Islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen aus islamischer Sicht

Dr. Mohammad Sadiq, Hennef/Sieg

Das Bundesverwaltungsgericht hat Ende Februar 2000 grünes Licht für Islam-Unterricht an den staatlichen Schulen in Berlin gegeben. Der Verein „islamische Föderation“ dürfe wie auch katholische und evangelische Kirchen Religionsunterricht anbieten, entschied der 6. Senat in der seit 20 Jahren dauernden Auseinandersetzung als letzte Instanz. Zuvor müssten noch die Lehrpläne geprüft werden. In Berlin gibt es laut Innenbehörde mindestens 30.000 Schüler islamischen Glaubens.

Berlin ist neben Bremen und Brandenburg das einzige Bundesland, in dem Religion nicht als ordentliches Lehrfach an öffentlichen Schulen angeboten wird, sondern als Zusatzangebot in Verantwortung der Religionsgemeinschaften. Diese Ausnahme ist in der „Bremer Klausel“ des Grundgesetzes für die Länder geregelt, die vor 1949 keine Verpflichtung zur Erteilung von Religionsunterricht kannten.

 Dr. Sadiq sagte anfänglich, dass der Fall „Berlin“ nicht als exemplarisch für den Islam-Unterricht an deutschen Schulen angesehen werden solle. Der Islam gilt als die größte monotheistische Religion. Im Westen sei der Islam bedauerlicherweise zu einem Feindbild aufgebaut worden und mit vielen Vorurteilen belastet. In Deutschland wohnen 2,7 Menschen, die dem islamischen Glauben angehören; 600.000 Kinder lernen in deutschen Schulen. Einstmals wurden sie als Gastarbeiter und Arbeitskräfte aufgrund des sog. Wirtschaftswunders und der Hochkonjunktur nach Deutschland geholt. „Aber es sind auch Menschen nach Deutschland gekommen“, gab Dr. Sadiq zu bedenken. Mittlerweile sei eine heiße Diskussion entbrannt, ob islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen gestattet werden soll.

„Seit Jahrhunderten existiert ein falsches Bild der islamischen Religion“, erläuterte Mohammad Sadiq im Verlauf seines Vortrages. Das arabische Wort „Islam“ bedeute vollständige Hingabe an den Willen Gottes und Glaube an den einen allmächtigen Gott. Die islamische Lehre gäbe ein Normensystem vor, wie der Mensch zu leben habe. Diese Lehre verlange, in verantwortungsvoller Weise zu leben, zeige Rechte und Pflichten auf und regele überdies die sozialen Pflichten zwischen den Menschen. Im Gegensatz zum Christentum kenne der Islam keinen Unterschied zwischen Kirche und Staat. Der Islam habe eine Kultur hervorgebracht, erläuterte der Referent, die jeden mit Staunen erfülle und nannte als Beispiel Andalusien in Spanien. Bedeutende Forscher, Philosophen und Gelehrte seien Teil der islamischen Kultur. Das Zahlensystem, Algebra und die Erfindung der Optik gäben beredetstes Zeugnis der islamischen Welt mit ihren großen Leistungen für die Wissenschaft. In der Bekämpfung des Kommunismus habe der Islam dem Westen unschätzbare Dienste geleistet und er verwies auf den leidvollen Krieg in Afghanistan. „Der Krieg in Afghanistan ist mit amerikanischem Geld geführt worden, aber es war unser Blut, das vergossen wurde, so Mahammad Sadiq wörtlich. Statt Dankbarkeit im Westen, sei der Islam als neues Feindbild entstanden.

Sadiq verwies auch auf die großen Kulturleistungen des Islam. Mit Blick auf deutsche Fernsehprogramme, wo Mädchen sich die Kleider vom Leib rissen, viel nacktes Fleisch zeigten und Frauen alle Freiheiten besitzen, fragte Dr. Sadiq: „ist das Kultur“. Er beobachte verstärkt einen Vormarsch des Atheismus in Deutschland und führte u.a. als Beispiel die für ihn unverständliche Kruzifix-Entscheidung an.

Was den Islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen anbelangt forderte Dr. Sadiq, dass der islamische Religionsunterricht auf keinen Fall von Orientalisten durchgeführt werden sollte. In dieser sensiblen Frage müsse ein schlüssiges Konzept erarbeitet werden und erst dann seien Entscheidungen zu treffen. „Ein fester Christ hat keine Angst vor dem Islam, aber es ist wichtig, dass wir aufeinander zugehen und nicht streiten“.