Dr. Edmund Sawall (3. Juli 1927 – 11. Oktober 2011)

Nachruf

Der ORDO MILITIÆ CRUCIS TEMPLI – Tempelherrenorden, Deutsches Priorat nimmt Abschied von seinem Altprior und Ehrenringträger, dem Ordensbruder Dr. Edmund Sawall, der am 11.10.2011 im Kreise seiner Familie verstorben ist. Die Beisetzung fand am 17.10.2011 in seiner Wohnortgemeinde Hirschlanden in Ditzingen statt. Die Ordensbrüder sind zur Ehrenwache angetreten und verharren noch immer in tiefer Trauer in Erinnerung an einen großen Menschen und dessen herausragende Verdienste, die er sich in über 24 Jahren Mitgliedschaft im Tempelherrenorden erworben hat.

Unser Ordensbruder Edmund wurde am 03.07.1927 als Sohn eines praktischen Arztes geboren. Mit den meisten männlichen Angehörigen seines Jahrgangs teilte er die Schicksalsgemeinschaft als Luftwaffenhelfer, beim Arbeitsdienst und als Soldat bei der Panzertruppe. Nach dem Krieg arbeitete Edmund Sawall zunächst als Bau- und Industriearbeiter, konnte dann aber ab 1948 sein Studium an der Technischen Hochschule Stuttgart in Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften aufnehmen, das er mit Diplom und der Promotion zum Dr. rer. pol. abschloss. Als politischer Mensch war Edmund Sawall schon in der studentischen Selbstverwaltung aktiv und gegen Ende seiner Studienzeit dann Vorsitzender des Verbandes Deutscher Studentenschaften. 1954 trat er in die industrielle Praxis ein und übernahm leitende Funktion. Von 1968 bis zum Eintritt in seinen aktiven Ruhestand 1992 war er Vorstandsmitglied und Vorstands- vorsitzender in namhaften großen internationalen Unternehmen der Elektroindustrie.

Unser Ordensbruder war Dr. Edmund Sawall seit seiner Rezeption im Jahre 1987. Bereits 1989 übernahm er das Amt des Vizekanzlers und gründete unsere bis heute in der deutschen Ordenswelt einmalige und weit über den Kreis der Ordensritter hinaus geschätzte Ordenszeitschrift NON NOBIS. Schon drei Jahre nach seiner Rezeption, im Generalkapitel des Jahres 1990, wurde Dr. Edmund Sawall zum Prior des Deutschen Templerpriorates gewählt. Sein fünfjähriges Priorat war gekennzeichnet von einem Weg in die Öffentlichkeit, der Verbesserung der Verbindung zu befreundeten Ordensgemeinschaften und zu den christlichen Kirchen. Nur schweren Herzens verzichtete er 1996 auf eine weitere Kandidatur zur Wiederwahl, weil sich damals schon erhebliche gesundheitliche Probleme abzeichneten, insbesondere er einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte und danach eine erste Krebsoperation überstehen musste.
Dennoch waren Edmund seine Templer weiterhin herausragend wichtig. Auch über seine Amtszeit hinaus prägte er mit seinen Veröffentlichungen die Bildung der Ordensbrüder nach innen in Fragen der Ökumene, der zukunftsweisen- den Gesellschaftspolitik, zum Verhältnis von Religion und Nation und Fragen der christlichen Verantwortungsethik in moderner Zeit. Besonders herauszuheben ist die erste richtungsweisende Buchveröffentlichung des Ordens 1998 unter dem Titel „Rittertum in der Postmoderne“ sowie die 1999 entstandene Sammlung „Qualität des Lebens“, die ebenfalls in Buchform herauskam.
Noch im letzten Jahr gab er eine Festschrift zum 85. Geburtstag für unseren Ordensbruder Dr. Heinz Gehle heraus. Auch mit internen Arbeitspapieren und mit Rat und Tat stand Edmund Sawall dem Orden jederzeit zur Verfügung. Er hatte wesentlichen Einfluss auf die Ausrichtung unseres Generalkapitels im September im Kloster Schöntal, und seine Pläne reichten weit hierüber hinaus bis in das Jahr 2014, auf das 50. Jubiläumsfest des Ordens in seiner jetzigen Gestalt, die er nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden hat.
Tradition war unserem Ordensbruder Edmund wichtig. Er ist maßgeblicher Initiator für die Schaffung eines eigenständigen Ordensarchivs mit Bibliothek im Schloß Flehingen im Bereich unserer Komturei Rhein Neckar, der Edmund Sawall in den letzten Jahren nach einer Aufteilung der Komturei Baden-Württemberg in zwei Gebietsteile angehörte. Aus diesem Archiv heraus entstand auch in diesem Jahr auf seine Initiative eine bemerkenswerte Ausstellung, an der auch sein Sohn, Herr Hartmut Sawall, selbstlos mitgearbeitet hat. Die Traditionspflege war bei Ordensbruder Edmund allerdings niemals Selbstzweck. Die Quellensammlung zur Ordensgeschichte oder zur Entwicklung ordensspezifischer und gesellschaftspolitischer Themen war ihm immer nur Fundament für eine Weiterentwicklung unserer Ordensgemeinschaft, auf deren Wirksamkeit in die Gesellschaft er hoffte und vertraute. Ordensbruder Sawall war als bekennender Christ getrieben von der Aufgabe, die christliche Prägung unserer Kultur und des Abendlandes insgesamt zu verteidigen und die Substanz unseres deutschen Volkes zu erhalten. Uns allen war er dabei durch seine charismatische Ausstrahlung, seine persönliche Integrität und sein glaubwürdiges Vorbild stets eine Leitfigur.

Dies alles und noch viel mehr, was Dr. Edmund Sawall geleistet hat, hat die Ordensversammlung im Jahre 2006 veranlasst, die höchste Auszeichnung, die der Orden zu vergeben hat, einen Ehrenring in Gold, an Ordensbruder Dr. Edmund Sawall als ersten Träger zu verleihen. Niemand hat diese Auszeichnung mehr verdient. Dabei ist es ihm in der ihm eigenen Bescheidenheit und Zurückhaltung äußerst schwergefallen, die Ehrung überhaupt anzunehmen. Selbstdarstellung und Überheblichkeit waren ihm völlig fremd. Gerade darum war die Entscheidung, ihn, unseren Altprior, mit einer außergewöhnlichen und einzigartigen Ehrung zu bedenken, völlig richtig. Zuweilen ehrt eben auch der Ausgezeichnete den Ehrenpreis, nicht umgekehrt.
Wir danken Edmund Sawall aufrichtig für alles, was er für seine Nächsten, seine Familie, unser aller Vaterland und den Orden geleistet hat. Was Dr. Sawall im Orden vorgelebt hat, war ihm auch im sonstigen Leben Richtschnur und Aufgabe. Unzählige anderweitige gesellschaftspolitische Engagements hat er über lange Jahre verfolgt, wenn ihm auch das Eintreten für unseren Orden das Wichtigste war.

Daneben ist es Dr. Edmund Sawall aber gelungen, mit seiner lieben Frau eine glückliche Ehe zu führen, aus der Kinder, Enkel- und Urenkelkinder hervorgegangen sind. Sie hatten für ihn die größte Bedeutung. Bei allem Schmerz, den wir als Tempelritter über den unwiederbringlichen Verlust empfinden, den Edmund Sawall für uns als Ordensbruder und vielen von uns inzwischen auch als guter Freund darstellt, müssen wir besonders an seine Angehörigen denken. Wir können Sie nur trösten, indem wir auf Obr. Edmunds unbeugsamen Glauben hinweisen. Noch eine Woche vor seinem Abschied schrieb der Verfasser dieses Nachrufs ihm sinngemäß in einem langen persönlichen Brief, dass wir letztlich beide wissen, dass unser Leben und unsere Gesundheit am Ende nur in Gottes Hand liegen. Wir haben für dessen Einsehen und Gnade gebetet und wissen freilich nicht, wovor Gott unseren Ordensbruder Edmund bewahren wollte, indem er ihn nun dennoch abberufen hat.

Unser Glaube an Gott gibt uns keine eindeutigen Antworten auf unsere Fragen nach dem „Warum“. Aber unser Glaube vertraut darauf, dass Gottes Gerechtigkeit, die wir auf Erden nur unvollkommen und widersprüchlich erleben, in seinem zukünftigen Reich endlich vollkommen und für alle Menschen sichtbar und erfahrbar sein wird. Unsere schrecklichen Erfahrungen mit dem Tod, ja, unser Tod selbst, sind nicht das letzte Wort über uns und unser Leben. Das Kreuz unseres einen Meisters und Erlösers Jesus und seine Auferstehung versprechen: Das Leben, das Gott uns schenkt, ist stärker als der Tod. Unser Tod auf der Erde ist gleichzeitig das offene Tor zu einem neuen Leben in Gottes Reich. Dort werden wir wieder mit dir, lieber Obr. Edmund Sawall, vereint sein und uns grüßen, wie ich dich mit diesem Nachruf im Namen des ganzen Ordens verabschieden möchte: Mit unserer Losung nach dem ersten Vers des 115. Psalms: Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!

Hans-Joachim Baumbach
– Prior –