Obr. Prof. Dr. Ing. Martin-Ulrich Reißland

Rittertum im 21. Jahrhundert

Obr. Prof. Dr. Ing. Martin-Ulrich Reißland

Obr. Prof. Dr. Ing. Martin-Ulrich Reißland

Anmerkung zur Urheberschaft dieses Artikels: Die Komturei Köln hat als Ganze die Grundlagen zu diesem Artikel erarbeitet. Anlässlich des Ordenskapitels 2011 wurde er überarbeitet und ergänzt von Obr. Prof. Dr. Martin-Ulrich Reißland

1. Fakten

Zukunftsperspektiven aus konsequent verantworteter Geschichte

Die historische Entwicklung Deutschlands ist ohne das christliche Fundament nicht denkbar. Es hat in unserer Gesellschaft einen Wertekatalog geschaffen, der das Zusammenleben von Menschen bis heute prägt. Die gemeinsamen Werte und Normen sind zusammen mit der gemeinsamen Sprache die Voraussetzungen, um einem Volk eine Heimat zu geben, die kulturell als „Vaterland“ und politisch als „Nation“ bezeichnet wird.

So wenig es ausreicht, einer Kirche nur anzugehören, um ein guter Christ zu sein, so wenig reicht es aus, nur Steuern zu zahlen, um ein guter Staatsbürger zu sein. Wenn die christliche Basis erhalten werden soll, was zwingend für die Zukunft erforderlich ist, dann muss sich die Mehrheit des deutschen Volkes zu ihr bekennen und bereit sein, auf dieses Fundament zu bauen. „Heimat“ und „Vaterland“ sind emotionale Begriffe. Beide muss man lieben. Fehlt die emotionale Bindung, so fehlen auch die Wurzeln, die Halt geben. Vaterland und Heimat werden dann im wahrsten Sinne des Wortes lieb–los behandelt.

Geschichtliche Erfahrungen verhelfen dazu, Fehler nicht zu wiederholen. Nur wer seine Geschichte kennt, kann seine Zukunft gestalten. Das setzt voraus, dass Geschichte ganzheitlich und vorurteilsfrei, aber nicht zeitlich beschränkt erforscht wird. Auch Deutschland muss sich auf diese Weise seiner Jahrhunderte alten Geschichte stellen. Dabei ist zu prüfen, in wieweit und auf welche Art Traditions-würdiges bewahrt werden kann.

Entchristlichung und Werteverfall in Deutschland

Das Heute ist gekennzeichnet durch eine Ent-Christlichung der Gesellschaft. In den alten Bundesländern schreitet sie schnell voran, in den neuen Bundesländern ist sie fast vollständig erreicht. Die beiden großen Kirchen scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, ihre Aufgaben wahrzunehmen und Orientierung und Halt zu geben.
Immer mehr Menschen wenden sich anderen Religionsgemeinschaften zu. Die Trennung der Christenheit schmerzt die Christen, denn sie führt zum Verlust von Kräften, anstatt mit gebündelter Kraft gegen einen Verfall im Inneren und Zerstörung christlicher Werte durch andere Kulturen und Religionen von außen anzugehen.

Diese Entwicklung geht einher mit einem schleichenden Werteverfall. Vorherrschende Geschichtslosigkeit führt zu einer Lebensführung, die das Gestern und Vorgestern für unerheblich hält, nur noch das Heute wahrnimmt, sich maximal vielleicht auf das Morgen einstellt, nicht aber auf das Übermorgen. Die emotionale Bindung an Heimat und Vaterland ist weitgehend verloren gegangen oder in Folge der Nachkriegs-Um-Erziehung in beiden Teilen Deutsch-lands gewollt verdrängt worden.

Zeitgemäße Bewahrung und Entfaltung christlicher Werte

Der Tempelherren-Orden wirkt als weltlicher und ökumenischer Männerorden gegen diese Entwicklung und versucht sie aufzuhalten. Die Ordensritter schöpfen Kraft aus der Geschichte des historischen Tempelherren-Ordens, die sie bewahren und erforschen, und aus ihrem christlichen Glauben, der sie trägt. So wie die Tempelritter einst die Pilger auf ihrem Weg zu den christlichen Stätten im Heiligen Land bei Gefahren geschützt und begleitet haben, so wollen die Ordensritter heute geistigen und geistlichen Geleitschutz geben. An die Stelle des Schwertes ist das Wort als Waffe getreten. Es soll aber auch Trost und Ermutigung zum Glauben an Gott und zum Vertrauen auf ihn geben und Wegweisung bereithalten.

Die Entfaltung und Bewahrung christlicher Werte und die Erhaltung der kulturellen Identität in unserer Zeit sind Ziele, denen sich die Ordensritter verpflichtet fühlen. Beides ist nicht möglich, ohne Ökumene zu wollen und das Vaterland zu lieben. Nationalismus verbietet sich damit von selbst. Ordensritter engagieren sich in der Gesellschaft. Der Orden bietet Vorträge, Veranstaltungen und Publikationen an, in denen man um Antworten auf brennende Fragen ringt, von denen aber auch Wegweisung und Rat ausgehen sollen.

Nur wenige andere Organisationen können auf eine derart lange Geschichte zurückblicken wie der Tempelherren-Orden. Dies verpflichtet die Ordensbrüder, das Erbe der historischen Tempelritter zu bewahren und in ihrer Tradition – an die heutigen Lebenssituationen angepasst – zu leben. Das bedeutet die Erhaltung und Entfaltung des Christentums in ökumenischer Einheit und Liebe zum Vaterland, um es vor kultureller und religiöser Entfremdung zu bewahren. Hierzu bedarf es starker Persönlichkeiten in allen Teilen der Bevölkerung, die bereit sind, sich offensiv – aber nicht aggressiv — für die Ziele des Ordens einzusetzen.

Der Tempelherr als ritterlicher Mann im 21. Jahrhundert

Der Tempelherren-Orden unterscheidet sich von anderen Organisationen mit ähnlichen Zielen dadurch, dass der Ordensritter mit dem Ritterschlag ein Gelübde ablegt. Er verpflichtet sich damit lebenslang zu Toleranz gegenüber allen christlichen Glaubensrichtungen, anderen Konfessionen und politischen Vereinigungen, die den ethischen und moralischen Werten zu untadeligem Verhalten im persönlichen, wie im öffentlichen Leben nicht entgegen stehen und den Grundlagen unseres Gemeinwesens entsprechen. Der Ordensritter verpflichtet sich aber auch zur glaubwürdigen Vertretung der Ziele des Ordens durch seinen persönlichen Lebensstil, der sich durch Maß, Besonnenheit, Disziplin und Menschenliebe im Urteilen und Handeln auszeichnet. An einen Ordensritter werden also hohe, persönliche Anforderungen gestellt wie sonst selten in öffentlichen Organisationen und Vereinen. Er kann seine Aufnahme in den Orden nicht einfach beantragen, sondern muss eine Zeit der Prüfung als Novize durchlaufen, in der er den Orden und der Orden ihn kennen lernt, bevor er sich endgültig für sein Gelübde entscheidet. Danach wird er zum Ordensritter berufen. Damit gewinnt er eine geistige und geistliche Männerfreundschaft und die Kameradschaft in einem Orden, der ihn lebenslang und in seiner Ganzheit fordert, gemäß der ORDENSLOSUNG der Templer:

NON NOBIS DOMINE, NON NOBIS,
SED NOMINE TUO DA GLORIAM
(nach Psalm 115, Vers 1)

Nicht uns, Herr, nicht uns,
sondern Deinem Namen gib Ehre,
um Deiner Gnade und Treue willen

2. Konsequenzen

Gottes Gebote
Versuchung und Schuld – Christi Opfer aus Gnade
Handlungsfreiheit des Menschen

Die Templer wollen Gott die Ehre geben, nur ihm, d.h. sie bemühen sich um Gehorsam gegen ihn. Als Richtschnur dienen die zehn Gebote Gottes und das Liebesgebot Jesu. Diese Gesetze sind übersichtlich und für jeden verständlich. Mehr braucht es nicht. Deshalb achten die Ordensbrüder darauf, dass niemand versucht, durch einengende Vorschriften sich selbst Einfluss zu verschaffen und damit Macht auszuüben.

Solche Versuchungen sind groß. Sie geschehen noch gelegentlich in den Amtskirchen, wenn „gute Taten“ und besondere Opfer verlangt werden, um sich von Schuld aus eigener Kraft zu befreien. Auch Traditionen werden zu diesem Zweck missbraucht. Noch stärker unterliegt religiöses Sektierertum solchen Absichten.

Jesus Christus hat die Sünde auf sich genommen und auch gesühnt. Sein Opfer hat er aus vollkommener Liebe erbracht. Wer seine Liebe annimmt, ist ein Christ. Er wird ernsthaft versuchen, durch sein ganzes Wesen diese Liebe zu reflektieren und weiterzugeben.

Zudem verlangt Christus von den Gliedern seiner Gemeinde, dass sie untereinander und mit ihren Nachbarn in Frieden leben. Das erfordert von jedem hohe Bereitschaft zur Toleranz. Andere Sichtweisen als die eigenen müssen zugelassen werden, damit Frieden herrscht und sich das Gemeinwesen lebendig entwickeln kann. Frieden ist Voraussetzung für die Gestaltung einer guten Zukunft. Zusammengefasst bedeutet das im Leben, dass alles durch Liebe gestaltet werden kann, wenn äußerer und innerer Friede ihre Entfaltung erlauben.

Darüber sind sich Templer mit allen Christen einig, die in der Ökumene, in der einen Kirche Jesu Christi, verbunden sind. Sie nehmen die Befreiung von aller Schuld, die sie von Gott trennt, als Gnadengeschenk an. Solche Freiheit bewirkt wechselseitige Freude. Sie erlaubt es, selbstbewusst allen Aufgaben gerecht zu werden.

Ritterlicher Geleitschutz in Verantwortung

Aus dem Wissen um Gottes Gnade wächst Verantwortung für die ganze Schöpfung, d.h. für den Mitmenschen, für die Natur, für die Welt, als Grundlage allen Lebens. Verantwortung hilft zur Erkenntnis des Willens Gottes, nämlich zu wissen was gut ist und was böse.

Verantwortung mag zu Konflikten führen, wenn z.B. divergierende Interessen zu einem Kompromiss verbunden werden müssen. Trotz guter Absichten kann in solchen Situationen Schuld nicht ausgeschlossen werden. Auch dann muss den betroffen Menschen im Vertrauen auf Gottes Beistand geholfen werden. Solche Hilfe soll in Demut vor Gott und um seiner Barmherzigkeit willen entschlossen geleistet werden. Das ist ritterlicher Geleitschutz in unserer Zeit, den der Tempelherren-Orden für schwache, unsichere, suchende Mitmenschen bereitstellt.

Templer werden nach außen durch die Organisation des OMCT sichtbar. Durch die Internetseite, durch Veröffentlichungen und durch Tagungen wirbt der Orden um neue Mitglieder. Eingeladen sind Persönlichkeiten, die sich in ihrem Lebensumfeld durch untadeliges Verhalten auszeichnen, die mutig voranschreiten und divergierende Positionen zu guten Gemeinsamkeiten verbinden können. Sie mögen von ihrer Haltung her schon jetzt Templer sein, auch wenn sie noch nicht zum Orden gehören. Es liegt an den Ordensbrüdern, sie zu gewinnen, damit sie aus ritterlichen Männern des Lebens zu Rittern dieses Ordens werden, der gemäß seinem Wahlspruch allein Gott dienen will:

NON NOBIS, SED NOMINE TUO DA GLORIAM!