Dr. phil. Heinz H. Gehle (*08. Mai 1925 † 10. Januar 2018)

Dr. Heinz Gehle

Dr. Heinz Gehle – Vortrag Frühjahreskonvent 2016

Am 08. Mai 1925 wurde unser geschätzter Ordensbruder Dr. phil. Heinz H. Gehle auf Grube Marga im Kreis Calau geboren und besuchte die Grundschule in Senftenberg in der Niederlausitz südlich des Spreewalds. Im März 1943 erwarb er dort die Hochschulreife, musste jedoch den Rest der Kriegszeit zunächst bei der Marine zubringen.

1946 nahm Heinz Gehle dann sein Studium der Romanistik, Anglistik, Hispanistik und Geschichte an der Universität Leipzig auf, wo er bereits 1949 das wissenschaftliche Staatsexamen in drei Fächern ablegte.

Im Juli 1950 flüchtete Heinz Gehle in den freien Westen und führte sein Studium an der freien Universität Berlin fort, wo er bei Prof. Fritz Neubert am 25.05.1951 über „Hardy und Cervantes“ promovierte.

Mit Beginn der 60er Jahre siedelte Heinz Gehle nach Bonn um, wo er als Presse- und Auslandsreferent und als Generalsekretär des internationalen Komitees zur Verteidigung der christlichen Kultur tätig war. 1967 bis 1990 arbeitete Heinz Gehle für den Internationalen Jugendaustausch und Besucherdienst der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB).

Nicht nur sein berufliches Leben, sondern auch sein privates Hauptinteresse widmete Heinz Gehle der wissenschaftlichen Arbeit.

So schrieb er unter anderem über Pierre Corneille und Jean Cocteau, mit dem ihn eine lange Brieffreundschaft verband. Wie ein roter Faden zog sich dabei der immer wieder geäußerte innige Wunsch nach Einheit in Freiheit für das deutsche Volk durch sein gesamtes publizistisches Werk. Als genauer Beobachter und unbestechlicher Chronist der Ereignisse sammelte er immer wieder Aussagen der Auslandspresse und der ausländischen Politik zur Mauer und zur Teilung Deutschlands in Handreichungen wie „Die Welt klagt an“ oder „Symbol des Unfriedens“. Zahlreiche Artikel erschienen im Ostpreußenblatt, dem Deutschlandjournal, aber auch in unserer Ordenszeitschrift NON NOBIS und vielen anderen Zeitschriften.

1978 wurde Dr. Heinz Gehle im Tempelherrenorden rezipiert. 1996 berief ihn die Ordensregierung in den Ordensrat und ernannte ihn zum Ordenshistoriker, eine Aufgabe, die er unermüdlich bis zum Jahr 2005 wahrgenommen hat. Bei den Frühjahrskonventen im Haus Schlesien war er stets als Referent und Diskussionsteilnehmer eine tragende Säule unserer Bildungsarbeit im Orden. Zuverlässig begleitete er die Generalkapitel unserer Ordensgemeinschaft mit historischen Betrachtungen, die ihren Anknüpfungs- und Ausgangspunkt oftmals am Tagungsort nahmen.

Eine Konstante in der gesamten publizistischen Arbeit von Heinz Gehle war zweifellos die aus der Erfahrung mit dem kommunistischen Unterdrückungssystem geborene Erkenntnis, dass dem weltweiten Machtstreben totalitärer Ideologien, gleich ob sie in politischer oder religiöser Gewandung daherkommen, nur mit einem klaren Begriff von der Freiheit des Menschen aufgrund seiner Würde als Gottesgeschöpf  entgegengetreten werden kann.

Für einen Wissenschaftler bediente er sich dabei einer erfreulich klaren und verständlichen Sprache. Er hat dies einmal so begründet: „Die Kommunisten haben sich immer einer Fülle von Fremdworten bedient, um ihre wahren Absichten dahinter zu verbergen.“

Der Umstand, dass Deutschland in der Mitte Europas in unblutiger Revolution die Berliner Mauer gestürzt und seine Einheit, wenngleich unter schmerzlichen Gebietsverlusten, wiedergefunden hat, mag zum wesentlichen Teil der in den Kirchen Mitteldeutschlands geborenen friedlichen Bürgerbewegung zu danken sein, aber auch diese wäre sicher nicht erfolgreich gewesen ohne starke Unterstützer im Westteil des Landes und unter unseren Verbündeten. Hier war durch eine in der Minderheit befindliche Zahl von Politikern, Verbandsvertretern und Publizisten, zu denen auch Heinz Gehle an vorderster Front zu zählen ist, das Bewußtsein für die Notwendigkeit der Wiedervereinigung aufrechterhalten worden, dies gegen alle Anfeindungen, Verleumdungen und Schmähungen.

Am 01. September 2012 wurde Heinz Gehle auf Vorschlag der Ordensregierung und auf einstimmigen Beschluss des Ordensrates der Ehrenring des OMCT auf Lebenszeit verliehen.

Heinz Gehle lebte mit seiner Frau, die als hilfreicher Geist den überwiegenden Teil seiner publizistischen Arbeit an der Schreibmaschine transkribiert hat, im östlichen Westfahlen bei guter Gesundheit und mit weiterhin wachem Geiste, bis zu seinem Todestag am 10. Januar 2018, an dem er im hohen Alter von 92 Jahren im Kreise seiner Familie verstarb.

Der OMCT gab aus Anlass seines 85. Geburtstages eine Festschrift mit dem Titel „Für Christentum und Vaterland“ heraus und dankte ihm mit der Herausgabe einer Anthologie von 22 wissenschaftlichen Aufsätzen und Vorträgen, die er bis zu diesem Zeitpunkt für den Orden erarbeitet hatte.

In dieser Festschrift würdigt der Ordo Militiae Crucis Templi – Tempelherrenorden, Deutsches Priorat e.V., sein langjähriges Mitglied, und seinen verdienstvollen Ordenshistoriker, um sein umfassendes Schrift- und Vortragswerk für unsere Gemeinschaft zu würdigen.

Wir danken Heinz Gehle für seinen jahrelangen unermüdlichen Einsatz für Deutschland und Europa, den Glauben und die klitterungsfreie Darstellung der historischen Wahrheit.

Der OMCT ist stolz darauf, mit Dr. Heinz H. Gehle einen Ordenshistoriker und vielfachem Festredner, einen heraus­ragenden Kopf der philosophisch geprägten und politisch erfahrenen Historikerzunft, über 39 Jahre in seinen Reihen gehabt zu haben.

Requiescat in pace, lieber Ordensbruder Heinz!