Eine Mahnung aus Hannover

Erklärung des OMCT vom 44. Generalkapitel in Hannover

Das 44. Generalkapitel des Ordo Militiae Crucis Templi – Tempelherrenorden, Deutsches Priorat e.V. – vom 10.-12. September 2010 in Hannover wendet sich mit folgender Mahnung an alle Menschen, die sich den allgemeinen Menschenrechten verpflichtet fühlen und in Frieden leben wollen:

,,Andere Sitten haben sich eingebürgert, die Tage und die Gewohnheiten der Menschen haben sich geändert, und gefahrvolle Zeitverhältnisse stehen uns nicht mehr bevor, sondern bestehen bereits. Betrug, Tücke und Gewalt haben sich auf Erden breitgemacht. Verleumder gibt es viele, doch wenige Verteidiger, überall unterdrücken die Größeren die Geringeren; wir können die Bedrängten nicht im Stich lassen und den Rechtsanspruch denen nicht verweigern, die Un­recht erleiden.”

In schwerer Zeit richtete sich der heilige Bemhard von Clair­vaux (1090-1153) mit diesen Worten an seine Mitbürger.

Heute sind die von ihm erwähnten Untugenden und Verbrechen ebenso zu beklagen. Dazu kommt, dass Gewalt, Habgier, Hass, Neid und Terror in bisher nicht geahnter Art und Weise die Menschen bedrohen. Opfer werden in großer Zahl immer wieder Menschen, die wahllos und ohne Schuld hingemordet werden.

Die Weltöffentlichkeit darf diese Entwicklung nicht tatenlos hinnehmen. Wer Gewalt anwendet, um seine Ziele zu erreichen, verliert jeden Rechtstitel und darf nie auf Unterstützung rechnen.

Christen und ihre Wortführer sind aufgerufen, sich auf die Zehn Gebote zu be­sinnen und für ihre Befolgung einzutreten. Dann wird Gott verehrt und auf sein Wort gehört. Vater und Mutter werden geachtet. Töten und Morden werden un­tersagt und falsches Zeugnis – also die Lüge – angeprangert. Die Familie und das Eigentum stehen unter Schutz. Die Devise für alle Christen lautet: Glaube, Hoffnung und Liebe. Im täglichen Leben sind sie aufgefordert: ,,Fürchtet euch nicht!”

Mehr denn je sind heute auch die Menschen daran zu erinnern, dass sie in einer Gemeinschaft – der Nation, wo sie geboren sind – leben. 

Damit wird deutlich, was es bedeutet, wenn ihnen die Heimat genommen wird. Die Heimat und das Vaterland geben die notwendige Kraft, auch Schwierigkeiten großen Ausmaßes zu überwinden. Wer einem internationalen Gremium beitritt kann nur bestehen, wenn er sich auch stolz zu großen Leistungen seines Landes in der Vergangen­heit und in der Gegenwart bekennt.

Ständige Selbstanklagen machen den Einzelnen und ganze Völker zum Spielball fremder Interessen. Es geht um das Bemühen, alle Menschen mit ihren Eigenar­ten, aber auch mit ihren Schwächen zu verstehen. Kaum ein Land kann eine Ge­schichte ohne jeden Makel aufweisen. Gleichmachereien mit Einflüsterungen oder sogar mit Gewalt gefährden nicht nur den Frieden, sie beeinträchtigen auch jedes Leistungs­streben. Der Ruf nach Bildung darf sich nicht vor allem auf die Kosten für neue Gebäude und die Ausgestaltung der Räume beziehen. Es geht darum, jungen Menschen bildende Inhalte zu vermitteln und ihnen zu zeigen, wie sie durch die Beachtung von Grundsätzen, die sich über Generationen hin­weg bewährt haben, ihren Lebenskampf bewältigen können. Sie werden für jede Wegweisung dankbar sein. Dazu gehört auch die unübersehbare Tatsache, dass jeder Mensch und jede Gruppierung verschiedenster Art zum Gedeihen und Wohlstand der Gemeinschaft beitragen kann. Sie alle sind Rädchen und Räder in einem großen Räderwerk, das durch rücksichtslosen Egoismus zerstört wird.

Stets gab es Denker, Dichter, Politiker und Philosophen, die zur Befolgung grundsätz­licher Tugenden aufriefen, und sie werden es auch weiterhin tun: Be­sonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Denken bevor gehandelt wird. Zum Wohler­gehen des Staates gehört auch: Achtung der Empfindungen anderer, Bescheidenheit, Objektivität, Sinn für Ordnung, Pflichtgefühl und Tole­ranz, die ihre Grenzen kennt und sich um das gegenseitige Verstehen bemüht.

Die Demokratie ist ohne Meinungsfreiheit, die sich selbst begrenzt, nicht denk­bar. Niemand darf daran gehindert werden, seine Gedanken frei auszusprechen. Medien der verschiedensten Art sind daran zu messen, ob sie der Wahrheit die­nen oder ob sie durch Schlagworte und schmückende Beiworte bewusst die Würde von Mitmenschen und ihre Ehre antasten. 

Über allen Grundsätzen und Bemühungen des Einzelnen und von Gruppen sollte die Verantwortung für die Gemeinschaft stehen.

Der Orden bedankt sich bei den zahlreichen Menschen, die im Dienst oder frei­willig schon längst beherzigen, was Antoine de Saint-Exupery (1900-1944) in herrliche Worte kleidete: ,,Mensch sein heißt: Verantwortung fühlen, sich schä­men beim Anblick einer Not, auch dann, wenn man selber spürbar keine Mit­schuld an ihr hat, und persönlich einen Stein betrachten im Bewusstsein, mitzu­wirken am Bau der Welt. Verantwortlich sind wir alle.”