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Tempelritter und Geocaching

Templer-Coin

Ein Templer-Coin auf Reisen

Tempelritter und Geocaching

von Obr. Hans-Joachim Baumbach

 

In dieser NON NOBIS berichtet der Novizenmeister und Komtur der Komturei Rhein-Ruhr über seine Urlaubserlebnisse mit Pferd und Wagen in Luthers Land. Auch der nachfolgende Artikel widmet sich dem Hobby eines Ordensmitgliedes, nämlich des Priors, das auf den ersten Blick so gar nichts mit Neorittertum historisch-geistigem Anspruch und templerischem Wirken zu tun hat.

Was soll das?

Nun, zunächst einmal sind die Mitglieder des Tempelherrenordens ganz normale Menschen wie Sie, werter Leser, oder werte Leserin. Wir gehen mehr oder weniger respektablen Berufen nach, haben Familien, Freundeskreise und eben auch Hobbys. Bei aller Ehrfurcht vor dem hehren Ordenszweck darf man das durchaus wissen.

Zum Zweiten zeigt der Aufsatz meines Ordensbruders, daß man selbst im Urlaub und bei einer Reise auf dem Pferdewagen Annäherung an Themen betreiben kann, die den Templer interessieren, wie dort die Wirkensregionen Luthers im Vorfeld des Reformationsgedächtnisses 2017. Der Verfasser dieses Artikels nun, hat sein Hobby als Werbemittel für unsere Gemeinschaft eingesetzt.

Wissen Sie was Geocaching ist? Hierbei handelt es sich um eine Art moderner Schnitzeljagd, die nunmehr seit etwas über zehn Jahren weltweit mehr und mehr Anhänger gefunden hat. Als Cache wird ein möglichst wasserdicht verschließbarer Behälter bezeichnet, der an beliebiger frei zugänglicher Stelle versteckt wird und von den anderen Spielteilnehmern aufgefunden werden muss. Bei den Behältnissen unterschied­lichster Größe vom fingernagelgroßen Metalldöschen bis hin zu großen Kisten, Schränken oder Boxen, meist aber in einer Größe zwischen einer Filmbox und einer Butterbrotdose, werden die Geokoordinaten ermittelt und auf einer für den Mitspieler­kreis einsehbaren Internetplattform hinterlegt, damit diese sich auf die Suche nach dem Versteck begeben und sich in einem Logbuch, das im Behälter gelagert wird, verewigen können.

Damit dokumentiert der Finder gegenüber dem Verstecker, in der Fachsprache „Owner“ (englisch für Eigentümer) genannt, daß er das Versteck wirklich geortet und geöffnet hat.

Der erste moderne Geocache wurde am 03.05.2000 in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an der Position 45° 17‘ 28‘‘ Nord, 122° 24‘ 48‘‘ West vergraben. Schon einen Tag nach der Ver­öffentlichung in einer Internet-News-Group wurde das Versteck gefunden, was den Finder veranlasste, eine private Homepage zu erstellen, auf der zukünftige Finder ihre Funde dokumentieren sollten.

Das größte Verzeichnis solcher Geo-Verstecke, die Internetseite „geocaching.com“ verzeichnet aktuell über 2,5 Mio. Geocaches und über 6 Mio. Geocacher weltweit.

Sie alle haben sich eine Ausrüstung zum Auffinden von Caches  zugelegt, regel­mäßig zumindest einen einfachen GPS-Empfänger, wobei Neugierige auch mit einem iPhone oder Smartphone mit Android-Betriebssystem Apps finden, die einen Einstieg in das Geocaching zumindest ermöglichen.

Die aktiven Teilnehmer des Spiels unterscheiden die versteckten Behältnisse nach Schwierigkeitsgrad und auch nach der Schwere des Geländes, da inzwischen sogar solche Verstecke hoch in Bäumen oder an unzugänglichsten Stellen versteckt werden. Auch hierin liegt der Reiz, immer schwierigere Aufgaben zu lösen, die teil­weise noch mit Rätseln oder anderweitigen Denksportaufgaben verknüpft sind.

Ein weiterer Anreiz für die Teilnehmer dieses weltweiten Spiels ist es auch, daß jeder noch so belanglose Waldspaziergang plötzlich ein Ziel hat und daß die Verstecke für die Behältnisse oft so gewählt werden, daß man an wirklich interessante Orte geführt wird, seien es Bau- oder Naturdenkmäler, seien es Industriedenkmäler oder Aus­sichtspunkte, die man ohne den Anstoß zur Suche der jeweiligen Box vielleicht nie im Leben angesteuert hätte.

Zudem lernt man nette Menschen kennen. Schon oft ist es uns passiert, daß wir im Zuwege auf einen versteckten Behälter plötzlich anderen Menschen aller Alters­gruppen und gesellschaftlichen Schichten begegnet sind, die etwas orientierungslos mit einem kleinen Gerät in der Hand herumlaufen und denen man als Mitglied der weltweiten Geocaching-Bewegung sofort ansieht, daß sie möglicherweise nach dem gleichen Gegenstand suchen, wie man selbst.

Warum schreibe ich Ihnen das in NON NOBIS?

Natürlich möchte ich Sie neugierig machen und Ihr Interesse an einer schönen Frei­zeitbeschäftigung wecken. Vor allem aber soll hier von einem besonderen Experiment berichtet werden:

Inzwischen kennt das Geocaching nicht nur stationäre Behälter, die unter einer Geo Koordinate auffindbar sind, sondern auch sogenannte Trackables. Hierbei handelt es sich um bewegliche Objekte, die aber über eine eindeutige Registriernummer identi­fizierbar und nachverfolgbar sind. Solche Trackables können allerlei Form annehmen. Teilweise handelt es sich dabei um kleine Metallplättchen, ähnlich den Erkennungsmarken amerikanischer Soldaten, die mit einer festen Kette an irgend­welchen Gegenständen befestigt werden, die als Namensgeber fungieren. Dies kann eine kleine Stoffpuppe, eine Holzfigur oder sonst irgendetwas sein. Einem solchen Trackable gibt der Eigentümer regelmäßig eine Aufgabe, also eine Richtung, die der bewegliche Gegenstand nehmen soll. Der Trackable wird in einem Geocache platziert und von einem anderen beliebigen Geocacher gefunden, der in Erfüllung der Aufgabe den markierten Gegenstand zu einem anderen Geo-Cache weiterträgt und dort wieder ablegt, wonach er die Möglichkeit hat, auf der Registrierungsplatt­form die Entnahme und das Ablegen in einem anderen Geocache zu registrieren, so daß der ursprüngliche Eigentümer jederzeit nachverfolgen kann, wo sich sein Gegenstand befindet.

So hat der Verfasser dieser Zeilen bereits bewegliche Gegenstände aus aller Welt in der Hand gehalten, die z.B. ihren Rückweg nach Australien oder den USA suchten.

Solche Trackables können auch die Form einer Münze haben. Dann nennt man sie in der Regel „Geocoin“. Die Industrie hat sich für diese Taler allerlei Gestalten aus­gedacht. Ein befreundetes Pärchen, das um beide Hobbys des Verfassers wußte, schenkte mir nun zum Geburtstag einen „Templer-Coin“, also eine Münze, die auf der einen Seite das Templerwappen mit dem geschweiften Balkenkreuz in rot und auf der anderen Seite das Templersiegel darstellt. Dieses wunderschöne Stück wagte ich zunächst gar nicht in irgendeine schmutzige Dose unter einen nassen Stein oder anderweitig zu platzieren. Dann aber kam mir die richtige Idee für eine Mission:

Anlässlich des Frühjahrskonventes in Königswinter-Heisterbacherrott im Haus Schlesien vom 14.03. bis 16.03.2014 wurde der Geocoin mit dem Namen OMCT 2014 versehen und erhielt die Mission, bis zum Jubiläumsgeneralkapitel 50 Jahre Geistiger Geleitschutz vom 12.09. bis 14.09.2014 den Veranstaltungsort Kloster Schöntal bzw. einen möglichst nah dazu gelegenen Cache zu erreichen.

Die Reise dieses Geo-Coins können Sie auf www.geocaching.com unter der Nummer TB5A064 verfolgen. Schon am 16.03.2014 hatte ein anderer Geo-Cacher den Templer-Coin aus seinem Start-Cache entnommen und mitgenommen, von wo er über 137 im Internet dokumentierte Stationen bis zum 13.09.2014 unterwegs war. Am 24.08.2014 hatte ein Cacher-Team namens Sierrakidd84 den Trackable in einem Geocache in Rheinland-Pfalz gefunden und zugesagt, ihn so nah wie mög­lich an sein Ziel  zu bringen. Am 13.09.2014 war es dann soweit. Das Cacher-Team, bestehend aus einem netten jungen Paar mit Tochter, erschien im Kloster Schöntal und brachte den Cache zu seiner letzten Station dort.

Es war kaum zu glauben. Aber die kleine Münze hat einen Weg durch ganz Deutsch­land genommen, ist durch viele Hände gegangen und in planmäßiger Missions­er­fül­lung rechtzeitig zum Generalkapitel im Koster Schöntal angelangt. Als Dankeschön habe ich selbst die beiden Verantwortlichen für die letzte Etappe und ihre Tochter zu einer Führung durch unsere Wanderausstellung über den historischen Tempel­ritter­orden und die Nachfolge, die seit 50 Jahren in Deutschland durch den Ordo Militiae Crucis Templi – Tempelherrenorden Deutsches Priorat e.V., sichergestellt ist, einge­laden. Mit einem Buchgeschenk wurden die Gäste verabschiedet, wollten es sich aber nicht nehmen lassen, noch unseren großen Rezeptionsgottesdienst in der Barockkirche des Klosters zu erleben, wo wir fünf neue Mitbrüder durch Ritterschlag in den Rechtsritterstand erhoben haben.

Ich bin ganz sicher, daß es uns über das Werbemittel dieser kleinen Metallmünze ge­lungen ist, auf den Orden aufmerksam zu machen und den vielen Menschen, die auf der Reise des Trackables behilflich waren, ein kleines Fenster zu unserer Gemeinschaft zu öffnen.

Nicht ohne Grund war schon in der Auftragsbeschreibung auch die Adresse unserer Internetseite für alle Interessenten abzurufen.

Selten habe ich ein Hobby und eine innere Berufung auf so erfreuliche Art und Weise miteinander verbinden können. Und wer weiß; vielleicht war es ja nicht die letzte Reise eines Templer-Coins im Auftrag des OMCT.