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Grußwort des Priors – NON NOBIS 2016

Liebe Ordensbrüder, sehr verehrte Leserinnen und Leser,

wie immer zum Jahresende überreichen wir Ihnen die aktuelle Ausgabe unserer Ordenszeitschrift NON NOBIS. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Verfasser dieses Grußwortes wünscht allen Lesern besinnliche Festtage. Wir hoffen, dass der Weihnachtsfriede in der Zeit ab Drucklegung dieses Heftes bis zum Eingang bei Ihnen friedlich verlaufen ist und unsere inzwischen durch Betonpoller geschützten Weihnachtsmärkte störungsfrei ablaufen konnten.

Der Duft von Weihnachtsgebäck, Apfel, Zimt und Mandeln sowie ein leckerer Weihnachtspunsch versetzen uns doch alle zurück in die Tage unserer Jugend und lassen uns freudig auf die Ankunft des Gottessohnes warten, dessen Geburt wir in der Heiligen Nacht feiern wollen.

Hinter den Christen in Deutschland liegt ein besonderes Jahr. Selbst diejenigen Menschen, die von Kirche und Glauben Abstand genommen haben, wurden auf allen Kanälen an den 500. Jahrestag der Reformation erinnert. Auch unsere Ordensgemeinschaft hat sich mit der Reformation intensiv auseinandergesetzt. Insbesondere haben wir eine eigene Stellungnahme zur Ökumene verfasst und an die Vertreter der beiden großen Konfessionen in Deutschland appelliert, unserer bereits im Jahr 2004 geprägten Doppelformel „den Papst als Sprecher der Christen ehren!“ und „Luther aus dem Bann!“ folgen zu wollen.

Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Vertreter der beiden christlichen Kirchen insbesondere durch die fruchtbare Zusammenarbeit des Ratsvorsitzenden der EKD Bischof Bedford-Strohm und von Kardinal Reinhard Marx in großen Schritten vorangekommen sind, wenn es darum  geht, die Kirchenspaltung zu überwinden. Dass dies nicht einfach mit einem Federstrich getan ist, war allen Beteiligten zweifellos klar. Die großen Kirchentagsveranstaltungen des hinter uns liegenden Jahres haben aber den Angehörigen beider Konfessionen viele Gelegenheiten gegeben, füreinander Verständnis zu entwickeln, miteinander zu beten und christliche Gemeinschaft über die Konfessionsgrenzen hinaus zu erleben, wie dies in unserer Ordensgemeinschaft bereits seit ihrer Renovatio im ökumenischen Geiste gelebt wird.

Die politische Lage hingegen gibt – wie bereits in den vergangenen Jahren – wenig Anlass zur Freude. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Grußwortes ist es den verantwortlichen Parteiführern der im September in den Deutschen Bundestag gewählten Parteien noch nicht gelungen, eine stabile Bundesregierung mit einem richtungsweisenden gemeinsamen Koalitionsprogramm zu bilden. Unser Land steht vor erheblichen Herausforderungen, wegen derer eine Führungsschwäche nach innen und außen völlig inakzeptabel ist.

Die an dieser Stelle und auch in unserem Ordensleben immer wieder diskutierten Probleme sind nicht weniger geworden. Vielmehr erkennen wir eher noch neue Themenfelder, die die Notwendigkeit geistigen Geleitschutzes noch dringlicher erscheinen lassen. Der technologische Fortschritt hat eine Dynamik angenommen, die von vielen Menschen noch völlig unterschätzt wird, solange sie sich lediglich an den Möglichkeiten des Internets zum günstigen Einkauf und Medienbezug oder der hierüber ermöglichten just-in-time-Kommunikation erfreuen. Wie stark sich die Welt durch das Internet der Dinge verändert, zeigt aber bereits der exponentielle Zuwachs an Datenmengen, die in den letzten Jahren gesammelt worden sind. Die Leistung der aktuellen Computergenerationen verdoppelt sich derzeit in einem Zyklus von ein bis zwei Jahren. Die hierdurch implizierten gesellschaftlichen Veränderungen werden durchgreifend sein, sind derzeit aber noch völlig unterschätzt. Es ist eine neue technologische Revolution heraufgezogen, die nicht mehr darauf ausgerichtet ist, den Menschen die schwere Arbeit in der industriellen Produktion abzunehmen, sondern mit zunehmender künstlicher Intelligenz auch in die Arbeitswelten qualifizierter Berufe eingreift, zum Beispiel bei Banken und Versicherungen.

Diese künstliche Intelligenz gepaart mit humanoiden Robotern eröffnet völlig neue Möglichkeiten bis in die Kriegsführung hinein, schafft aber auch erhebliche Gefahren. Hier eröffnen sich auch christlich-ethische Fragestellungen, die wir in den nächsten Monaten und Jahren diskutieren wollen.

Die Gespräche im Tempelherrenorden, der geistige und geistliche Austausch sind nicht nur Kernpunkt unserer Arbeit, sie bringen auch jedes einzelne Mitglied und jeden Teilnehmer unserer Konvente und Ordenskapitel persönlich in seiner Entwicklung voran.

Alle gutmeinenden Leser sind und bleiben hierzu herzlich eingeladen.

Sofern Sie unsere Aufklärungs- und Bildungsarbeit unterstützen möchten, sind wir Ihnen auch in diesem Jahr für Ihre Weihnachtsspende sehr verbunden.

Mit den besten Wünschen für die Weihnachtsfeiertage

 

Ihr Hans-Joachim Baumbach

– Prior-