelten daran, dass sie den Sieg nur einem Eingriff Gottes zu verdanken hatten. Bald tauchten Berichte auf, der heilige Georg, dessen Kathedrale in Lydda während der Schlacht von Saladins Vorhut belagert worden war, sei auf dem Schlachtfeld an der Seite der Christen kämpfend gesehen worden.

Zum Dank für den Sieg errichteten die Kreuzfahrer zu Gottes Ehren ein Benediktinerkloster auf dem Schlachtfeld, das der heiligen Katharina von Alexandria geweiht wurde, deren Gedenktag am Tag der Schlacht begangen wird.

Obr. Miles Bäßler – Komtur Rhein-Ruhr

Quellen:

  • „Die Templer“ von Dan Jones, 1. Aufl. 2019