Margret Stetter – Die Familie – Fundament einer freiheitlichen Gesellschaft

Das Familienbild des 21. Jahrhunderts

haben traditionelle und christliche Vorstellungen von Familie noch eine Chance?

– Bildungspolitik – Schutz des Lebens  –

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung und sind eingebettet in die verfassungsgemäße Ordnung des Grundgesetzes. Artikel 6 des Grundgesetzes enthält dabei Wertentscheidungen und Anspruchsbegründungen unterschiedlicher Art und Intensität bezüglich Ehe, Familie, Eltern und Kinder. Und dennoch hat der Familienbegriff infolge des Wertewandels der vergangenen Jahrzehnte seine frühere Eindeutigkeit eingebüßt.

Die Sozialgeschichte und die Frauenforschung sind untrennbar mit dem Familienbild des 21. Jahrhunderts verbunden. Durch eine höhere Bildung und veränderten Lebens- und Ausgangsbedingungen hat sich die Stellung von Frauen in der Gesellschaft  grundlegend geändert. Die Mehrzahl der Abiturienten und Universitätsabsolventen ist weiblich. Auch die besseren Abschlüsse können die Frauen im Vergleich mit ihren männlichen Kommilitonen vorweisen. (Quelle: Frau & Politik) Grundgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz verhindern jegliche Schlechterstellung von Frauen.

Martin Luther: „Ein Weib ist geschaffen dem Mann zu einer geselligen Gehilfin in allen Dingen,  im besonderen Kinder zu bringen“

Die „Summa Theologica“ (entstanden zwischen 1267 und 1289) des Thomas von Aquin, dem bedeutendsten Theologen und Philosophen des Mittelalters enthält zahlreiche Hinweise darauf, was das weibliche Geschlecht im theologischen Weltgebäude bedeutet. Während der Mann für höhere Aufgaben, Geistigkeit und Wissen bestimmt ist, wurde die Frau nach Thomas von Aquin nur um ihres Geschlechts willen geschaffen. Johann Gottlieb  Fichte, Philosoph des deutschen Idealismus, spricht fast fünfhundert Jahre später vom Mann, der die „ganze Fülle der Menschheit in sich selbst findet.“ (Becker-Cantarino „Der lange Weg zur Mündigkeit“)

„Ein Weib ist geschaffen dem Mann zu einer geselligen Gehilfin in allen Dingen, im besonderen, Kinder zu bringen“ konstatierte Martin Luther über die Rolle der Frau in der christlichen Gesellschaft und er predigte immer wieder über den Ehestand: „Man soll keinen Stand vor Gott besser sein lassen, denn den ehelichen.“ In seinen Predigten und Schriften über die Ehe brachte Luther eine unzweideutige Festlegung der Frau als Ehefrau.

Schillers bekannte Stilisierung der patriarchalisch-.bürgerlichen Familie in der „Glocke“ legt die Rolle des Mannes  und seiner Hausfrau ganz ähnlich fest: Die Hausfrau „waltet drinnen, mehret den Gewinn und ruhet nimmer.“

Noch im 19. Jahrhundert wurde das gesellschaftliche Ansehen von Frauen durch den sozialen Rang des Ehemannes bestimmt, dessen Vormundschaft sie auch zivilrechtlich unterstanden. Bis 1908 galt das preußische Vereinsrecht von 1850, das in § 8 „Frauenpersonen, Schülern und Lehrlingen“ verbot,  politischen Versammlungen beizuwohnen. Diese Bestimmungen wurden in Preußen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelockert. Seit 1902 war es Frauen erlaubt, bei politischen Kundgebungen in einem mit Schnüren abgeteilten Raum des Saales, dem so genannten Segment, Platz zu nehmen. Sie hatten sich aber jeder Beifallsbekundung oder gar Wortmeldung zu enthalten. Bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung im Januar 1919 durften die Frauen erstmals von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und auch selbst als Kandidaten auftreten.

Bis zum Jahre 1953 benötigte eine Frau die Genehmigung des Ehemannes, berufstätig zu sein.

Die rasant betriebenen Aufbrüche zur wirtschaftlichen Selbständigkeit von Frauen und damit Unabhängigkeit vom Ehemann, Vater oder männlichen Verwandten konnte die Geschlechtsvormundschaft aufweichen und schließlich beseitigen. Heute hat sich das Familienbild aufgrund von anspruchsvollen und zeitintensiven beruflichen Positionen von Frauen gewandelt. Anläßlich des Frühjahrkonvents 1999 sagte Ministerialdirektor a.D. Prof. Dr. Max Wingen, Bonn, im Rahmen seines Vortrages „Familienpolitik quo vadis?“: „ .. es wird nie eine völlig konfliktfreie Vereinbarkeit von Familie und Beruf geben.“

In unserer modernen Industriegesellschaft hat sich auch ein Wertewandel vollzogen. Häufig wird allerdings vermutet, dass der Wertewandel erst in unserer Zeit, z.B. seit den 70iger Jahren entstanden ist. Tatsächlich haben sich die Wertvorstellungen der Menschheit im Laufe der historischen Entwicklung zu jeder Zeit verändert. Grund für den heutigen Wertewandel ist aber auch die Freiheitlichkeit und der daraus resultierende Pluralismus unserer modernen Gesellschaft. Mehr als verwunderlich ist allerdings, dass 1998 die „Kammer der ev. Kirche“ ein neues Buch herausgegeben hat, das tiefgreifende Veränderungen aufweist. Sie definiert die Frage der Familie neu und stellt fest: „Der christliche Glaube ermutigt zum Zusammenleben von Mann und Frau.“ Die Kammer geht auch auf die Vielfalt von Lebensformen ein. (Pfarrer Dirk Gogarn, Netphen, Frühjahrskonvent 1999)

Durch die Anerkennung der eingetragenen Lebenspartnerschaft wird ein „Strukturprinzip der Verfassung missachtet.“

Wenn der  deutsche Gesetzgeber (unter Rot-Grün wie unter Schwarz-Gelb) sich dazu entschließt, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft mit der Ehe gleichzusetzen und wenn Karlsruhe das bestätigt dann ist nicht mehr erkennbar, dass im Grundgesetz Ehe und Familie unter dem „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ stehen. Es ist bald 10 Jahre her, dass der damalige Präsident des Verfassungsgerichtes in einem Sondervotum warnte, mit der Lebenspartnerschaft werde ein „Strukturprinzip“ der Verfassung missachtet. (FAZ 11.05.2011)

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Der OMCT stellte sich  in seinen traditionellen überregionalen Frühjahrskonventen den brennenden Themen unserer Zeit und versuchte konsequent und konfliktbereit Antworten zu geben.

 „Schutz des Lebens – Frühjahrskonvent 1998
„Die Familie – Fundament einer freiheitlichen Gesellschaft „ – Frühjahrskonvent 1999
Bildungspolitik“ Frühjahrskonvent 2000
Das Familienbild des 21. Jahrhunderts“ Frühjahrskonvent 2008