Wappen der OMCT Tempelherren

Geschichte der Templer im 13. Jahrhundert – Kapitel III

Information zur Templergeschichte

Information/Dokumentation des Ordo MilitÆ Crucis Templi – OMCT Tempelherren-Orden, Deutsches Priorat e.V.

Als Manuskript gedruckt und herausgegeben von der Komturei Düsseldorf des OMCT im März 1981.
Bearbeitung: Obr. Prof. Kramberg

Gedanken, Hinweise und Fragen – Der Versuch einer Antwort

Kapitel III

Wie der Ablauf der Kreuzzugszeit auch historisch immer beurteilt worden mag: wie alle aus dem fruchtbaren Boden einer bewegenden Zeit hervorgegangenen geschichtlichen Gebilde sind auch sie schließlich nicht dahingegangen, ohne der Umwelt ein bedeutendes Erbe zu hinterlassen. Dieses „Erbe“ gilt es zu bewahren, zu fördern und auf unsere Verhältnisse umzuwandeln.

Doch hier beginnt bereits die Kritik. Der nicht mit historischen Gegebenheiten Vertraute spricht bei denen, die eine bedeutende Tradition pflegen wollen, von den ewig „Gestrigen“.

Der historische Orden der Templer ist während des Konzils zu Vienne, das am 11. Oktober 1311 eröffnet wurde, im Jahre 1312 mit der Bulle „Vos clamantis“ aufgehoben worden. In dieser päpstlichen Bulle heißt es u.a.:

„…. heben Wir, nicht ohne Gram und tiefen Schmerz, nicht kraft eines richterlichen Urteils, sondern kraft apostolischer“ Entscheidung und Anordnung den obengenannten Orden der Templer mit all seinen Einrichtungen auf…„ (Nach der französischen Übersetzung von Oursel, op.cit.).

 

Am 2. Mai 1312 setzte die Bulle „Ad providam“ die Übergabe aller Güter fest. Darin heißt es u.a.

„Die Auslöschung des Ordensstatuts, seines Ordensgewandes, selbst seines Namens, haben Wir mit Genehmigung des Heiligen Konzils angeordnet, nicht in Form eines definitiven Urteils, denn nach den Untersuchungen und allen angestrengten Prozessen waren Wir juristisch nicht in der Lage, es auszusprechen, aber wohl durch das geistliche Recht, was einer apostolischen Verfügung gleichkommt-…“

 

Diese Verfügung ist unabänderlich.

Ein Tatbestand, der 700 Jahre zurückliegt, nicht anerkennen zu wollen, ist irreal, und zwar unabhängig von jeder subjektiven Meinung.

Aber die historischen Leistungen des Ordens der Templer waren und sind dadurch nicht ausgelöscht; denn auch Papst Clemens V. bestätigt in diplomatischer Sprache „…nicht ohne gram und tiefen Schmerz, nicht kraft eines richterlichen Urteils…,“ daß es offenbar zwingende „politische“ Mächte waren, den Orden der Templer aufzuheben.

An dieser Stelle ist es unabdingbar, auf die politischen Gegebenheiten jener Zeit hinzuweisen.

In Frankreich waren die Templer, wenn auch nicht ungeliebte, so aber doch kraft ihrer unbestreitbaren Macht eine vermeintliche Gefahr für den König geworden. Mahr aber als die Gefahr fürchtend, lockte Philipp den Schönen der Reichtum der Templer.

Was in der Konsequenz in Frankreich zur Aufhebung des Ordens der Templer führte, erforderte auf der iberischen Halbinsel eine gänzlich andere „politische“ Entscheidung des Papstes. Er konnte sich nämlich nicht der Einsicht verschliessen, daß die Templer in Spanien und Portugal das gesamte christliche Abendland gegen die islamische Expansion verteidigten. Politik läßt sich nicht von Gefühlen und örtlichen Zwängen leiten; deshalb kam es nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen König Dionysius von Portugal und Papst Johannes XXII, dem Nachfolger Clemens V, im Jahre 1319 zu einem „Vergleich“, wonach der Templerorden in Portugal nicht aufgelöst wurde, sein gesamter Besitz im erhalten blieb und seine Statuten nicht geändert wurden.

Da man nun schlechterdings nicht in Frankreich den Templerorden mit „immerwährender unwiderruflicher Gültigkeit“ aufheben konnte, entspricht es der Systematik und Logik der Politik, in Portugal zwar alles beim alten zu lassen, aber dennoch den Anschein von etwas Neuem zu erwecken.

Was liegt da näher, als den volkstümlichen Begriff „Orden der Templer“ auf seine tatsächliche, ursprüngliche Namensbezeichnung zurückzuführen, d.h. aus der landläufigen Bezeichnung „Orden der Templer“ wurde wieder schlicht und zutreffend der

ORDO MILITIUM CHRISTI
oder portugiesisch:
ORDEM MILITAR DE CHRISTO.

Das alte rote Templerkreuz wurde zusätzlich in der Mitte mit einem dünnen weißen Kreuz versehen.

Nun war die Welt wieder in Ordnung: dort, wo der Orden der Templer nicht mehr gebracht wurde, war er „immerwährend und unwiderruflich“ aufgehoben; dort, wo man ihn brauchte, lebte und arbeitete er Jahrhunderte überdauernd bis in unsere Gegenwart nach seinen ursprünglichen Prinzipien, nur nicht unter seinem volkstümlichen, sondern unter seinem eigentlichen „Geburtsnamen“.

Wenn dieser Sachverhalt – vereinfacht dargelegt – richtig ist, und daran ist historisch nicht zu zweifeln, so haben die „Pauperes commilitones Christi“ des Hugo von Payens ihre ununterbrochene Sukzession bis in die Neuzeit erhalten.

Diese Betrachtungsweise ist für die politische Würdigung des ursprünglichen Templerordens von erheblicher Bedeutung und ist die positive Seite des Geschehens nach der Aufhebung des Ordens im Jahre 1312.