Templer Gottfried von Bouillon

Gottfried von Bouillon – das Idealbild eines christlichen Ritters

Gottfried von Bouillion
Gottfried von Bouillon – „Beschützer des Heiligen Grabes“

Gottfried von Bouillon wurde 1060 geboren als Sohn Graf Eustachs II. von Boulogne und Idas, Tochter Herzog Gottfrieds III. von Niederlothringen. Über seine Mutter stammte er von Karl dem Großen ab. Seit 1087 war Gottfried von Bouillon Herzog von Niederlothringen und übernahm begeistert den Kreuzzugsgedanken. Er verkaufte alle seine Güter einschließlich der Stammburg Bouillon und führte seinen Teil des Kreuzzugsheeres über Ungarn ins Heilige Land. Während andere Teile über Slawonien, Italien und die Adria das Heilige Land erreichten. Am 7. Juni 1099 lag das Kreuzfahrerheer vor Jerusalem, das in der Hand der ägyptischen Fatimiden war. Nach fünfwöchiger Belagerung und zweitägigem Sturm fiel die Stadt am 15. Juli in die Hände der Christen.
Gottfried von Bouillon errichtete gegen den Willen des Klerus, der ein kirchliches Gemeinwesen schaffen wollte, das christliche Königreich Jerusalem. Er selbst nahm aber nicht den Königstitel an, sondern nannte sich „Beschützer des Heiligen Grabes“, denn er wollte nicht dort eine Krone tragen, wo einst Christus die Dornenkrone trug. Im August 1099 besiegte er in der Schlacht von Askalon ein überlegenes Heer des Sultans von Ägyptern. Am 18. Juli 1100 starb Gottfried von Bouillon in Jerusalem an einer pestartigen Erkrankung. Möglicherweise wurde er von seinen muslimischen Gegnern vergiftet, denn die Krankheitssymptome traten nach einem Festmahl beim Emir von Caesarea das erste Mal auf. Gottfried von Bouillon wurde in der Kirche des Heiligen Grabes, in der Nähe des leeren Grabes, beigesetzt. Zu seinem Nachfolger hatte er bereits zu Lebzeiten seinen jüngeren Bruder Balduin (I.) bestellt. Legenden verklärten Gottfried zum Idealbild eines christlichen Ritters mit Vorbildfunktion wie Karl der Große und König Artus.

Die Ausschmückung seines Lebens inspirierte Maler, Dichter und Komponisten. Mit Gottfrieds Schwert soll Jeanne d´Arc, die Jungfrau von Orleans, ihre Siege errungen haben. Der italienische Renaissancedichter Torquato Tasso setzte ihm in dem Kreuzzugsepos „Das befreite Jerusalem“ 1581 ein literarisches Denkmal, dessen Erfolg und Einfluß bis in die Romantik fortlebte. 1711 erlebte die Kreuzzugsoper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händels in London ihre triumphale Uraufführung; sie schildert die Auseinandersetzung mit der Zauberin Armida, die Gottfrieds Tochter Almirenda töten will.

Die Stadt Bouillon mit ihren 6.000 Einwohnern und dem Stammschloß der Herzöge von Bouillon liegt heute im Südwesten der belgischen Provinz Luxemburg. Das Herzogtum Bouillon wurde 1096 an das Bistum Lüttich verpfändet, wurde 1795 französisch, 1814 niederländisch und ist seit 1837 belgisch.

(H.-J.R – Quelle NN Dez 10)