Großmeister Jaques de Molay

Jacques de Molay

Großmeister Jaques de Molay

Großmeister Jaques de Molay

Aus dem Leben des Templer-Großmeisters Jacques de Molay

(auch Jakob von Molay)

Bis zu seiner Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen im Jahre 1314 war Jacques de Molay, um 1244 in Molay in der Freigrafschaft Burgund geboren, der 23. Großmeister des historischen Templerordens. Er stammte höchstwahrscheinlich aus der Ortschaft Molay in der Haute-Saone im Bezirk Vitrey, die damals zum Dekanat Traves in der Diözese Besancon gehörte. Ein Geschlecht de Molay aus dem ländlichen, niederen Adel ist dort seit 1138 urkundlich belegt. Die Freigrafschaft Burgund gehörte damals zum Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation), die de Molays waren also Untertanen des römisch-deutschen Kaisers. (ein kurzer Hinweis: Bis ins 17. Jhd. wurde in Burgund deutsche Mundart gesprochen. Das erklärt auch, warum der Burgunder Bernhard von Clairvaux in deutschen Kirchen predigen konnte und vom Volk verstanden wurde ….).

Jacques de Molay wuchs in der Zeit der Kreuzzüge des Königs Ludwig IX. von Frankreich auf. Über seine Kindheit und Jugend ist sonst nichts bekannt. Man kann annehmen, daß die Berichte und Erzählungen der heimkehrenden Kreuzritter aus dem benachbarten Frankreich auch den jugendlichen de Molay beeinflußten.

Im Jahre 1265 wurde Jacques de Molay von Humbert de Pairud, Generalvisitator des Templerordens in Frankreich und England, sowie von Amaury de la Roche, dem Ordensmeister der Provinz Frankreich, in der Ordenskapelle der Komturei Beaune in den Templerorden aufgenommen. Über die Beweggründe seines Eintritts ist nichts bekannt. Entsprechend dem damals Üblichen kann man annehmen, daß sozialer oder wirtschaftlicher Druck den jungen Adeligen in die Reihen der Kreuzritter führte oder daß er von seinem Vater für die kirchliche Laufbahn vorgesehen worden war, wobei der Templerorden als geistlicher Orden galt. Es wäre auch möglich, daß der Lehnsherr sich dem Kreuzzug anschloß und alle Vasallen ihm folgen mußten.

De Molay gab später an, als junger Ritter unter dem Großmeister Guillaume de Beaujeu im Orient gewesen zu sein. Beaujeu wurde 1273 zum Großmeister gewählt. Daraus kann man schließen, daß de Molay irgendwann zwischen 1270 und 1282 ins Heilige Land kam. Zu dieser Zeit näherte sich die Herrschaft der Kreuzfahrer in der Region bereits ihrem Ende. Es wird berichtet, daß sich der kampfbegierige junge Ritter gegen den Großmeister aufgelehnt zu haben scheint, weil er dessen Linie, in der Zeit des Waffenstillstands mit dem Sultan der Mameluken einen friedlichen Ausgleich zu suchen, anfangs nicht mittragen wollte.

Im September 1291 – nach dem Fall von Akkon und damit dem Ende der Kreuzfahrerstaaten – nahm de Molay am Generalkapitel des Ordens in Zypern teil und wurde als Nachfolger von Pierre de Sevry, der in Akkon gefallen war, zum Marschall des Ordens gewählt. Im Februar 1292 starb der Großmeister Thibaud Gaudin und Jacques de Molay wurde daraufhin zum Großmeister des Templerordens gewählt. Diese Stellung füllte er mit großer Hingabe aus.

Im Jahr 1293 brach er zu einer ausgedehnten Europa-Reise auf, die ihn zunächst in die Provence führte. Im August 1293 nahm er am Generalkapitel des Ordens in Montpellier teil. 1294 reiste er nach England und anläßlich der Wahl von Papst Bonifaz VIII. nach Italien. Anfang 1296 kam er zu einem weiteren Generalkapitel des Ordens nach Arles. Ende des Jahres kehrte er nach Zypern zurück. Diese Reise hatte zunächst den Zweck, mit den europäischen Herrschern Übereinkommen zu erzielen, um die angestrebte Rücknahme der Privilegien der Templer zu verhindern. Auch wurden zwischen den Templern und dem Königshaus von Aragon intensive Verhandlungen betreffend einen Tausch von Ländereien geführt. In England erreichte er die Herabsetzung einer Strafzahlung, die über den örtlichen Ordensmeister verhängt worden war. Mit König Karl II. von Neapel verhandelte er über die Aufhebung von besonderen Kontrollen der Templerschiffe. Vor allem ging es aber darum, Unterstützung für das Heilige Land zu erhalten.

Nach dem Fall von Akkon 1291 bedeutete das die Verteidigung der verbliebenen Staaten in Armenien und auf Zypern, wohin sich auch die Templer zurückgezogen hatten. Außerdem mußten die stark geschrumpften Reserven des Ordens an Kämpfern und Material wieder ergänzt werden. So setzte sich de Molay in seinen Verhandlungen mit den einzelnen Herrschern dafür ein, daß sämtliche Exporte von Templergütern nach Zypern von allen Zöllen befreit werden sollten. Letztlich sollte so der Boden bereitet werden für die angestrebte Rückeroberung des Heiligen Landes, denn diese blieb das Hauptanliegen des Templerordens.

In Limassol auf Zypern befand sich der Hauptsitz der Templer. De Molay suchte einen Ausgleich mit König Heinrich II. von Zypern. Dieser wollte die Einkünfte der Orden – betroffen waren neben den Templern auch die Johanniter und die Zisterzienser – beschränken und ihnen den weiteren Landerwerb untersagen. In den Verhandlungen darüber ersuchte de Molay auch Papst Bonifaz VIII. um Vermittlung.

Ab 1299 setzte sich de Molay massiv dafür ein, zusammen mit anderen christlichen Streitkräften und im Bündnis mit den Mongolen das Heilige Land zurückzuerobern. Ein erster Angriff des persischen Khans Ghazan Ende 1299 erfolgte unter der Teilnahme armenischer Truppen sowie armenischer Templer- und Johanniter-Kontingente. Ghazan richtete zwei Schreiben an die Ritterorden auf Zypern, in denen er um Unterstützung ersuchte. Diese Schreiben kamen aber viel zu spät an und die auf Zypern ansässigen Kontingente konnten nicht mehr eingreifen. Ghazan eroberte zunächst Aleppo und errang mit seinen armenischen Verbündeten dann einen glanzvollen Sieg über die Mameluken bei Homs. Wegen der schlechten Versorgungslage der mongolischen Reiterei mußte aber die Verfolgung der flüchtenden Feinde abgebrochen werden und so war die Chance auf einen nachhaltigen Erfolg vertan. Dennoch gelang es ihnen Anfang des Jahres 1300 Syrien fast vollständig zu erobern. Ebenso Anfang 1300 griff eine kleine Flotte, die aus Abordnungen der Templer, der Johanniter, des Königs von Zypern und des Khans bestand, Ägypten an und Rosette und Alexandria wurden geplündert. Daraufhin wandte man sich nach Norden gegen Akkon und Tartus – ein Versuch die Hafenstadt Maraclea einzunehmen scheiterte aber. De Molay betrieb die Koordination mit den Verbündeten und die Leitung der templerischen Beteiligung an den Unternehmungen von Zypern aus.

Gegen Ende des Jahres brach der Mongolen-Khan Ghazan von Täbris auf, während Templer und Johanniter und der König von Zypern ihre Truppen auf der Insel Ruad vor Tartus in Stellung brachten. Doch ein ungewöhnlich strenger Winter brachte den Vormarsch der Mongolen zum Erliegen und der Angriff auf die Mameluken mußte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Einstweilen hielten die Templer die Insel Ruad und unternahmen von dort immer wieder Streifzüge auf das Festland. Im Jahr 1302 erlitten sie schwere Verluste und die Insel mußte aufgegeben werden. Auch die mongolischen Angriffe scheiterten im Jahr 1303 endgültig und der Khan Ghazan starb kurz darauf. Dies bedeutete das Ende der christlichen Bemühungen, über Bündnisse mit den Mongolen zum Erfolg zu kommen.

Im Oktober 1306 brach de Molay nach Frankreich auf. Papst Clemens V. residierte zu dieser Zeit im französischen Poitiers. Er hatte die Führer der Ritterorden der Templer und der Johanniter eingeladen, um mit ihnen zwei Anliegen zu besprechen: die Vereinigung der beiden Ritterorden und die Vorbereitung eines neuen Kreuzzuges. Beide Ordensmeister hatten dazu Denkschriften vorgelegt, über die nun verhandelt werden sollte. Aufgrund einer Erkrankung des Papstes wurde der Termin der Zusammenkunft aber um einige Monate ins nächste Jahr verschoben.

In dieser Zeit kam es zwischen dem französischen König Philipp IV. und de Molay zu Verstimmungen. Ein Grund war, daß der Schatzmeister des Templerordens gleichzeitig der Schatzmeister des Königs war, da die Templer die Staatsfinanzen in Frankreich verwalteten. Der Schatzmeister des Ordens hatte an Philipp IV. eine enorme Summe Geld verliehen, was aber der Zustimmung des Großmeisters bedurft hätte, dieser wußte aber von nichts. Dazu kam nun noch, daß sich de Molay einer Vereinigung der Kreuzritterorden heftig widersetzte – von der wiederum Philipp IV. jedenfalls profitiert hätte, denn er rechnete sich gute Chancen aus, zum Großmeister eines vereinigten Ordens aufzusteigen….

…und so nahmen denn die Verhängnisse ab 1307 ihren Lauf…

(Heinz-Jürgen Riechers – Stand 2017/18)