Unser Auftrag erfordert Zivilcourage

Hugo Wellems

Quelle: NON NOBIS Jahrgang 2, Heft 2/3, Mai 1985

Die Deutsche Bundespost hat jüngst aus Anlaß des 100. Geburtstages des großen Religionsphilosophen und Münchener Universitätsprofessors Romano Guardini, eine Sondennarke herausgebracht. DieserDenker (T 1968) hielt — was man sich heute kaum vorstellen kann – vor dem Verein der Eisenhüttenleute 1955 in Düsseldorf einen Vortrag, der den damaligen Zuhörern – fast nur Techniker — nahezu den Atem stocken ließ.

Sein Thema lautete: „Der unvollständige Mensch und die Macht“ und er sagte u. a.: „Das weithin wild treibende, nur aus der Logik seiner  eigenen Probleme und Motive heraus sich verwirklichende technische Geschehen“ müsse, um nicht schon bald in eine Katastrophe zu münden, in das „menschliche Dasein“ eingeordnet werden. „Den Irrsinn zu überwinden, daß der Prozeß des Erfindens, Automatisierens, Produzierens  weiterläuft, ohne daß man sich fragt, was aus dem wird, der doch darin existieren soll, dem Menschen“, gilt — so Guardini – die Aufgabe. „Vielleicht“ — so fügte er hinzu — „ würde manch einer, der auf seinen Realismus pocht, über einen solchen Vorschlag lachen. Ein gescheiter Chinese  würde nicht lachen. Vielleicht würde er sich sogar wundern, daß wir seit so langer Zeit mit so explosiven Dingen wie (Natur-)Wissenschaft und Technik umgehen und noch nicht gemerkt haben, was da passieren kann, und welcher geistigen Voraussetzungen es bedarf, damit nichts  passiert.“

Romano Guardini wies vor allem auf die asiatischen Völker hin, die im Wettkampf des Weltgeschehens auf unsere Schultern treten und dort fortfahren, wo wir aufgehört haben, und die Probleme des menschlich-seelischen Moments im modernen Dasein mit einer uns nicht  mehr zur Verfügung stehenden Erfahrung anfassen. „Das sind Völker, in denen die bei uns verkümmerte Komponente des menschlichen Wesens noch sehr stark ist . .. weil sie wie die großen asiatischen Völker, eine uralte seelische Kultur haben; eine Tradition der Sammlung, der  Konzentration, der inneren Vertiefung, die noch durchaus lebendig ist. Sie sind noch ‚vollständige Menschen‘. Wenn nun diese Völker — was sie ja mit größtem Geschick und in raschester Folge tun – in Wissenschaft und Technik Fuß fassen, dann mögen die Weißen sich in acht  nehmen.“ Inzwischen haben wir bereits einen herben Vorgeschmack von dem fernöstlichen Vormarsch aufvielen Gebieten bekommen. Guardinis Warnung – ausgesprochen vor nunmehr 30 Jahren — war also nur zu begründet und wir werden das, was er an jene Warnung angeschlossen  hat, sehr ernst zu nehmen haben: „Der Mensch der Neuzeit, der das Großartige der naturwissenschaftlich-technischen Vervollkommnung vollbracht hat, ist in seinen spezifisch menschlichen Verhaltensweisen stumpf und unvollkommen geworden. Dieses aber bringt ihn  in die lebensbedrohende Gefahr, die technischen Errungenschaften nicht mehr zu bewältigen, Vielmehr von ihnen überwältigt zu werden.“ Wir wissen heute, daß die Vision eines Romano Guardini, die vor 30 Jahren den deutschen Eisenhüttenleuten den Atem zu verschlagen schien,  später im Wohlstandswunder, im alles vernebelnden naiven Fortschrittsglauben und der in ihn passenden Utopie von ewiger Vollbeschäftigung nur mitleidig belächelt wurde. „Kulturpessimismus“ war der terminus technicus, den man gebrauchte, um die warnenden Stimmen im  rauschhaften Syndrom der Fortschrittsgläubigkeit verstummen zu lassen.

Nicht erst das Wald-‚ Gewässer-, Pflanzen- und Tiersterben, nicht erst die Giftberge ehemaliger Mülldeponien, deren Schadstoffe das Grundwasser zum Gefahrenherd unserer Trinkwasserversorgung machen, beweisen uns täglich die kollektive Verantwortungslosigkeit, mit der  Fortschrittsglaube gepaart mit der Utopie von der Machbarkeit aller Dinge (ohne Rücksicht aqueben- oder Spätwirkungen) alle Warnungen zu verhöhnen suchten. Indes wissen wir, daß tiefe Wolken über derWeltszene liegen, daß das vorbehaltlose Jasagen zur Wirklichkeit immer   schwerer wird. Vor uns hat sich eine Realität entfaltet, die längst nicht mehx nur Glück oder Zuversicht verheißt, sondern die geschwängert ist von Bedenken, vGon Ängsten, von Kleinmut, namentlich im in zwei Teile gerissenen Deutschland.

Der Begriff„Naturlandschaft“ ist aus dem  Vokabular des homo sapientissimus längst schon verschwunden. Auch das Wort „Kulturlandschaf “ ist weithin schon sinnentleert. Stattdessen hat die „mündige“ Gesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts die Bezeichnung „Zivilisationslandschaft“ erfunden. Diese Zivilisationslandschaft wirkt aber nicht kreativ, nicht gestaltend auf den Menschen. Sie attakiert ihn in mehrfacher Weise. Guardini sprach vom „unvollständigen Menschen“, der gar nicht mehr fähig ist, die Gefahren, die aus der Zivilisatorischen Entwicklung der letzten Jahrhunderte  dem inneren und äußeren Leben erwuchsen, zu meistern. Was er damit meinte? Seit die großen, damals noch humanistisch gebildeten Naturwissenschaftler Galilei, Bacon, Kepler, Leibnitz und Netwon in reiner Abstraktion, mithin losgelöst von der Menschheitsgeschichte, durch ihre  epochemachenden mathematisch-physikalischen Entdeckungen, die große, in den abendländischen Geist tief einschneidende Wende eingeleitet und jene Entwicklung in Gang gesetzt haben, die schließlich in die sogenannte industrielle Revolution münden sollte, ist der Mensch  schrittweise „unvollständiger“ geworden: Die Schlüssel zur Enträtselung der Natur und des Universums waren gefunden.

Damit aber hatte sich ein fundamentaler Umbruch im Denken und im Geschichtsbewußtsein des Abendlandes ereignet: Es ist nicht mehr die Erfahrung, die die  Menschheit aus der hinter ihr liegenden Geschichte voranbrachte. Geschichte wurde zum mehr oder weniger sinnentleerten bloßen Vorfeld dessen, was rational machbar ist und also noch kommt. Geschichte ist mithin nicht mehr der organisch historische Werdefluß vom Gestern über  das Heute zum Morgen, nicht mehr der erfahrungsmäßig vorgegebene Boden, auf dem wir Menschen von Generation zu Generation stehen, sondern sie wird seither nur noch zum mechanistisch verstandenen Sprungbrett, von dem aus wir uns in die Zukunft abstoßen. Hier wird jener  sinnentleerte Trend deutlich, der fortschrittsgläubig meint, die Menschheitsgeschichte habe überhaupt erst mit den naturwissenschaftlich-technischen Errungenschaften begonnen, so als gäbe es Geschichte erst seit dem Ursprung einer „gemachten“, einer „künstlichen“ Welt.

Die  Entfremdung des Menschen

In der vorindustriellen Epoche war es das Werkzeug, dessen der Mensch sich bediente, um seine Arbeit zu erleichtern und präziser zu gestalten. Das einfache Werkzeug blieb an die unmittelbare menschliche Körperfunktion gebunden, es besaß keine  Selbständigkeit. Es blieb abhängig vom Gestaltungswillen des Menschen. Ganz anders ist die Maschine. Sie dient nicht mehr in dem Sinne dem Menschen, wie vordem das Werkzeug, sondern der Mensch bedient von nun an die Maschine, die ihre technische und ökonomische  Eigengesetzlichkeit hat. Der Mensch tritt also unter das Gesetz der Maschine, wenn nicht sogar unter ihr Diktat. Die menschliche Arbeitskrafi wird im rationalen Produktionsgang über die ,Arbeitsvorbereitung“, über Zeit- und Tätigkeitsanalysen und durch „Controlling“ auf die Sekunde  genormt. Hegel hat diese Entwicklung schon 1803 Visionär vorausgesehen. Er sprach von der mit Sicherheit zu erwartenden Entfremdung des Menschen von sich selbst und von der Natur. Immer eigengesetzlicher und unüberschaubarer für den Einzelnen wird der maschinelle und  organisatorische Apparat, der sich zwischen den Menschen und seine Umwelt, zwischen ihn und seine Mitmenschen, zwischen ihn und das soziale Ganze schiebt. In dieser rationalen Sachwelt gibt es zwangsläufig für den „Vollmenschen“ keinen ihm angemessenen Platz mehr. Gemeint  ist der „vollständige Mensch“ (Guardini) mit seiner persönlichen Begabung und Leistung, mit seinen individuellen Wünschen, Sehnsüchten und Träumen, seinem unverwechselbaren Charakter, seinen Interessen und freilich auch für den Menschen mit seinem Lachen und seinem  Weinen. Der rationale Sachprozeß schließt das Menschlichste im Menschen aus. Er verlangt geradezu den um alle diese Persönlichkeitsmerkmale reduzierten Menschen, d. h. die in ihn mechanisch reibungslos einmontierbare bloße Leistungspotenz, kurz den anwendbaren, manipulierten Menschen.

Dieser reduzierte Mensch ist nach Hegel das Produkt des komplizienen, arbeitsteiligen Sachprozesses, innerhalb dessen kein Einzelner mehr etwas Reales vom Anfang bis zur Vollendung herstellt. Kein Einzelner „gestaltet“ das zu Schaffende vom Anfang bis zum Ende. Nur das System,  in das die menschliche Leistung, der also reduzierte Mensch funktional einmontiert ist, produziert etwas. Arnold Gehlen schreibt: „Hat jemand das Gefühl, nur ein austauschbares und überhaupt etwas abgeschliffqnes Rad in der großen Maschine (Apparat) zu sein; hat er die übrigens  berechtigte Überzeugung, daß der Apparat auch ohne ihn läuft und bekommt er die Folgen seines Handelns gar nicht oder nur chiffriert als Zahlen oder bloß als Lohnabrechnung zu Gesicht, so muß der Sinn für Verantwortlichkeit in dem selben Verhältnis verlorengehen, wie das Gefühl  der Hilflosigkeit steigt . . . dieser Mensch ist im Nerv seiner Persönlichkeit amputiert . . .“ Hier hat auch Gehlen das Verantwortungsethos angesprochen, das in unserer zeitgenössischen Industriegesellschaft vom funktionalisienen „Leistungsethos“ überwuchen wird. Die  Organisierbarkeit der Arbeit im „modernen Produktionsprozeß wird fortschreitend zum Feld von Entwürfen und Planungen, die die Arbeit gewissermaßen immer mehr und immer beschleunigter in Einzel- oder Teilarbeitsgänge zerlegen. Schon Adam Smith vertrat die Auffassung, die  Arbeitsteilung verdanke man allein der Maschine. Doch gerade diese „Errungeschaft“ hat für den Menschen beträchtliche Folgen, die beispielsweise von Max Horkheimer (dem man sicher nicht nachsagen kann, er sei ein uneinsichtiger Konservativer) wie folgt ausgelegt wurden: „Das  Fortschreiten der technischen Mittel ist von dem Prozeß der Entmenschlichung begleitet. Der Fortschritt droht das Ziel zunichte zu machen, das er verwirklichen sollte: Die Idee des Menschen.“

In dieser funktionalisierten Gesellschaft, in der der Mensch nur nach seiner Anwendbarkeit im Produktions— oder Sachprozeß bewertet und anerkannt wird, die also nur den um das Menschlichste im Menschen reduzierten Homo faber akzeptiert, wird der Mensch nicht mehr von innen  aus sich selbst heraus, sondern nur mehr von außen, vom Apparat, vom System, von der Verwaltung oder von der Bürokratie gesteuert. Wenn heute bisweilen lautstark vom „mündigen Bürger“ gesprochen wird, so könnte man jene Formel als Schlagwort bezeichnen, das dem  Vokabular des Sozialzynismus entnommen wurde. Hans Freyer, der Philosoph, Historiker und Soziologe, charakterisierte es so: „Es hat wohl selten eine gesellschaftliche Ordnung gegeben, in der die Freiheit des Einzelnen vom Zivilisatorischen Apparat so stark überspielt wurde, wie  heute und in der zugleich Ersatzformen der Freiheit einen so dichten Schleier über das Individuum gelegt hätten.“

Noch deutlicher charakterisierte Paul Tillich, einst Goethepreisträger der Stadt Frankfurt, die Situation, in der wir uns befinden: „Die westliche technisierte Gesellschaft hat zur Anpassung des Menschen an ihre Forderungen Methoden hervorgebracht, die weniger brutal, doch auf Dauer gesehen weit wirksamer sind als totalitäre Unterdrückung. Sie entpersönlicht nicht durch Unterdrückung, sondern durch Bereitstellung. Und sie stellt in der Tat nicht nur  Konsumgüter und Lebenschanchen bereit, sondern auch vorgeformte, also genormte und durchregulierte Verhaltensweisen, ja ganze M0tivlagen, einschließlich der dazugehörenden Informationen, ja sogar einschließlich der dazu passenden vorgestanzten Meinungen, Werturteile und  Gesinnungen.“ Kann da vom „mündigen Bürger“ gesprochen werden? Ein weiteres kommt hinzu und intensiviert den individuellen, fortschreitenden Freiheitsverlust: Was Max Weber, Friedrich Naumann und Walter Rathenau bereits erkannten, ist das Phänomen, daß das technisch-industrielle System auch dem Staat das Gesetz des Handelns aufzwingen wird. Der verstorbene Heidelberger Rechtsgelehrte Ernst Forsthoff konnte feststellen, daß der Staat im Zuge seiner Identifikation mit der Technik vom Sozialstaat, ja zum Wohlfahrtsstaat geworden ist, wodurch er  einen neuen, sehr gewichtigen Machtzuwachs erhielt. Forsthoff wörtlich: „Es ist die Macht des Sozialstaates. Er hat sich vermöge der immanenten Logik der Dinge zum Verteiler größten Stils entwickelt.

Nun ist es eine einfache Erfahrungstatsache, daß sich mitjeder Verteilung Macht  verbindet . . . Es ist die Macht dessen, der etwas zu gewähren hat, über diejenigen, die auf diese Gewährung angewiesen sind.“ Der Wohlfahrtsstaat übt nicht nur Macht über die aus, die seiner Gewährung bedürfen, sondern auch aufdie Begehrlichen, die die Träger der steigenden  Anspruchsinflation sind, die im Sozialstaat den „Generalagenten der Lebenszufriedenheit“ sehen (Helmut Klages). Auch diese besondere A11 von Machtausübung des Staates und seiner Bürokratie über seine Bürger bedeutet einen weiteren Freiheitsverlust der Menschen und damit ein  weiteres Stück Entmündigung. Es stellt sich uns die Frage, welche Aufgabe eine Ordensgemeinschaft in der Gemeinschaft von heute, die mit wenigen Ausnahmen nur den „reduzierten Menschen“ kennt und die der Auflösung der Humanitas entgegentreibt, hat. Die Antwort ist nicht  einfach. Sicher aber ist, daß eine Ordensgemeinschaft vorrangig aus Vollmenschen und nicht aus um das Menschlichste im Menschen reduzierten, „unvollständigen“ Menschen bestehen muß. Es müssen Menschen sein, die nicht zu etwas domestiziert sind, sondern individualisiert und  bereit sind, selbständig zu denken und zu handeln. Darf in diesem Zusammenhang von elitär gesprochen werden? Es ist typisch für uns Deutsche, daß der Begriff der Elite vor allem im Bürgertum wie ein Schreckgespenst gemieden wird, so als ob Eliten sich dadurch artikulieren, daß sie  sich besser dünken als andere Menschen.

Dieses Zerrbild der Elite ist durch die Egalisierungstendenzen der historischen Linken als wirksame Klassenkampfparole aufgebaut worden. Andere Nationen wissen, daß die komplizierteste und anfälligste aller Staatsformen die Demokratie ist  und daß gerade sie ohne echte Eliten aufDauer nicht bestehen kann. Echte Eliten dünken sich nicht besser als andere; sie leisten aber mehrals der Durchschnitt und sie überblicken ein wesentlich weitergespanntes Feld der humanen Lebenswelt. Eliten sehen sich in die Pflicht und in die  Mühe des Sokrates berufen, die der gegenüber den Sophisten geübt, in die Pflicht, unzeitgemäß zu sein, sobald Zeitgemäßheit Anpassung heißt, da jeder Anpassungsvorgang den Menschen seines Eigenwenes beraubt und ihn zum angewandten Subjekt bloßer Verhaltensweisen oder Funktionen denaturiert. Der angepaßte, der „reduzierte“ Mensch ist – wie die historische Erfahrung zeigt – auch der Konformist par excellence. Er dientjeder Staatsform, jedem Regime, weil er sich überall funktional „einmontieren“ läßt. Er kennt nur das Leistungsethos, nicht aber das  Ethos der Verantwortung und es ist erschreckend, wie wenig die westliche Industrie- und Leistungsgesellschaft erkannt hat, daß zwischen ihrem Leistungsethos und der „Normenerfiillung“, die derMarxismus-Leninismus von seinen „Werktätigen“ fordert, eine alarmierende Affinität  besteht, die zu denken geben sollte.

Was den Ordensangehörigpn in dieser Zeit charakterisieren muß, kann nicht besser formuliert werden, als es Professor Dr. Kluxen getan hat: „Eritis nihi testes! Seid mir Zeugen! und alles kommt von selbst hinzu, nämlich jener Geist, der neue Perspektiven erweckt: eine patriotische   Gesinnung, die eine neue Politik inauguriert, die der Gesellschafi ihre geschichtliche Identität, ihre sittliche Substanz, ihre Rechtsvorstellungen, ihren Mutterboden, also Heimat, Wenwelt und Tradition zurückholt. Erst das Ernst— nehmen und die innere Annahme der eigenen  Vergangenheit soll unseren Vätern Mitwirkung in der Gegenwart und unseren Kindern ihre Zukunfi sichern. Die christliche Parole heißt nicht ‚Vorwärts‘ bis in den Abgrund, sondern ,Urnkehr‘ gegen den Strom. Nur wer gegen den Strom schwimmt, kann die Quellen erreichen …“

Das erfordert vor allem Zivilcourage, Mut zur Freiheit, Fähigkeit und Mut zu eigenem Denken und Handeln im Sinne des großen Auftrags, als Angehöriger der christlichen Ritterschaft vom Tempel in Jerusalem Einzelkämpfer stets zu sein, wo ihn sein Beruf, seine Aufgabe hingestellt  haben. Nicht auf vorgeformte Weisungen warten, nicht auf Ideologien hören, auf vermeintliche Experten, sondern selbständig denken. Der Ordensritter beachte das Lutherwort und seinen tiefen Sinn von der Freiheit eines Christenmenschen und er setze sich als geschichtliches Wesen  ein in seiner Gegenwart. „Seine Ehre und seine Würde als Person liegen darin, daß er sich selbst in sein Tun einbringt und zwar überall da, wo er mit freiem Willen Verantwortung trägt. Der Einsatz des Menschen in dem großen Spiel seiner geschichtlichen Existenz ist sein  Menschentum. Ein höherer ist nicht denkbar, solange wir ehrlich mit irdischenMaßen messen. Er ist immer wieder in die Geschichte einzubringen und wie eine heilige Flamme von Gegenwan zu Gegenwart weiterzutragen. (Hans Freyer)